Denkt daran: Ihr seid alle Königinnen und Könige", ruft Madlen Vietmeier, Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche in der Uckermark, ihrer Sternsingertruppe hinterher. Die Kinder laufen durch den Garten von Pfarrer Michael Heise aus Schönermark, um ihre erste Gesangseinlage von insgesamt 20 Stationen an diesem kalten Sonnabend darzubieten.
In bunten, seidig glänzenden Umhängen samt goldschimmernder Krone auf dem Haupt stehen sie im weihnachtlich hergerichteten Wohnzimmer des Kirchenmannes und seiner Ehefrau. In der Hand halten zwei der Sänger einen Sternstab, der durch kleine Lämpchen erleuchtet ist. "Den hat meine Nachbarin letztes Jahr gebastelt", erklärt Vietmeier der Pfarrersfrau, als diese den Stab bewundert. Insgesamt vier Lieder tragen die fünf Sternsinger dem Pfarrer vor, der freudig seinen Kopf dazu mitbewegt und zwischendurch mitsingt beim Lied "Stern über Betlehem".
Spenden für Kinder im Libanon
Zuvor trafen sich die Kinder und Jugendlichen im Pfarrhaus der katholischen Kirche in Angermünde zur "Lagebesprechung und Routenplanung". Auch eine Erzieherin und die Tochter von Madlen Vietmeier fanden sich zur Unterstützung in der Frühe ein. Unter den Sängern ist die jugendliche Jolina, die zum dritten Mal mitmacht. Sie erklärt: "Wir sammeln für die Kinder im Libanon, da dort Krieg herrscht." Im Vorjahr spendeten die Sänger ihre Einnahmen nach Peru. Später im Pfarrhaus darf Jolina den Segen an die Haustür schreiben – noch mit echter Kreide. "Die haben wir extra noch segnen lassen", sagt Vietmeier.
Neben der Kreide hat die Gemeinde sich speziell angefertigte Aufkleber mit dem Segensspruch angeschafft, der anstelle der Kreideschrift an den oberen Türrahmen angebracht wird. "Doch bestehen manche noch auf die herkömmliche Art", so die Pädagogin. Alte Hasen wissen, dass sich hinter den Segenszeichen "20*C+M+B+19" der lateinische Satz: "Christus Mansionem Benedicat" steht und auf Deutsch "Christus segne dieses Haus" bedeutet. "Das soll den Hausbewohnern Glück und Frieden für das gesamte Jahr bescheren", weiß Jolina. Dem evangelischen Pfarrer Michael Heise hat die Vorstellung äußerst gut gefallen: "Es war wie immer sehr schön", resümiert er zufrieden.
Sportliche Sänger
Üblicherweise beginnen die Sternsinger nach Neujahr mit ihren Routen, doch wäre in Angermünde das Zeitfenster zu klein gewesen, um allen angemeldeten Haushalten einen melodischen Besuch abzustatten. Daher wurden sie schon vergangenen Freitag ausgesendet.
Madlen Vietmeier schätzt, dass sie an diesem Wochenende insgesamt 50 Stationen vor sich haben – ein sportliches Vorhaben. "Sternsingen ist anstrengend, aber dafür sehr schön", erzählt sie beim Autofahren zwischen Angermünde und Schönermark. "Ich freue mich jedoch jedes Jahr wieder drauf – trotz des Aufwands", meint sie zufrieden.
Jedoch sorgt sie sich um den Fortbestand ihrer Truppe und ersehnt sich Zuwachs für das kommende Jahr. Im November beginnen üblicherweise die ersten Vorbereitungstreffen, zu denen jedes Kind eingeladen ist.
Nächsten Montag werden die Kinder bei Angermündes Bürgermeister Frederik Bewer erwartet. In Schwedt beginnt die Sternsinger-Aussendung am 2. Januar.