Jeden Morgen das gleiche Bild auf dem Angermünder Bahnhof: Pendler aus allen Dörfern der Region strömen in die Züge Richtung Berlin. Doch mit der bequemen Fahrt bei Kaffee und Morgenzeitung ist es seit Februar vorbei. Durch die Bauarbeiten am Karower Kreuz, die bis nächstes Jahr dauern sollen, können viele Berufstätige nicht mehr genau einschätzen, wann sie zur Arbeit kommen. Eigentlich sollte sich die Fahrzeit durch die Umleitung der RE-3-Züge über Berlin-Lichtenberg nur um zehn Minuten verlängern. Doch tatsächlich sind es meist 25 bis 30 Minuten. "Um in Angermünde zu wohnen und in Berlin-Mitte zu arbeiten, ist man über vier Stunden jeden Tag unterwegs", so Pendlerin Angela Mans.
Doch damit nicht genug. In Lichtenberg herrscht reinster Stress. Genervte Reisende verpassen die Züge, weil sich U- und S-Bahnen verspäten. Erst jüngst passierte es, dass Dreiviertel aller Zuggäste eilends ihre Plätze verlassen mussten, weil die Zuginformation fehlte und der richtige RE 3 ganz woanders stand.
Wer voller Verzweiflung aufs Auto umsteigt, den erwarten noch ganz andere Sorgen. Nicht nur die Einfahrstrassen nach Berlin verstopfen mehr und mehr. Mit dem bevorstehenden Bau der B 198 zwischen Angermünde und der Abfahrt Joachimsthal wird auch in diesem Jahr der wichtigste Autobahnzubringer der Uckermark zur A 11 komplett gesperrt. Die Folge: Weitere Umwege.
Inzwischen haben sich die ersten Pendler beim Verkehrsverbund beschwert, allerdings nur nichtssagende Antworten erhalten. Damit wollen sich die Betroffenen in ihrer Not nun gar nicht zufrieden geben. In einem Brandbrief wenden sie sich nun an die Landräte der an der Bahnstrecke liegenden Kreise Uckermark und Barnim, um sich für eine Lösung des Problems einzusetzen. Denn kurioserweise gibt es Züge, die ohne Stress Richtung Norden durchkommen. So verkehrt ein einzelner IC 1970 aus Stuttgart nach Stralsund, der Freitagabend eben tatsächlich nur eine Stunde von Berlin-Hauptbahnhof bis Angermünde benötigt und weder in Lichtenberg noch in Bernau hält. Allerdings taucht der in den Fahrplanauskünften gar nicht auf.
Die Bahnfahrer haben daher beim Verkehrsverbund angeregt, "einen solchen Zug jeden Tag verkehren zu lassen, um den Pendlern wenigstens einmal am Tag die Möglichkeit zu geben, in einer vertretbaren Zeit die Arbeit beziehungsweise die Heimat zu erreichen", so die Unterzeichner des Brandbriefes Angela Mans aus Crussow, Anja Freyhoff aus Stolpe und Alexander Lips aus Eberswalde.
Andere Pendler nutzen die Halbstunden-Verbindung bis Eberswalde und lassen sich dort abholen. Es gibt unter den genervten Reisenden noch andere Vorschläge: Warum lässt man den RE 3 nicht während der Bauzeit die früher genutzte Strecke über die Berliner Stadtbahn laufen, ohne in Gesundbrunnen zu halten? So könnten die Pendler bis zum Hauptbahnhof kommen und dort umsteigen.
Vielleicht gibt es darauf eine Antwort auf einem sogenannten Regionaldialog am 16. Juni im Angermünder Rathaus. Dort will Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider den neuen Landesnahverkehrsplan öffentlich vorstellen und diskutieren. Es geht dabei um ein verbessertes Angebot für die Fahrgäste. Pendler können nicht daran teilnehmen. Die suchen ihre Anschlüsse.