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Auf dem Kanal sollen wieder Schiffe fahren / Zerpenschleuser Ortsbeirat feiert Projektauftakt

Langer Trödel vor dem Erwachen

Idylle am Langen Trödel in Zerpenschleuse: Alte knorrige Bäume säumen den Kanal, der jetzt im Rahmen der Wassertourismusinitiative Nord (WIN) wieder schiffbar gemacht werden soll.
Idylle am Langen Trödel in Zerpenschleuse: Alte knorrige Bäume säumen den Kanal, der jetzt im Rahmen der Wassertourismusinitiative Nord (WIN) wieder schiffbar gemacht werden soll. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Brigitte Horn / 13.01.2012, 18:29 Uhr
Zerpenschleuse (MOZ) Der Startschuss für die seit Jahren größte Investition im Niederbarnim ist gefallen. Zum Baubeginn für die Wiederschiffbarmachung des Langen Trödels im Rahmen der Wassertourismusinitiative Nord (WIN) trafen sich Akteure und Initiatoren in Zerpenschleuse.

Manchmal werden Märchen wahr. Zerpenschleuse feierte am Donnerstag im Gasthaus am Finowkanal den Start für die Wiedereröffnung des Langen Trödels. 2012 ist das Jahr des Beginns einer 12-Millionen-Investition, die den Langen Trödel wieder schiffbar macht und den führerscheinfreien Charterbootsverkehr ermöglicht.

Die vorbereitenden Arbeiten wie Baumfällungen beginnen in der kommenden Woche, sagte Ralf Hennings von der WIN AG. Im März soll mit dem Aufschüttung von Dämmen parallel zur Brücke über die B109 begonnen werden. Über diese Dämme wird während der Bauarbeiten an der künftigen Hubbrücke und am Kanal der Verkehr auf der B 109 geleitet. Den offiziellen ersten Spatenstich für den Beginn der Arbeiten am Kanal wird es nach Auskunft von Planer Armin Gewiese im August geben. 2013 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Mit dem Projekt wird ein Traum Realität, der seit etwa 1995 von den Kühnsten geträumt wurde. Ortsvorsteherin Margot Ziebarth stand bei ihrer Ansprache an die große WIN-Crew, die vom ehemaligen Wandlitzer Bürgermeister, Gemeindevertretervorsteher und Verkehrsminister sowie heutigem Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, Reinhold Dellmann, über die Vertreter der beteiligten Kommunen und Landkreise bis zur Planer- Gruppe reichte, die Freude ins Gesicht geschrieben. Sie erinnerte daran, wie Winfried Mikeska vom damaligen Tourismusverein "Wachsende Wasser" Mitte der 1990er unter anderem mit dem Landrat eine Bootsfahrt nach Liebenwalde initiiert hatte, um das Potenzial zu zeigen, das der Kanal hat.

Das Wollen der Zerpenschleuser, den Kanal wieder schiffbar zumachen, zog sich seither wie ein roter Faden durch die Kommunalpolitik und hat mit der Verankerung in der Koalitionsvereinbarung der 2004 gewählten Landesregierung den vermutlich entscheidenden Schub erhalten. Daran hatte auch der damalige Landtagsabgeordnete Christian Ehler eine bedeutende Aktie, sagte Reinhold Dellmann, zu der Zeit ebenfalls in der Landespolitik engagiert. Dass trotzdem noch acht Jahre vergehen mussten, bis eine endgültige Baugenehmigung vorliegt, dürfte sich aus normalerweise unüberwindbar scheinenden Hürden erklären. Dazu gehört unter anderem das geplante Bauen in einem FFH-Gebiet.

Ob es jemals einen Punkt gab, an dem er den Glauben an das Projekt verloren habe, verneint Dellmann entschieden. Aber die Anforderungen des Naturschutzes seien schon mit die schwersten gewesen. Doch es sei gelungen, solch akzeptablen Lösungen zu finden, dass niemand der Naturschützer gegen den Planfeststellungsbescheid, der praktisch die Baugenehmigung darstellt, geklagt habe.

Die andere hohe Klippe war die Entscheidung zur Hubbrücke an der B 109. Da habe sich aber positiv ausgewirkt, dass der Verkehrsminister aus der Region kam, kokettierte Dellmann mit seiner damaligen Funktion in der Landesregierung. "Manchmal muss man die vorhandenen Zeitfenster einfach nutzen", konstatierte er. Er dankte auch der Wandlitzer Gemeindevertretung, dass sie finanziell jetzt den Schwerpunkt auf den Ortsteil legt.

Und wie sehen es die Zerpenschleuser? Dieter Schalo, Gemeindevertreter, Ortsbeiratsmitglied und Feuerwehrchef von Zerpenschleuse, muss es wissen. "Seit 15 Jahren reden wir darüber, doch Skepsis gibt es bis heute, doch jetzt glaube ich auch daran", sagt Schalo. "99 Prozent der Bürger warten wirklich auf die Bagger und die Älteren hoffen, dass sie es noch erleben."

Sie wollen sehen, dass das Märchen wahr wird. Doch welches? Es kann nur "Dornröschen" sein. Wenn 2014 die ersten Schiffe über den Kanal schippern, sind genau 100 Jahre vorbei, als ein "Fluch" das Dorf in den 100-jährigen Schlaf versenkte. 1914 ist der Oder-Havel-Kanal eingeweiht und damit Zerpenschleuse von der Schifffahrtsstrecke abgetrennt worden.

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