Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Wir helfen uns" startet nächsten Monat

Joachimsthaler Tauschring im Aufbau

Viola Petersson / 07.01.2012, 05:19 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Biete Hilfe beim Umzug, suche Begleitung für Arztbesuch. So oder so ähnlich könnte er funktionieren, der Tauschring. Unter der Trägerschaft der Kirchengemeinde wollen Joachimsthaler eine Art Zeitbank eröffnen und kostenlose Hilfe organisieren.

Alle Welt beklagt den demografischen Wandel. Die Alten werden immer älter. Und (zahlenmäßig) stärker. Die Jungen hingegen immer weniger. Wer bloß soll unsere Rente verdienen? Mit genau diesem Thema haben sich Herbert Henzler und Lothar Späth in ihrem Buch "Der Generationen-Pakt" befasst. Und die Autoren kommen zu dem Schluss, dass "die Alten nicht das Problem, sondern die Lösung sind". Denn: Mit der demografischen Entwicklung gewinnen wir Zeit.

Ein "bestechender Gedanke", wie Hans-Jürgen Fischbeck, Physiker im Ruhestand, von der Kommunität Grimnitz findet. Seit etwa vier Jahren schon befasst er sich mit der "Solidarischen Ökonomie" und mit alternativen Konzepten. "Warum sollten wir also diesen Gewinn", greift er den Gedanken von Henzler und Späth auf, "nicht nutzen?" Zeit als eine Art Zweitwährung, so Fischbeck. "Oder mitunter auch Zeitbank genannt." Das Geld sei häufig knapp, nicht aber die Zeit.

Zeit einander zu helfen, unentgeltlich zu helfen, sei da. Ebenso die Bereitschaft, ist Fischbeck überzeugt. "Und wer Hilfe leistet, der nimmt auch gern Unterstützung an." Neu sei die Idee des Tauschrings nicht, sagt Fischbeck und verweist unter anderem auf positive Erfahrungen in Witzenhausen (Hessen) und in Eggesin (Mecklenburg-Vorpommern). Ermutigt habe ihn zudem eine Umfrage unter 120 Joachimsthalern. "In einer Fragebogenaktion haben Schüler des Gymnasiums den Bedarf an Hilfe und mögliche Leistungen erfasst." Gewünscht wurden vor allem "Unterhaltung, im Sinne des persönlichen Gesprächs", Hilfe beim Einkauf oder beim Großreinmachen sowie Hundebetreuung im Urlaubsfall, nennt Fischbeck einige Beispiele. Als Leistungen seien z. B. Kinderbetreuung, Behördengänge oder Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen genannt.

Zwar sei die Befragung anonym erfolgt, dennoch habe die positive Resonanz die Initiatoren darin bestärkt, das Projekt in Angriff zu nehmen. "Die Umfrage hat gezeigt, dass ein Tauschring der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe in Joachimsthal möglich und - wegen der wachsenden Zahl älterer Menschen unter uns - auch nötig ist."

In der Bibliothek soll eine Anlaufstelle zur Kontaktaufnahme eingerichtet werden. Dort werden Angebote und Nachfragen koordiniert. Im Sozialausschuss der Stadt sei das Projekt bereits vorgestellt und erörtert worden. "Nach einer durchaus kontroversen Diskussion ist das Vorhaben befürwortet worden", sagt Renate Berkmann aus der Projektgruppe. Verschiedene rechtliche Fragen waren vorab zu klären. "Etwa die nach der Haftung oder nach der Abgrenzung zu professionellen Dienstleistern." Der Tauschring, da sind sich Berkmann und Fischbeck einig, soll keine Konkurrenz zur Wirtschaft sein. "Wir nehmen den Dienstleistern nichts weg." Pflege beispielsweise sei tabu.

Als Träger für den Tauschring "Wir helfen uns" habe man die Kirchengemeinde Joachimsthal gewonnen. Gefördert wird das Projekt vom Land und der EU über das Programm "entersocial". Im Februar, so das Ziel, wollen die Akteure starten.

Am 18. Januar laden die Initiatoren um 16 Uhr in der Schorfheide-Information zu einer Bürger-Veranstaltung ein. Dort wird das Projekt vorgestellt. Frank Viohl spricht auch über Erfahrungen in Witzenhausen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG