Man kann sie nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken. Nur das stetige Klicken des Geigerzählers verrät die unsichtbare Gefahr: Radioaktivität. Dort, wo am 26. April 1986 das schlimmste Reaktor-Unglück der Geschichte passierte, sind noch immer Boden, Wasser, Wälder, Wiesen, Äcker und dadurch auch Menschen verstrahlt. 33 Jahre nach dem Unglück werden noch immer tausende Kinder krank.
Um sie nicht zu vergessen und um die Tragödie nicht zu vergessen, die für die betroffene Region kein Ende nimmt, erinnert eine Aktionswoche des Solidaritätsdienstes International (Sodi) vom 11. bis 18. März mit verschiedenen Veranstaltungen an Tschernobyl und seine Folgen. In Angermünde wurde am Mittwoch eine Ausstellung im Naturkostladen Wildblume eröffnet, die von der Sodi-Aktivistin Christa Dannehl aus Schwedt initiert wurde, die sich seit vielen Jahren um Hilfe für die betroffenen Menschen in Weißrussland engagiert, sowie vom Angermünder Religionslehrer Wolfgang Rall, der sich ebenfalls mit seinen Schülern seit engagiert dieses Themas annimmt. Er organisierte schon mehrere Ausstellungen und Aktionen mit Sodi im Einstein-Gymnasium. Schüler der 7. Klasse gestalteten zur Ausstellungseröffnung ein bewegendes Programm mit Musik und Texten zum Thema.
"Ausgestrahlt" zeigt auf großformatigen Informationstafeln erschütternde Fakten über Auswirkung und Ausbreitung der Radioaktivität nach dem Unglück in Tschernobyl. Fast eine Million Helfer waren damals oft ungeschützt und unwissend im Einsatz. Was aus ihnen geworden ist, weiß niemand. Fakt ist, dass sich die Krebsrate verdoppelt hat, dass deutlich mehr Kinder mit Behinderungen geboren werden, dass 80 Prozent der heute dort lebenden Kinder teils chronisch krank sind. Tschernobyl-Aids nennt sich das. Die Strahlung schwächt das Immunsystem und schädigt Organe und Nervensystem, was für Kinder mit ihrem noch wachsenden Organismus besonders gefährlich ist. Das größte Problem heute ist die Unwissenheit vieler Menschen, wie man sich vor der noch immer sehr gefährlichen Strahlung schützen kann. Darüber klären Dr. Alexej Nesterenko und sein Team vom unabhängigen Institut für Strahlensicherheit in Minsk (Weißrussland) die Bevölkerung auf, führen regelmäßig Messungen der Lebensmittel durch, testen alle Kinder und versorgen sie mit Medikamenten. Sie wollen auch die Weltöffentlichkeit für die Gefahren von Atomkraft sensibilisieren. Der Wissenschaftler war mit seinem Ingenieur Iwan Krasnopjorow Gast der Ausstellungseröffnung und gefragter Gesprächspartner.
Die Wanderausstellung in der "Wildblume" wird in Abständen die Tafeln wechseln.