Die Planungsstelle der beiden Landkreise hat nach einer Untersuchung die Orte festgestellt, die einen Katalog von Landeskriterien erfüllen. Das ganze Vorhaben hat mit einer besseren ländlichen Entwicklung zu tun. Wichtigster Punkt: Werden die 14 Schwerpunktzentren vom Land bestätigt, dann bekommen sie zusätzlich zu ihren Zuweisungen noch jährlich 100 000 Euro drauf. Ein Batzen Geld, der für den Erhalt und den Ausbau von Kitaplätzen, für Schulsanierung, Parkplätze oder die Ansiedlung eines Apothekers genutzt werden können. Die Liste ist lang.
Zweiter wichtiger Punkt: Ein solcher Standort darf im Gegensatz zu anderen Dörfern stärker wachsen. Gemeint ist die Ausweisung von Wohngebieten, die in Brandenburg flächenmäßig reglementiert wird.
Zehn Orte erfüllen alle elf geforderten Kriterien: Biesenthal, Boitzenburg, Brüssow, Gartz, Gerswalde, Gramzow, Joachimsthal, Lychen, Wandlitz und Werneuchen. Vier weitere Orte erfüllen zwar nicht alle Kriterien, besitzen zudem aber besondere Funktionen: Fürstenwerder, Groß Schönebeck, Oderberg und Passow.
Sinn und Zweck der ganzen Aktion ist ein stärkerer Ausbau der Daseinsvorsorge auf dem Lande. Daher können auch nur solche Orte in den Genuss der zusätzlichen Förderung kommen, die sich nicht direkt im Umfeld eines Mittelzentrums (also der größeren Städte wie zum Beispiel Schwedt, Eberswalde, Angermünde oder Bernau) befinden. Denn die üben bereits die entsprechende Umlandfunktion aus.
Uckerland geht leer aus
Mit Ausweisung dieses bereits in früheren Jahren schon mal existierenden Netzes bekommen auch weitere Planungen einen wichtigen Hinweis. So sollten zentrale Orte besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Auch Schulstandorte und die Errichtung von Altenpflegestationen spielen dabei eine Rolle. Nicht alle Regionen sind damit zufrieden. Der gesamte Raum Uckerland nördlich von Prenzlau geht leer aus, weil nicht ein einziges Dorf alle Kriterien erfüllt. Solche Vorgaben wie das Vorhandensein einer Bankfiliale, einer Post oder eines Zahnarztes seien gar nicht zeitgemäß, moniert Bürgermeister Matthias Schilling. "Stattdessen erzeugen wir bei uns einen großen Teil regenerativer Energien für Mittelzentren, was überhaupt nicht berücksichtigt wird."
Freude dagegen in der Gemeinde Nordwestuckermark, dass Fürstenwerder es geschafft hat. Und auch Passow könnte in den Genuss der Vorteile kommen, sollte die Ausnahmeregelung greifen. Doch Amtsdirektor Detlef Krause vermisst in dem Kriterienkatalog den Faktor Arbeitsplätze für bessere Kaufkraft auf dem Lande. Die Gemeinde Pinnow hat keine Chance, in den Plan aufgenommen zu werden, obwohl sich hier noch ein Amtssitz befindet.
Schnelle Umsetzung gefordert
Die beiden Kreise, im nördlichen Brandenburg, Uckermark und Barnim wollen den Plan so schnell wie möglich in Kraft setzen, um das Geld für die Orte zu sichern. Dafür wirbt auch der frühere Wirtschaftsminister und jetzige Regionalrat Ralf Christoffers. Im Oktober soll deshalb der Genehmigungsantrag abgegeben werden.
Im Hintergrund haben viele Bürgermeister jetzt auch neue Chancen, die sich aus der zunehmenden Umsiedlung junger Familien in weiter entfernte Regionen entlang der großen Bahnlinien abzeichnet.