Was ist der stärkste Gegner eines Windrads? Ein geschützter Vogel. Weil die Tiere Gefahr laufen, in den riesigen Rotorblättern geschreddert zu werden, gibt es zahlreiche Untersuchungen, Standpunkte und Bewertungen über einzuhaltende Mindestabstände zu Brutplätzen. Das Problem daran: Lebensräume von Vögeln verändern sich schneller als die Planung von neuen Windfeldern. Und so kommt es bei der Ausweisung des neuen Windplans für die Kreise Uckermark und Barnim immer wieder zu teilweise skurrilen Diskussionen darüber, wo denn nun der Schwarzstorch brütet oder wo der Schreiadler landet.
Beispiel Neukünkendorf. Im Kampf gegen die erhebliche Erweiterung des Eignungsfeldes haben Kritiker und Naturschützer im Umfeld des benachbarten Crussow eine geradezu erstaunliche Artenvielfalt seltener Tiere entdeckt. Das Verwunderliche daran: Im zuständigen Landesumwelt liegen viele Daten dazu gar nicht vor. Das sagt Beate Blahy vom Naturschutzbund Angermünde. Sie ist aus diesem Grund extra zur Behörde gefahren. "Die Datenlage ist völlig veraltet. Der Brutplatz der Rohrdommel ist gar nicht gesucht und gefunden worden. Der Rotmilan zählt im Falle Neukünkendorf scheinbar nicht. Fledermäuse werden behandelt, als wären sie gar nicht da."
Die Rohrdommel gibt es tatsächlich. Der Vorsitzende des Planungsausschusses Frank Bretsch hatte sich persönlich auf die Lauer gelegt, um die unnachahmlichen Laute des scheuen Tieres zu belauschen. Die Planungsstelle lässt den Bereich nun windkraftfrei. Allerdings hat das gar keine Auswirkung auf die 256 Hektar große Fläche, die künftig bebaut werden soll.
In einem eindrucksvollen Vortrag schilderte Rainer Ebeling von der Crussower Bürgerinitiative die Argumente der Gegnerschaft. Seit sechs Monaten zählen die Bürger nun selbst die seltenen Vogelarten. Das Windfeld liege im Hauptflugkorridor des Weißstorchs und in der Flugroute weiterer geschützter Tiere. Betroffen seien die Äsungsflächen von Gänsen. Der Schwarzstorch tauche in der Stellungnahme zur Bewertung des Windfelds gar nicht auf.
Nach Angaben der Regionalen Planungsstelle sind jedoch alle Hinweise an das Landesumweltamt weitergeleitet worden. "Das Vorhandensein eines Vogels muss aber nicht zu Veränderungen bei einem Windeignungsgebiet führen", erklärt Jens Christen vom Bundesverband Windenergie. Jedes Feld werde jahrelang naturschutzfachlich geprüft. Daher seien schon einige Eignungsgebiete herausgefallen.
Es sei nicht gut für die Energiewende, wenn man keine Kompromisse finde, urteilt Regionalrat Jens Koeppen (CDU). Neukünkendorf sei eines der Gebiete mit den meisten Einwendungen der Bürger. Daher müsse man den Menschen entgegen gehen. "Mir kommt es so vor, dass man hier eine renitente Bürgerinitiative zur Räson bringen will."
Alle Änderungen des Windplans werden ab 1. August für zwei Monate erneut öffentlich ausgelegt. Bürger haben dann die Möglichkeit, wiederum zu den einzelnen Windfeldern Stellung zu nehmen und Hinweise zu geschützten Arten zu geben.