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Neuruppiner gehört zu den ältesten lebenden Deutschen

Paul Veit aus Neuruppin feiert am 15. Januar 2012 seinen 109. Geburtstag.
Paul Veit aus Neuruppin feiert am 15. Januar 2012 seinen 109. Geburtstag. © Foto: Ingmar Höfgen
Ingmar Höfgen / 13.01.2012, 19:33 Uhr
Neuruppin (MOZ) Paul Veit ist einer der ältesten lebenden Deutschen. Der rüstige Pensionär wurde in der Niederlausitz geboren, wohnt aber schon seit Jahrzehnten in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Dort erlebte er die Zeitenwenden des vergangenen Jahrhunderts. An diesem Sonntag feiert er seinen 109. Geburtstag.

Linienbusse spucken Schüler und Pendler aus, Autos bremsen an der Kreuzung und achten auf rechts vor links. Immer wieder hält die Polizei vor dem Gebäude des Neuruppiner Amtsgerichts. Auf dem Platz rund um die Pfarrkirche pulsiert das Leben. Auch Paul Veit nimmt daran teil, wenn auch nicht mehr so intensiv wie noch vor einigen Jahren. Er schaut häufig aus dem Fenster im ersten Stock. Dort wohnt der älteste Mann Deutschlands, der noch im Land lebt, seit 1930. Der Blick ist phänomenal.

Seinen 109. Geburtstag feiert Paul Veit an diesem Sonntag. Würdenträger werden die steile Treppe in seine Wohnung hinaufsteigen und ihm die Hände schütteln, richtig feiern will er lieber im kleinen Kreis. Geboren wurde der Jubilar am 15. Januar 1903 in der Niederlausitz im Ort Henriette, der für die Tagebauarbeiter entstanden war und zu Sallgast gehört. Als Paul Veit zwölf Jahre alt war, zog seine Familie nach Neuruppin.

In der Fontanestadt erlebte er die Zeitenwenden des vergangenen Jahrhunderts. Der Kaiser dankte ab, die Weimarer Republik setzte Kräfte frei und ging dabei unter. Unter den Nationalsozialisten wurde er einberufen, in der DDR verlor er sein Haus, das er im vereinten Deutschland wieder zurückerhielt. Seine Tochter Marion, heute 63 Jahre alt, kümmert sich um ihn - jetzt, wo die Beine nicht mehr ganz so wollen wie früher und er nur noch selten in die Stadt kommt. Für einen Besuch von Journalisten hat sie ihm geholfen, sich richtig schick anzuziehen. Anzug, Weste, Krawatte - Paul Veit freut sich über den Besuch, auch wenn es sehr anstrengend für ihn ist.

Viele Bewohner erinnern sich an die leckeren Kuchen und Naschereien, die Paul Veit mit seinem Bruder Otto in den 1930ern und 1940ern in der Schinkelstraße unter die Leute brachte. Schon seine Eltern waren Geschäftsleute, hatten einen kleinen Tabakwarenladen und ein Schokoladengeschäft. Paul Veit ging auf die Mittelschule. "Ich war ein schlechter Schüler", erinnert er sich und lacht. Denn das allein sollte die Zukunft nicht ausmachen. Er lernt wie sein Bruder Otto Konditor, gemeinsam machen sie sich 1924 selbstständig. Als um 1930 das Haus an der Schinkelstraße, jenes mit dem guten Blick auf die Pfarrkirche, zum Verkauf steht, schlagen die Veits zu, bauen den Verkaufsraum um und beziehen die obere und untere Etage des Hauses.

"Mein Bruder war der Konditor, ich habe das Geschäftliche gemacht", erinnert sich Veit. Aber vom Handwerk hat er dennoch nicht viel verlernt. Als er in den Krieg musste, war er bei der Versorgungskompanie - Mehl statt Gewehre. Erst ging es Richtung Kiew, später gen Norwegen. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er bald freikam. "Sehr nette Menschen", sagt Paul Veit auch heute noch über die Skandinavier.

Während sein Bruder und seine Schwester in den Westen gingen, blieb Paul Veit in Neuruppin. Er arbeitete im Konsum, wurde Verkaufsstellenleiter. Nach der Wende wurde ihm das Eigentum an der Schinkelstraße rückübertragen. Er verkaufte es - er war schon über 90 Jahre alt. In den vergangenen Jahren wurden die Berichte über ihn weniger. Im vergangenen halben Jahr ist es ihm so gut gegangen, dass die Presse wieder vorbeischauen durfte.

Viel regelmäßiger schaut Doktor Hartmut Wiegank nach seinem doch etwas ungewöhnlichen Patienten. "Er ist ein Selbstläufer", sagt Wiegank. Klar, Medikamente gibt's, aber sonst ist er noch gut beieinander.

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