Sein Weg zum traditionellem Begrüßungsbesuch bei einem der jüngsten Pinnower führte Bürgermeister Walter Kotzian dieser Tage ins „Haus Sophie“. Hier wurde er von Leon Noel Arno freudig erwartet. Er hat am 7. April das Licht der Welt erblickt. Wegen der Corona-Pandemie hatte der Bürgermeister seinen Antrittsbesuch bislang verschoben. Die Geschenke, das Schnuffeltuch und der Einkaufsgutschein, interessierten den propperen Knaben jedoch nicht so sehr wie der Blumenstrauß für die Mutti. Aufmerksam und mit einem Strahlen übers ganze Gesicht, lauschte der Kleine den Glückwünschen des Dorfoberhaupts. „Er lacht immer. Das macht morgens beim Aufstehen schon gute Laune“, erzählt Mutti Carolin Brüdigam.

Der Sonnenschein im Haus

Dabei war der Leons Start gar nicht so toll. Weil das Baby sich im Mutterleib nicht in die richtige Position gedreht hatte und die Werte immer schlechter wurden, holte man ihn im Schwedter Klinikum mit einem Notkaiserschnitt. Heute ist er der Sonnenschein im Haus „Sophie“. Auch von Simone Sander, der Leiterin Mutter-Kind-Einrichtung, in die Carolin einen Monat vor der Entbindung kam.
Die Volkssolidarität hat das Haus vor anderthalb Jahren von der Familie Dreblow für eine Wohngemeinschaft angemietet. Hier finden volljährige Schwangere sowie Mütter und Väter mit ihren Kindern unter sechs Jahren Unterstützung, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden und ihre elterliche Sorge zeitweilig nicht oder nur teilweise ausüben können. Das können Trennung oder Scheidung, Verlust eines Angehörigen oder Überforderung im Alltag sein. In dem 160 Quadratmeter großen Haus leben zwei weitere Mütter mit insgesamt drei Kindern. Jede Familie hat ihr eigenes Reich mit ein bis zwei Zimmern, eigenes Bad oder eins zur Mitnutzung, Spielzimmer für alle und einen Gemeinschaftsraum. Zu den Mahlzeiten trifft man sich meistens am großen Tisch in der Gemeinschaftsküche.

Hilfen zur Erziehung

Rund um die Uhr ist jemand vom Personal im Haus, ob die Sozialpädagogin, Erzieherin, Ergo- oder Kunsttherapeutin oder Hauswirtschafterin. Hier kümmert man sich um das Wohl der großen und kleinen Bewohner mit dem Ziel eines eigenständigen Lebens. „Hilfen zur Erziehung bieten wir seit 1996 ambulant und seit 2016 auch stationär an“, erzählt Simone Sander. In Flieth-Steglitz gibt es eine Wohngruppe für Kinder ab vier Jahren und in Oberhavel eine weitere für Mutter und Kind.“
Für Pinnow habe man sich bewusst entschieden. „Hier auf dem Land können die Mütter zur Ruhe kommen und haben dennoch eine gute Anbindung nach Angermünde und Schwedt, zum Beispiel zu Berufsbildungsstätten. Kita und Schule im Ort sind wichtig. Wie in einer Familie hat hier jeder seine Pflichten. Man macht aber auch gemeinsam Urlaub. Gerade waren die Familien im Rügenhotel in Saßnitz, unterstützt von der Volkssolidarität. Ziele, so Simone Sander, seien die soziale Integration im Ort und der Aufbau von Netzwerken.
Deshalb rannte Pinnows Bürgermeister sozusagen offene Türen ein mit seiner Einladung, Veranstaltungen, das Vereinsleben und andere Möglichkeit in der Gemeinde zu nutzen. Und auch die Pinnower sind im „Haus Sophie“ gern gesehen.