Diese Zeitung hatte mehrfach über den Fall berichtet. Wie der Angermünder Pfarrer Christian Johnsen am Freitag berichtete, ist es ihm gelungen, den Aufenthaltsort des Mädchens in Serbien zu ermitteln und mit ihm in Kontakt zu treten. Der Pfarrer hilft seit Jahren Flüchtlingsfamilien. Für die 15-jährige Jelena (Name geändert) und ihre Geschwister hat er Vollmachten übernommen, um die teilweise überforderte alleinerziehende Mutter zu entlasten.
Erfolglose Diplomatie
Brandenburgs Staatssekretär Thomas Kralinski, Bevollmächtigter für Internationales, hat gegenüber dieser Zeitung Fehler eingeräumt. Kralinski hatte sich in der Folge auf diplomatischer Ebene für das Mädchen eingesetzt. Allerdings erfolglos. Johnsen findet, Brandenburg hätte mit etwas Geld helfen müssen. "Aber eine Schadensminderung nach Behördenfehlern sieht das System nicht vor", kritisiert Johnsen. Er fordert die Einrichtung eines solchen Topfes, um künftig besser reagieren zu können.
Jelena hatte sich beim Jugendamt in der Uckermark abgemeldet und allein auf die Reise zu ihrer in Serbien weilenden Mutter gemacht. Weil die märkische Polizei sie im Schengen-Informationssystem irrtümlich als "vermisst" führte, wurde sie von den ungarischen Behörden an der Grenze gestoppt und festgesetzt. Das Jugendamt in Budapest bestand darauf, dass Jelena von einer bevollmächtigten Person abgeholt wird. Hätte das Land Brandenburg der Mutter 200 Euro für die Abholung bereitgestellt, wäre das Problem schnell gelöst gewesen, schätzt Johnsen ein.
Folgenschwerer Fehler
Die Familie des Mädchens sei sehr arm. Wegen Geldmangel und weiterer Komplikationen verzögerte sich die Abholung. Am Ende saß Jelena mehr als drei Wochen im Heim fest. Laut Christian Johnsen habe sie den Aufenthalt als sehr belastend empfunden. Das Mädchen erhebe Vorwürfe gegen die Mutter, fühle sich im Stich gelassen. "Jelena hat mit ihrer Familie gebrochen. Das wäre vermeidbar gewesen", sagt der Pfarrer.
Die 15-Jährige wolle nun definitiv bei ihrem volljährigen Freund in Serbien bleiben, während die Mutter demnächst zu ihren anderen Kindern in die Uckermark zurückkommen werde, so Johnsen. Damit sich in Serbien jemand um die Minderjährige kümmert, übernehme der dort lebende leibliche Vater das Sorgerecht.