Es ist ein hartes Geschäft unter Zeit- und Konkurrenzdruck. Doch nun macht ein deutschlandweites Pilotprojekt den Fernfahrer-Alltag leichter und sicherer: Parkplatz-Sharing für Trucks in einem genossenschaftlichen Netzwerk von Speditionen.
Dahinter steckt die Idee, dass Speditionsfirmen auf ihrem abgeschlossenen Gelände Rastplätze auch für Gast-Lkw einrichten, wo Trucker Pause machen, duschen und übernachten können und zudem Fahrzeuge und Fracht sicher sind. Diese Initiative hat die Kravag-Versicherung gestartet, die nun Partner für ihr Park-Sharing-System gewinnen und es in ganz Deutschland und auch europaweit ausbauen will.
Schluss mit langen Umwegen
"Bisher gibt es in Deutschland 15 dieser sicheren Parkplätze", berichtet Projektleiter Tim Baumeister. Der erste und bisher einzige in Berlin-Brandenburg wurde jetzt in Angermünde auf dem Gelände der Internationalen Spedition Euba Logistic eröffnet. Zehn Gastparkplätze stehen zur Verfügung, die ersten Buchungen gingen schon wenige Minuten nach der Eröffnung ein. Für die Euba-Geschäftsführer Kayth Kasel und Ronald Garkisch war die Beteiligung an dem Pilotprojekt Herzenssache. "Unsere Fahrer kennen das Problem der überfüllten Parkplätze aus leidvoller Erfahrung, müssen oft Umwege fahren, um endlich irgendwo parken zu können, die Zeit im Nacken. Und immer wieder werden auch Lkw auf Autobahn-Rastplätzen aufgebrochen", erzählt Kayth Kasel. Auf dem abgeschlossenen und bewachten Angermünder Euba-Gelände stehen ab sofort Gastparkplätze für Trucker zur Verfügung, die hier duschen, übernachten und nach der Ruhezeit entspannt die Fahrt fortsetzen können. Im Gegenzug können Euba-Fahrer auf ihren Touren bei anderen Partnerunternehmen innerhalb des Netzwerkes sicher parken. "Wir hoffen sehr, dass diese tolle Idee Schule macht und sich noch viele Unternehmen beteiligen, damit das Netz immer dichter wird", betont Ronald Garkisch.
Koordiniert und finanziell unterstützt wird das Projekt von der Kravag-Logistic, dem Versicherungspartner, der ein ureigenes Interesse an sicheren Parkplätzen für Fernfahrer hat. "Es geht nicht nur um Diebstähle, die bei wertvollen Frachten Schäden in Millionenhöhe verursachen, sondern auch um Verkehrssicherheit, denn viele schwere Unfälle werden durch übermüdete Fahrer und überzogene Lenkzeiten verursacht, was eben auch an fehlenden Lkw-Parkplätzen liegt", erklärt Tim Baumeister. Deutschlandweit fehlen 30 000 Lkw-Parkplätze. "Der Bau eines Autobahnparkplatzes dauert jedoch von der Planung bis zur Eröffnung fünf bis zehn Jahre und kostet zwischen 50 000 und 100 000 Euro pro Stellplatz. Unser Projekt beispielsweise bei Euba  Angermünde dauerte keine drei Monate und kostete nur 500 Euro", ergänzt Versicherer Carsten Pultz. 80 neue Park-Sharing-Standorte sollen in diesem Jahr noch eröffnet werden. Euba in Angermünde ist der erste.
QR-Code dient als Schlüssel
Das System funktioniert kinderleicht, demonstriert Euba-Dispatcher Jacek Kurjata, der die Buchungen koordiniert. Die Kravag stellte eine moderne Tür- und Torsteuerung sowie eine digitale Plattform mit Website und Smartphon-App zur Verfügung. Die Fahrer können über diese App direkt per Smartphone gesicherte Parkplätze auf Betriebshöfen von Partnerunternehmen in ihrer Nähe finden und reservieren. Der QR-Code dient als Schlüssel, sodass die Fahrer jederzeit das Tor zum Euba-Hof  passieren und den Komfort eines sicheren Quartiers genießen können.