Ein bunt gestrichener Rollator mit Quietscheentchen, zusammengewachsene siamesische Einkaufswagen, ein Kästchen voller Goldstaub, aus dem sich wie um Rettung flehend eine Hand reckt, kunterbunte Smarties auf einem Spiegeltablett, Stelen mit Glasteinen, in denen das Sonnenlicht alle Farben des Sommers zum Leuchten bringt ... - das Motto Farbe, das auch Schwerpunktthema des diesjährigen bundesweiten Tages des offenen Denkmals ist, beflügelte die Fantasie der uckermärkischen Künstler und inspirierte zu einer vielfältigen Auseinandersetzung mit bunt. Bunt als Ausdruck des Lebendigseins, der Lebensfreude, bunt als oberflächlicher, trügerischer Anschein, der verdecken soll, was an Düsterkeit darunter liegt, bunt, das Mut erfordert und Selbstvertrauen - so näherten sich die acht Künstler in ihrer ganz unterschiedlichen Sprache dem Thema, das nicht immer nur leicht daher kommt.
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Christian und Birgit Uhlig, Arne Kalkbrenner, Roland Köhler, Ada Stronzki, Tina Bach, Bettina Mundry und Gerald Narr gehören alle zur Künstlergruppe "umKunst", die sich freiwillig zusammenschließt, um sich auszutauschen und gemeinsame Projekte wie die Ausstellung in Angermünde zu initiieren.
Ihre Handschriften sind so verschieden, wie die Materialien und Formen, denen sie sich verschreiben. Und so bietet die neue Ausstellung der um-Künstler Wiedererkennenswertes und Überraschendes zugleich und fordert den Betrachter auf, genau hinzuschauen, sich einzulassen, eigene Assoziationen zu entwickeln. Wenn der Angermünder Künstler Christian Uhlig augenzwinkernd einen bunt gestrichenen Rollator mit einer gelben Quietscheentchenhupe auf einem Podest erhöht, ein paar Schachteln Gelenkpillen und -salben dazu gesellt, ist der Gedanke an die alternde Gesellschaft schnell gefasst. Alt verbinde man oft mit Grau, auch weil ältere Menschen Farben meist scheuen. Uhlig will das Altwerden bunter machen, freudvoller, selbstbewusster.
Kunterbunte Smarties drapierte Arne Kalkbrenner auf einem hohen Spiegeltablett. Wer sich nicht von den süßen, bunten Bonbons ablenken lässt, schaut da hindurch und blickt in eine scheinbar bodenlose, schwindelerregende Tiefe.
Illusionen erzeugen auch die Bilder von Roland Köhler. Der Fotograf schärft den Blick aufs Detail, auf die bizarren Muster alltäglicher Dinge. Ada Stronzki provoziert mit Installationen und Objekten, die hinter den schönen Schein der bunten Welt schauen, die politische Geschehnisse aus dem bequemen Fernsehsessel heraus zum Greifen nah heranholen. "Ich finde die Ausstellung sehr gelungen, weil sie so vielseitig ist", sagt Besucherin Christine Jürschke aus Angermünde. "Ich bin offen für Kunst. Man muss sich einlassen und kann dann für sich etwas herauslesen."
Carmen Staggat aus Storkow vertiefte sich gedankenverloren in die Kunstwerke von Ada Stronzki. "Kunst muss nicht nur schön sein. Mich reizt es, hinter die Dinge zu schauen. Dazu inspiriert die Ausstellung, mit ihren ganz unterschiedlichen Themen. Man wird sehr nachdenklich." Die Ausstellung ist bis zum 7. Oktober zu sehen. Am 14. September, zum Tag des offenen Denkmals, gibt es im Kloster einen Vortrag des Restaurators Dr. Jan Raue zum Thema Farbe im Denkmal.
Ab 12 Uhr laden alle Künstler zur Ausstellungsführung mit Gesprächen und Musik.
Vorsicht bunt: Die neue Ausstellung "umKunst" im Angermünder Kloster ist alles andere als gewöhnlich und provoziert zum genauen Hinschauen. Fotos (2): MOZ/Daniela Windolff
Ausstellung " nach bunt" der Gruppe "umKunst" im Angermünder Kloster bekennt Farbe