Nun ist es doch so weit gekommen: Das schon seit Monaten leer stehende Pfarrhaus in Greiffenberg mit dem gesamten Pfarrhof, dem Gemeindehaus und der Veranstaltungsscheune werden privatisiert. Die Entscheidung steht fest. Die evangelische Kirchengemeinde benötigt das historische Ensemble nicht mehr. Der große Komplex mit 8500 Quadratmetern direkt neben der Kirche soll in Erbpacht für 99 Jahre vergeben werden.
Damit verschwindet wieder ein Stück Kircheninstitution vom Lande. „Es ist das Ergebnis von Strukturveränderungen“, sagt Pfarrer Uwe Eisentraut. Die um Angermünde liegenden Pfarrsprengel haben sich entschieden, den Dienstsitz der beiden für die Region verbleibenden Pfarrstellen direkt in der zentral gelegenen Stadt anzusiedeln. Von dort aus fahren die Pfarrer dann ins Umland. Das funktioniert jetzt schon, auch wenn in vielen Kirchen kaum noch oder nur wenige Gottesdienste stattfinden oder die Predigt von Lektoren übernommen wird.

Rückzug vom Lande

Der Rückzug aus der Fläche scheint unaufhaltsam. Die Zahlen der Kirchenmitglieder gehen zurück. Es fehlt Geld für die Stellen. Ein Pfarrer betreut zahlreiche Orte. Schon seit Jahren vergibt die evangelische Kirche der Uckermark ihre nicht mehr benötigten Pfarrhäuser und sonstigen Gebäude in Erbpacht. Damit bleibt zwar das Eigentum gewahrt, doch im Grunde genommen hat die Kirche kaum noch Zugriff darauf.
Bei Greiffenberg ist der Verlust umso schmerzlicher für viele Christen, weil hier nach dem Weggang von Pfarrer Justus Werdin noch Hoffnung bestand, das erste Hospiz der Uckermark einzurichten. Studenten legten viel beachtete Ideen zur Umgestaltung vor. Das Projekt hätte Greiffenberg einen Aufschwung verschafft. Doch entschieden sich die Betreiber überraschenderweise nicht für den zentral gelegenen Standort, sondern für Prenzlau.

Sanierung nicht zu stemmen

Die Entscheidung für einen Verkauf hat aber noch einen anderen Grund. Denn das aus zwei Gebäuden bestehende Pfarrgrundstück verlangt nach dringender Sanierung. Die Mittel dafür stehen nirgendwo zur Verfügung. „Wir können das überhaupt nicht stemmen“, gesteht Uwe Eisentraut. „Und wir wüssten nicht einmal, wofür wir sanieren sollen.“ Stattdessen käme der Verkaufserlös gerade recht, um wenigstens den Eigenanteil für die schon in Sanierung befindliche Kirche von Greiffenberg aufzubringen. Hier war der Turm dermaßen einsturzgefährdet, dass er sofort abgetragen werden musste. Der Wiederaufbau läuft.
Mindestens 250 000 Euro soll das geschichtsträchtige und auch landschaftlich reizvoll gelegene Pfarrhof-Ensemble einbringen. Das würde gerade reichen für die fehlenden Mittel zur Kircheninstandsetzung. Seit wenigen Tagen steht das Haus nun auf der Immobilienseite der evangelischen Kirche. Vier Monate lang haben kirchliche Institutionen das Vorkaufsrecht. Man würde einer öffentlichen oder diakonischen Einrichtung grundsätzlich den Vorzug einräumen. Findet sich niemand, geht das Objekt anschließend auf den freien Markt.

Fehlende Winterkirche

Die Kirchengemeinde möchte gegebenenfalls zwei Räume, einen Flur, eine kleine Küche und Toiletten dauerhaft wieder anmieten. Ein separater Eingang ist vorhanden. Somit würde die Gemeinde auch im Winter einen beheizbaren Raum haben. Ist der neue Eigentümer nicht damit einverstanden, müsste eine Winterkirche im eigentlichen Kirchengebäude eingebaut werden. Das wäre dann aber wieder teurer.
Als Verlust ist vor allem die Privatisierung der einst mit Fördermitteln geretteten Pfarrscheune zu werten. Fanden hier doch in der Vergangenheit zahlreiche kirchliche und nichtkirchliche Veranstaltungen statt. Möglicherweise gibt es aber auch einen gewerblichen Betreiber, der diese Chance ergreift.