Ausbildung oder Studium? Technik oder Verwaltung? Medizin oder doch lieber Handwerk? Für viele junge Leute ist die Berufswahl eher Qual angesichts der vielen Möglichkeiten und persönlichen Verunsicherung über eigene Interessen und Fähigkeiten. Jeder fünfte Jugendliche bricht vorzeitig Ausbildung oder Studium ab. Deshalb hat das Bundesbildungsministerium mit Partnern aus Bildung und Wirtschaft neue Modelle für eine frühzeitigere und praxisnähere Berufs- und Studienorientierung aufgelegt, die auch Schüler in Gymnasien erreichen soll.

Talente erkennen und erproben

Ein bundesweites Modellprojekt heißt BOGY und meint die Berufsorientierung für Gymnasien. Das Angermünder Bildungswerk beteiligt sich als eine von bisher wenigen Einrichtungen in Deutschland an diesem Projekt, das vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird.
Was steckt in mir? Welche Interessen und Talente habe ich? Welche Berufe haben Zukunft? Das können Schüler innerhalb einer Projektwoche ausprobieren. Als einzige Schule im Landkreis Uckermark hat das Templiner Gymnasium seine Teilnahme an diesem freiwilligen Projekt zugesagt. Das Scherpf-Gymnasium Prenzlau ist kurzfristig wieder abgesprungen.

Corona verzögerte den Projektstart mehrmals

Wegen Corona musste der Start mehrmals verschoben werden. Doch in dieser Woche konnte es endlich losgehen. 23 Schüler aus drei neunten Klassen des Gymnasiums in Templin nehmen nun freiwillig am BOGY-Projekt teil. Es könnten mehr sein, doch viele Eltern hatten die Teilnahme abgelehnt, weil sie Sorge haben, dass ihre Kinder nach dem wochenlangem Homeschooling nicht noch mehr Unterrichtsausfall verkraften und den versäumten Stoff nicht mehr aufholen können, bedauert Daniel Schenk, Lehrer für Sport und WAT am Gymnasium Templin. Er hatte das Projekt gemeinsam mit Projektleiter Thomas Greiner vom Angermünder Bildungswerk schon zum Ende des vergangenen Schuljahres organisiert.

Viele Abiturienten haben keine Ahnung, was sie einmal machen möchten

„Wir haben bei unseren Schülern gemerkt, dass viele nur mit der erstellten Potenzialanalyse nicht weiterkommen. Sie brauchen auch echte Einblicke in die Praxis und Möglichkeiten, sich auszuprobieren, um für sich entscheiden zu können, in welche berufliche Ausbildungs- oder Studienrichtung sie einmal gehen wollen“, sagt Daniel Schenk. Viele Gymnasiasten wüssten heute noch nicht einmal mit dem Abi-Zeugnis in der Hand, wohin der Weg sie einmal führen soll. BOGY kann ein Wegweiser in die Zukunft sein.

Werkstatttage bieten Einblicke in Berufsfelder

Die Schüler können an verschiedenen Werkstatttagen praxisorientierte Einblicke in die große Palette an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in selbst gewählten Berufsfeldern bekommen. Sie können zwischen verschiedenen Fachrichtungen wählen, zu denen Holzbearbeitung, Forstwirtschaft, erneuerbare Energien, Metallbearbeitung, Elektro- und Kfz-Technik, Informatik und Medien, Wirtschaft und Verwaltung, Grafik und Design, Hotelerie und Gastronomie, Erziehung, Gesundheit und Pflege gehören.
Je nach gewählter Richtung findet die praktische Erprobung im Bildungswerk in Angermünde, in der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, in der Beruflichen Schule Angermünde und in der Kita Weltentdecker statt. Die Werkstatttage in den GLG Einrichtungen, zum Beispiel im Forßmann-Klinikum Eberswalde, mussten nun wegen der Corona-Einschränkungen leider wieder abgesagt werden.

Studium und Ausbildung werden gleichwertig dargestellt

„Wichtig ist uns eine gleichwertige Darstellung der Möglichkeiten beruflicher und akademischer Ausbildung. Wir bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, mehr Klarheit über eigene Wünsche und Vorstellungen für ihre berufliche Zukunft zu gewinnen", erläutert Projektleiter Thomas Greiner vom Angermünder Bildungswerk.
Am Standort in Angermünde finden die Schüler ideale Bedingungen in verschiedenen Werkstätten, Büros sowie in Küche und Caféteria und können sich praktisch ausprobieren, ob beim Mixen von (alkoholfreien) Cocktails, wo sie mit Spaß und Phantasie ihr Chemiewissen testen und in den großen Bereich Gastronomie und Tourismus schnuppern, oder in der Kfz-Werkstatt, wo sie ihre schulischen Physikkenntnisse in der Praxis erproben und ihr technisches Interesse für Handwerk oder Ingenieurstudium entdecken können.
Im nächsten Jahr soll es ein Folgeprojekt für die Sekundarstufen I und II geben, für das sich bereits das Angermünder Einstein-Gymnasium, das Gauß-Gymnasium Schwedt sowie nochmals das Templiner Gymnasium angemeldet haben.