„Wir sind schon den ganzen Tag am Telefonieren und organisieren. Die ganze Wohnung ist vollgestellt. Wir planen, eine Inventurliste anzulegen und arbeiten teilweise bis drei Uhr morgens, um alles ordentlich zu beschriften und zu verpacken.“ Kamil Biernacki ist deutlich unter Stress, aber auch voller Energie. Er und seine Frau Maria Halakhova nehmen Sachspenden für Menschen aus der Ukraine entgegen. Alles muss schnell gehen, denn: der Lkw kommt bereits am Freitag, den 4. März, an.

Hilfe soll direkt in Ukraine ankommen

Zwar sammelt das Ehepaar erst aktiv seit dem 27. Februar, dennoch haben bereits viele engagierte Menschen aus der Uckermark und dem Umland dringend benötigte Dinge abgegeben, darunter warme Kleidung, lang haltbare Nahrungsmittel, Babynahrung und Windeln. „Das sind die Sachen, die wir noch am meisten brauchen. Aber auch Isolierschlafsäcke, Hygieneartikel und alles, was mit der medizinischen Versorgung zu tun hat, nehmen wir gerne an.“ Alle Sachspenden werden zuerst in ihrer privaten Wohnung zwischengelagert, bevor es in ein Lager in Schönow geht. Von dort aus werden die Spenden direkt in die Ukraine gebracht. „Lemberg ist das Ziel. Das ist eine Stadt an der westlichen Grenze zu Polen, wo es auch noch relativ sicher ist, aber dort ist auch gerade ein Flüchtlingsansturm. Da werden die Sachspenden gerade dringend gebraucht.“
Spenden für Ukraine: Auch das Kinderzimmer sieht schon nach einem Lager aus. Helfer sortieren die Spenden schon einmal vor.
Spenden für Ukraine: Auch das Kinderzimmer sieht schon nach einem Lager aus. Helfer sortieren die Spenden schon einmal vor.
© Foto: Oliver Voigt

Familie lebt in Ukraine

Biernacki und Malakhova haben persönliches Interesse daran, den Menschen dort zu helfen. „Meine Frau ist Ukrainerin, ihre ganze Familie lebt noch dort und ihr Bruder ist beim Militär“, so Biernacki, „und wir wollen, dass dort die Hilfe schnell ankommt. Deshalb ziehen wir das ganze hier privat auf.“ Zwar habe er kurz über eine Vereinsgründung nachgedacht, um auch Geldspenden entgegennehmen zu können, jedoch wolle er nicht zwei Monate warten, bis er diese auch wirklich annehmen könne. Deshalb die private Hilfe über Sachspenden. Er habe auch vor, den Lkw selbst bis in die Ukraine nach Lemberg zu fahren, um dort die Güter abzugeben. Alles sei selbst organisiert und geplant, ein wahrer Knochenjob. „Ich bin auch eigentlich in Vollzeit berufstätig, da muss ich jetzt sehen, dass ich mich beurlauben lassen kann.“ Über Mithilfe, ob privat, über Vereine oder der Stadt Schwedt/Oder, wäre er sehr froh.

Viele Spenden kommen an

Trotz der kurzen Zeit haben sich bereits viele Spenden angesammelt, nicht nur aus der näheren Umgebung aus Schwedt. „Wir haben viele Freunde und Bekannte, die in Berlin leben und uns ebenfalls mit Spenden ausgeholfen haben. Auch haben wir so Kontakt zu einem ukrainischen Arzt aus Hannover herstellen können, der uns mit drei Paletten mit medizinischen Materialien beliefern möchte.“ Falls nicht alle Sachen in den einen Lkw passen werden, der sich Samstag bereits auf den Weg Richtung Ukraine macht, werde eine Prioritäten-Liste erstellt. „Wir packen erstmal alles in den Lkw, was wir rein kriegen. Falls sich dann rausstellt, dass wir zu viele Sachen haben, werden dann vor allem lang haltbare Nahrungsmittel, warme Kleidung und medizinische Materialien wie Bandagen eingepackt.“

Viele Kontakte zu verschiedenen Stellen

Da dass alles ein großer Aufwand sei, sucht das Ehepaar auch gerne Partner, die auch mithelfen könnten, sowie weitere Spendenwillige. Nicht nur Privatpersonen sind gefragt, sondern auch gerne Unternehmen und Vereine. „Ich habe mich bereits in Verbindung mit vielen unterschiedlichen Stellen gesetzt,“ so Biernacki, „so unter anderem mit dem Asklepios-Klinikum in Schwedt, mit einigen Militärausstattern sowie Jägerbedarfsläden. Wir reden auch mit entsprechenden Regierungsleuten und Stellen in der Ukraine.“ Alles, damit die Hilfe schnell und sicher direkt in der Ukraine ankommt. Denn: „Das ist gerade das Einzige, was wir tun können“, so Biernacki.

Andere Aktionen im Umkreis

Interessierte können Spenden in der Berliner Straße 109A in Schwedt abgeben. Unter der Telefonnummer 0176 32736595 kann Kontakt aufgenommen werden. Gebraucht werden vor allem warme, nicht abgetragene Kleidung, Medikamente, Hygieneartikel, und lang haltbare Nahrungsmittel wie Konserven. Andere Aktionen finden sich auch in Angermünde, ausgerichtet von Magnus Knigge und durch die Stadt selbst, sowie in Eberswalde durch die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung.
Alle aktuellen Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine gibt es in einem Liveticker. Weitere Leseempfehlungen finden Sie auf einer Themenseite. Mehr Hilfsangebote für die Ukraine in ganz Brandenburg finden Sie hier.