An der Ehm Welk-Oberschule Angermünde gibt es seit einigen Wochen eine neue Hilfskraft. Sie spricht nicht und bekommt kein Gehalt. Sie hat die Herzen der Kinder im Sturm erobert, und die freudige Begrüßung ist beiderseitig, wenn die Lehrerin Urte Kelm ihre schwarz-braune Laila mit in die Klasse bringt. Dann wissen die Schüler: Alles Ess- und Trinkbare hat in den Taschen zu verschwinden. Und es wird ganz still im Raum. Seit den Herbstferien gehört die Ehm Welk-Oberschule zu den mehr als 500 Einrichtungen unterschiedlicher Schulformen in Deutschland mit einem Schulhund. Der Altdeutsche Hütehundmix Laila ist noch im Probejahr. Die ersten Wochen verliefen vielversprechend.
Für den Einsatz ausgebildet
Das Projekt und die Hündin Laila, die bei der Lehrerin Urte Kelm zu Hause lebt, wurden zuvor auch den Eltern vorgestellt. Die Hündin mit dem sanften, gutmütigen und ruhigen Wesen ist sehr kinderlieb und zuverlässig. Sie wurde für ihren Einsatz an der Schule eigens ausgebildet und soll später therapeutisch mitarbeiten. Sie ist lerneifrig wie die Kinder und als Hütehund ausdauernd und eigenständig. Es gibt bestimmte Hygieneregeln, die auch auf der Internetseite der Schule einsehbar sind. Dazu gehört zum Beispiel das Händewaschen der Schüler nach der Stunde mit dem Hund, bevor man sein Schulbrot auspackt. Schul- und Lehrküche sowie Essenraum sind für den Vierbeiner tabu. Er läuft auch nicht allein durchs Schulhaus.
Am Montag war Laila in der ersten Stunde im Kunstunterricht von Urte Kelm in der temporären Lerngruppe 7. Nach dem freudigen Begrüßen und Beschnuppern nahm Laila auf ihrer Decke an der Tafel Platz. Die Kinder beantworteten die Fragen ihrer Lehrerin zum Thema Farbkontraste völlig konzentriert. Statt abgelenkt zu sein, werden sie ruhig. "Sie nehmen Rücksicht. Selbst in größeren Klassen ist der Hund ein Indikator, dass es ruhig bleibt", hat die Lehrerin festgestellt. Manches Kind hatte anfangs Angst oder Respekt. Aber mittlerweile wird zumindest geduldet, dass die Hündin im Raum ist.
Die Ehm Welk-Oberschule ist eine Schule für gemeinsames Lernen. Kinder mit Lernbehinderung werden besonders gefördert. Dafür stehen zusätzlich 6,5 Lehrerstellen und zwei pädagogische Fachkräfte zur Verfügung. Eine Heilpädagogin und eine Ergotherapeutin ergänzen die beiden Schulsozialarbeiterinnen. Das macht auch manches Neue möglich. "Viele Kinder, die zu uns kommen, tragen unterschiedliche Rucksäcke mit sich herum, sind in unterschiedlicher Weise gehemmt. Wir möchten sie für die Teilnahme am Unterricht und am gemeinsamen Leben an der Schule aufschließen", sagt der Schulleiter.  "Schule ist ein Ort, an dem es kein Versagen gibt. Hier wird geübt, gelernt und den Kindern die Hand gereicht, die sie auffängt bei alltäglichen Problemen."
Die meisten Kinder sind tierlieb. Manch einer erzählt seinem Haustier eher seine Sorgen als anderen Menschen. "Ein Schulhund bringe Ruhe in den Klassenraum, weil er Rücksichtnahme fordert, wozu die Kinder gerne bereit sind", erklärt Frank Bretsch. "Schulhunde sorgen daher für ein verstärktes Aufmerksamkeitspotenzial, einen gesteigerten Wohlfühlfaktor und ein ausgeglichenes Klima in der Gruppe."
Auswirkungen auf die Leistung
Die Ehm Welk-Oberschule ist, soweit bekannt, uckermarkweit die einzige mit Schulhund. Ein Jahr lang ist nun Zeit, die Arbeit mit dem vierbeinigen Helfer zu erproben und zu sehen, ob man auf dem richtigen Weg ist. "Wir wollen am Ende alle zusammen auf Grund der gesammelten Erfahrungen begründete Entscheidungen treffen", so der Schulleiter. Er und sein Kollegium sind aufgeschlossen für alles, was die Schüler voranbringt, wobei ein Schulhund nicht nur lernbehinderten Kindern gut tut, sondern auch Regelklassen. Eine größere Aufmerksamkeit, Sensibilisierung und Rücksichtnahme wirken sich am Ende in besseren Lernergebnissen aus, ist man sich an der Angermünder Schule sicher.