Das gemütliche Sonntagsfrühstück fiel am Wochenende für Dutzende ehrenamtliche Feuerwehrleute und DRK-Helfer aus. Und auch die Bewohner des Mehrfamilienhauses Prenzlauer Straße 20 wurden noch vor der Frühstückszeit aus der morgendliche Ruhe gerissen.
"Gegen halb acht klingelte es an unserer Wohnungstür. Ich glaubte erst, dass sich jemand einen Scherz macht. Aber es klingelte wiederholt und sehr nachdrücklich. Es war die Feuerwehr", berichtet Bewohner Burkhard Fahl von den Ereignissen dieses Sonntags. Er hatte seinen kleinen Enkel zu Besuch und wollte ihm gerade einen Märchenfilm anmachen und Frühstück vorbereiten. Doch dazu kam es nicht mehr. Alle Mieter sollten unverzüglich das Haus verlassen. Mit einem Großaufgebot waren Feuerwehren und Rettungswagen an diesem Morgen in der Prenzlauer Straße angerückt.
In einem direkt angrenzenden, leerstehenden privaten Wohnhaus war wohl über Nacht ein Feuer mit starker Rauchentwicklung ausgebrochen. Um ein Übergreifen auf das bewohnte Nachbargebäude zu verhindern und die Bewohner vor den giftigen Gasen zu schützen, wurden alle Mieter vorsorglich evakuiert. Das DRK hatte auf der Straße ein beheiztes Zelt aufgebaut und die überraschten Bewohner mit Kaffee, Tee und kleinem Imbiss versorgt.
Für Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst war dieser Einsatz im wahrsten Sinne des Wortes auch eine Feuerprobe der Zusammenarbeit im Notfall. Viele ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um die Evakuierten. In dem Wohnhaus, das der Gemeinnützigen Grundstücks- und Wohnungsgenossenschaft GWG gehört, wohnen sechs Mietparteien, darunter viele ältere Menschen. Die Aufregung legte sich angesichts der professionellen Betreuung schnell. "Wir haben uns eigentlich sicher gefühlt. Die Feuerwehrleute und auch die ehrenamtlichen Helfer vom DRK verstehen ihr Handwerk, es funktionierte alles reibungslos und war top organisiert", lobte Burkhard Fahl. "Für meinen dreijährigen Enkel waren die vielen Feuerwehren mit Sirenen, Blaulicht und Männern mit Atemmasken allerdings sehr spannend und machten ihm auch etwas Angst. Die Szenerie war schon spektakulär", erzählt Burkhard Fahl.
Immer wieder mussten die Feuerwehren in dem leerstehenden Brandhaus Glutnester löschen. Eine angrenzende Wand zu einer Wohnung hatte sich schon bis auf 70 Grad aufgeheizt. "Es war schon eine angespannte Situation und nur durch die recht schnelle Alarmierung konnte Schlimmeres verhindert werden", urteilt auch Stadtbrandmeister Jürgen Duckert. "Als meine Frau um sechs Uhr morgens zur Arbeit musste, hatte sie schon brenzligen Geruch bemerkt, aber nichts entdecken können. Kurz vor halb acht hat ein Mann, der im Container gegenüber Altglas entleerte, Rauch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert", erzählt Burkhard Fahl. Wenige Minuten später waren die Retter vor Ort.
Erst gegen zehn Uhr durften die Mieter erleichtert in ihre Wohnungen zurückkehren. Ihr Haus nahm keinen Schaden. Die Polizei ermittelt nun und schließt Brandstiftung nicht aus.