Wieder müssen die Bürger von Crussow und Neukünkendorf, die sich durch den Zubau von immer mehr und immer höheren Windkraftanlagen in ihren Dörfern gestört fühlen, eine Niederlage einstecken. Die Angermünder Stadtverordneten lehnten mit knapper Mehrheit einen Antrag der Ländlichen Bürgergemeinschaft (LBG) ab, für das Windfeld Neukünkendorf/Crussow erneut eine Veränderungssperre zu beschließen. Damit sollte Zeit geschunden werden, um den von der Stadt begonnenen Bebauungsplan fertig zu stellen und damit ein Instrument zu schaffen, um als Kommune Einfluss auf die künftige Bebauung wie Höhe und Abstände der Windräder nehmen zu können. Solch eine Veränderungssperre hatte die SVV aus eben diesen Gründen bereits 2016 beschlossen und 2018 um ein weiteres Jahr verlängert. Am 19. Oktober diesen Jahres lief diese Sperre aus, ohne dass die Stadt bisher einen B-Plan vorlegen konnte. Der Antrag der LBG auf ein viertes Jahr Verlängerung und Einberufung einer Sonder-SVV zu diesem Thema kam zu spät. Zudem argumentierte die Verwaltung dagegen mit enormen rechtlichen Risiken und sehr strengen Begründungen, für eine Verlängerung oder erneute Veränderungssperre, die nicht erfüllt werden könnten.
Dennoch stellte die LBG zur Dezember-Sitzung wieder einen Antrag, dieses Mal für eine neue Veränderungssperre anstelle der ausgelaufenen. Begründet wird dies damit, dass die Zielsetzung, die Planung für das Windfeld durch einen Bebauungsplan abzusichern, noch nicht abgeschlossen ist. Außerdem hätten sich die Rahmenbedingungen geändert. Erst 2019 sei der Ministererlass für Abstandskriterien zum Schutz des Rotmilans in Kraft getreten. Die besondere Lage des Windfeldes zwischen Nationalpark und Biosphärenreservat erfordere weitere Untersuchungen. Doch weder damit noch durch die Plädoyers der Vertreter der Bürgerinitiative Crussow Rainer Ebeling und Hartmut Konipanzki und des Neukünkendorfer Ortsvorstehers Frank Scholz konnten sie überzeugen, auch wenn das Anliegen Verständnis findet.
Bauplan der Stadt in Verzug
Obwohl die seit Jahren in der SVV kochenden Diskussionen um Windkraft die Abgeordneten inzwischen ermüden, weil die geltenden Gesetze ihnen kaum Handlungs- und Entscheidungsspielraum lassen, diskutierten sie auch dieses Mal das Für und Wider. Frank Bretsch (SPD) ist als Einwohner von Mürow selbst von Windrädern umzingelt, die rechtlich nicht zu verhindern waren. Doch er betonte, dass neue naturschutzrechtliche Erkenntnisse, wie der Rotmilanschutz, im Genehmigungsverfahren ohnehin berücksichtigt werden. Heiko Poppe (Linke) kritisierte, dass die Stadtverordneten nur die "Reparaturbrigade für ein Bundesgesetz" zur Privilegierung der Windkraft sind, was nicht zu ändern ist. "Wir werden also nichts erreichen, außer uns um Formalien zanken."
Bauamtsleiterin Susanne Tahine, die erst seit 2018 im Amt ist, versicherte, dass die Planungen weit fortgeschritten sind und der B-Plan auf jeden Fall zu Ende geführt wird.
Die Bürgerinitiative befürchtet jedoch, dass die Windinvestoren längst in den Startlöchern stehen und noch vor Inkrafttreten des B-Plans loslegen.