Keiner deckt den Tisch so reichlich wie Mutter Natur. Fast das ganze Jahr über wachsen Kräuter und Pflanzen, die den Menschen als Nahrung, Würze oder für die Gesundheit dienen. Doch viele Leute wissen gar nicht, wie wertvoll all das ist, was man im Wald, an Straßenrändern oder auf Wiesen findet.
Da staunten die Mädchen und Jungen aus dem Schmargendorfer Naturkindergarten „Mauz und Hoppel“ nicht schlecht, als der Koch Pascal Verrooten aus dem Angermünder Hotel 1912 an einem Nachmittag den Tisch draußen mit Pflanzen, Früchten sowie süßen und herzhaften Leckereien deckte. Die Kinder und ihre Kita-Leiterin Doris Witteck waren diesmal als Verkoster in unserer Wildpflanzen-Serie eingeladen. Dazu gesellte sich die Kita-Köchin Stephanie Petrautzki, die normalerweise für das leibliche Wohl im Naturkindergarten verantwortlich ist.

Quitte ist eine wenig bekannte Frucht

Eine Quitte sahen die meisten Kinder zum ersten Mal und durften sie auch in die Hand nehmen. Nicht einmal alle Erwachsenen haben mit der Quitte schon einmal Bekanntschaft gemacht, die es in Apfel- oder Birnenform gibt, geschweige denn sie einmal probiert. Dabei hilft sie gegen viele Zipperlein und kann als Grundlage für manch interessante Gerichte dienen.
Die ursprünglich aus Westasien stammende Frucht soll im Kaukasus schon vor 6000 Jahren angebaut worden sein, hat die Schmargendorfer Physiotherapeutin Dorthe Maleck herausgefunden. „Im antiken Griechenland wurde sie erstmals um 600 vor Christus beschrieben. Sie war ein Symbol für Glück, Liebe und Fruchtbarkeit“, berichtet sie. Schon Hippokrates, der berühmteste Arzt des Altertums, soll die Quitte bei Magen-Darm-Problemen und Fieber verordnet haben.

Viele gesunde Inhaltsstoffe

Quitten sind besonders reich an Vitamin C und Folsäure. Sie haben viele Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor und Eisen. Dazu bringen sie einen hohen Anteil an Gerbstoffen und Pektin mit. Pektine aus der Gruppe der löslichen Ballaststoffe wirken cholesterinsenkend, normalisieren den Blutzuckerspiegel und sollen Darmkrebs vorbeugen. Durch die Quellwirkung des Pektins werden Giftstoffe im Darm gebunden und ausgeschieden. Quittenkompott hilft bei auch Durchfall. Als Heilpflanze wirkt die Quitte blutbildend, entzündungshemmend, harnreibend, kühlend und schleimlösend.
Die traditionelle Medizin verwendete das Fruchtfleisch, die Schalen und Blätter, aber vor allem die Quittensamen wegen der Schleimstoffe, die bei Husten, Halsschmerzen und Durchfall zum Einsatz kommen. „Die Zubereitung ist ganz einfach. Dazu weicht man Quittenkerne für einige Stunden im warmem Wasser ein, bis sich Schleim bildet. Pro Tasse verwendet man einen Teelöffel Kerne“, erklärt Dorthe Maleck.

Kerne im Ganzen verwenden

Man kann den Samen auch für Tee verwenden. Dazu sollte man zwei Teelöffel Quittensamen mit einer Tasse Wasser etwa fünf Minuten kochen und dann abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Der Tee hilft gegen Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit und Unruhe.
Wichtig, so die Physiotherapeutin, sei allerdings bei innerlichen Anwendungen mit Quittenkernen, diese unbedingt im Ganzen zuzubereiten und vor dem Verzehr abzuseihen. „Sie enthalten nämlich das Glycosid Amygdalin, woraus durch das Zerkleinern oder kauen die giftige Blausäure abgespalten wird.“
Auch Quittenschale kann übrigens für Tee verwendet werden.
Die Hausfrau verwendet Quitten in der Küche vor allem für die Zubereitung von Gelee oder Saft. Sie passen aber auch gut als Entenfüllung oder als Beilage für Wild. Pascal Verrooten hat für seine kleinen Verkoster die roh nicht sehr gut schmeckende Quitte süß veredelt und ein leckeres Kompott gezaubert. Und weil Kinder immer ehrlich sind, und manche es zumindest gewöhnungsbedürftig fanden, freuten sich die Eltern beim Abholen ihrer Sprösslinge über leckere Häppchen. Am Ende blieb nichts übrig.