„Singen ist Leben, singen ist Hoffnung“, diese Liedzeile scheint den Angermünder Stadtsängern nicht nur aus der Kehle, sondern auch aus der Seele zu strömen. Und sie widmen sie nicht nur ihrem treuen Publikum, sondern dieses Mal ganz persönlich einem besonderen Menschen. Sie singen für Siegfried Soldan, ihren langjährigen Chorleiter und Freund. Er sitzt im Publikum. Durch eine schwere Krankheit hat er nicht mehr die Kraft, selber auf der Bühne zu stehen und den Männerchor zu leiten, denn das ist nicht nur Freude und Leidenschaft, sondern auch harte Arbeit.

Konzertleben in Angermünde mitgeprägt

Doch die hat sich über die vielen Jahre immer wieder gelohnt. Siegfried Soldan hat den Männerchor aufgebaut und über 30 Jahre lang ehrenamtlich neben seiner beruflichen Herausforderung als Musiklehrer und Schulleiter mit Herzblut und Ehrgeiz geleitet. Und er hat damit mehr geleistet, als nur junge und alte Herren für Gesang und Geselligkeit zu begeistern. Siegfried Soldan hat mit seinem Chor und den vielen Konzerten auch das kulturelle Leben in und um Angermünde mitgeprägt und bereichert. Kein Stadtfest ohne Stadtsänger, kein Advent ohne ihr Konzert und auch vielen Seniorenheimen und Dorfkirchen und haben sie unter Leitung von Siegfried Soldan oft ein fröhliches musikalisches Ständchen gebracht.

Musik sagt mehr als Worte

„Er war unser musikalischer Leiter, unser Maestro, Taktgeber, Zauberer, Trainer und Animateur“, sucht Chorsänger Klaus Sewekow nach den passenden Worten, die die enge Verbindung der Chorgemeinschaft mit ihrem Leiter beschreiben sollen.
Für dieses jahrelange Engagement wollen die Stadtsänger nun auf ihre Weise Danke sagen: Mit Musik, denn die sagt mehr als Worte. Ihrem Chorleiter „Siggi“ widmen sie ein berührendes Konzert zum Abschluss des Blasmusikfestes am vergangenen Sonnabend in der Angermünder Klosterkirche. „Wir möchten zeigen, dass wir unter den besonderen Corona-Bedingungen wieder mit unseren Chorproben begonnen haben. Die vergangene Zeit war aber nicht nur durch die Pandemie etwas holprig für unserem Chor“, sagt Klaus Sewekow. Der Chor suchte Ersatz für den erkrankten Chorleiter, sonst hätte er aufgeben müssen. Doch er bekam zum Glück immer wieder viel Unterstützung. So sprangen die Sängerin Dagmar Budnick, die Leiterin des Angermünder Stadtchores Sabine Hellwig und auch der ehemalige Marienkantor Rainer Rafalsky als Chorleiter ein.

Abschied mit Tränen und Gesang

Nun haben die Angermünder Stadtsänger, auch durch gute Überzeugungsarbeit von Siegfried Soldan, Dagmar Budnick als ständige Chorleiterin gewinnen können. Das Abschiedskonzert für Siegfried Soldan war zugleich ihr öffentliches Willkommen und ihr erstes gemeinsames Konzert auf der Bühne.
Dafür greifen die Stadtsänger tief in die Schatzkiste ihres umfangreichen Liederreservoirs und versuchen ihre stimmliche Klangvielfalt auszuschöpfen, vom weinseligen Trinklied bis zum anspruchsvollen vielstimmigen Chorklassiker. So erklingen bekannte Volkslieder wie „Horch was kommt von draußen rein“, Liebeslieder wie „Plaisir d’amour“, Kultsongs wie „Morning has broken“ von Cat Stevens oder „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und im Finale die „Legende von Babylon“ von Bruce Low, die den Sängern alles abverlangt aber den sonoren Männerstimmen ein Experimentierfeld bietet, auf dem sie sich weiter ausprobieren sollten.

Probenstart unter neuer Leitung

Dann geht schließlich auch Siegfried „Siggi“ Soldan noch mal auf die Bühne, um „Friede auf Erden“ zu dirigieren und mitzusingen. Die Gelegenheit nutzen seine Freunde für persönliche Umarmungen und Erinnerungsgeschenke. Mit Tränen in den Augen. Aber Siegfried Soldan bleibt Mitglied des Chores, einer von ihnen. Die Stadtsänger proben nun emsig mit ihrer neuen Leiterin Dagmar Budnick für neue Konzerte.