Drei Jahre Risiko – jetzt ist es passiert: Ein Riesenbaum hat das Erbbegräbnis der Adelsfamilie von Wedel im Park des alten Gutshauses von Polßen zertrümmert. Der mindestens 25 Meter hohe Stamm knallte direkt auf eines der sechs schwarzen Marmorkreuze und verwüstete die historische Anlage aus dem 20. Jahrhundert. Wie hoch der Schaden an dem unter Schutz stehenden Denkmal ist, lässt sich noch nicht ermitteln.
Der Baum stammt vom Nachbargrundstück. Dabei handelt es sich um das alte Pfarrhaus der evangelischen Kirche mit großem Garten, der unmittelbar an den Park des Gutshauses angrenzt. „Unglaublich“, schimpft Familie Wierenga, die als Nachbarin und Eigentümerin des Gutsparks nun plötzlich den Schaden hat. Der fremde Baum auf ihrem Grundstück soll sofort wieder verschwinden. Aber nunmehr seit zwei Wochen ist überhaupt nichts passiert.

Umsturz war vorhersehbar

Dabei war der gefährliche Umsturz des tonnenschweren Baums vorhersehbar. Denn er hat sich schon seit 2017 nach einem Sturm in die Krone eines Baums auf dem Nachbargrundstück gelegt. Und nicht nur einer. Ein weiterer Baum gleich daneben hängt ebenfalls seit jener Zeit in kompletter Schieflage und wird nur durch einen armstarken Ast einer Kastanie gehalten. Für die Familie Wierenga ist der Zustand unhaltbar. Niemand traut sich in die Nähe der Gefahrenstelle, weil auch der zweite Stamm jederzeit plötzlich herunterkommen kann und dann vermutlich das komplette Erbbegräbnis vernichtet.
Die Wierengas sind deshalb so sauer, weil sie den Eigentümer des Nachbargrundstücks schon vor drei Jahren gewarnt haben. Ein Wunder, dass die schiefen Bäume überhaupt so lange standhielten. Das alte Pfarrhaus gehört nicht mehr der evangelischen Kirche. Die hat es als Erbpacht an einen privaten Besitzer vergeben. Der wohnt in Berlin. „Ich verstehe den Ärger meines Nachbarn“, sagt Herbert Lohner, der beim BUND arbeitet und nur zeitweilig in seinem Grundstück in der Uckermark weilt. „Ich bin demnächst wieder vor Ort und werde den Schaden noch im September beheben.“

Einbrüche in Wohnhaus

Lohner hat das Haus vor etwa zehn Jahren gekauft, eine Zeitlang darin gewohnt. Für ihn allein ist es zu groß. Er möchte etwas Gemeinnütziges für das Dorf schaffen, etwas mit kulturellem Hintergrund. Allerdings ist in der Vergangenheit immer wieder in das Objekt eingebrochen worden. Man hat Türen aufgebrochen, Fenster eingeworfen und das Innere verwüstet. Offenbar gab es illegale Feiern. Sogar Kühlschrank und Waschmaschine wurden abtransportiert. Bei den vermeintlichen Tätern soll es eine Hausdurchsuchung gegeben haben. Inzwischen sind diese Umtriebe beigelegt. Frustriert hat sich Lohner in seine Wohnung in Berlin zurückgezogen. Ab nächstes Jahr geht er in Rente, will dann nach Polßen ziehen und das Pfarrhaus herrichten.
Die Aufregung um das zerstörte Begräbnis und den unansehnlichen Zustand des Pfarrgehöfts hat das kreiskirchliche Verwaltungsamt in Eberswalde erreicht. Grundsätzlich gebe es vertragliche Verpflichtungen, wie bei Erbbaurecht mit dem Grundstück umzugehen ist, heißt es aus dem Amt. Diese würden hier offensichtlich nicht erfüllt. Es sei im Interesse der Kirchgemeinde, dass von dem Grundstück keine Gefahr ausgehe und es in ordnungsgemäßem Zustand gehalten werde. Im Zweifelsfall müssten alle Betroffenen zu einem Vor-Ort-Termin zusammenkommen. Die Denkmalbehörde des Kreises war bereits dort.
„Wir verlangen, dass der Baum wegkommt, die zweite Gefahrenstelle beseitigt und das Grab wiederhergestellt wird“, so Familie Wierenga.