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Bürgermeisterin nennt Erkrankung als Grund

Stobrawa schweigt zu offenem Brief

Bernhard Schwiete / 01.03.2012, 07:12 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Fünf Wochen nach der Rücktrittsaufforderung an Bad Saarows Bürgermeisterin Gerlinde Stobrawa (Linke) steht ihre Antwort weiter aus. Sie sei krank und wolle erst nach ihrer Genesung antworten, sagte sie. In der Gemeindevertretung kam das Thema auch in ihrer Abwesenheit zur Sprache.

Während der Gemeindevertretung bislang keine offizielle Reaktion von Gerlinde Stobrawa bekannt war, äußerte sich Bad Saarows ehrenamtliche Bürgermeisterin gestern auf Nachfrage der MOZ - indem sie alles offen ließ. "Ich kann den Brief derzeit nicht beantworten. Erst einmal zählt meine Genesung, so lange spielt alles andere keine Rolle", sagte sie. Bis zu einer Antwort kann es daher anscheinend noch eine Weile dauern. Sie sei für die nächsten vierzehn Tage weiter krank geschrieben. Wie es danach weitergehe, sei offen, sagte sie.

In der Sitzung der Gemeindevertreter am Montagabend war es ein Bürger, der eine Diskussion über die Bürgermeisterin entfachte. Klaus-Dieter Gerster, ehemals Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands, wollte in der Fragestunde wissen, ob es eine Reaktion gebe. Seine Meinung schickte er hinterher. "Eine fehlende Antwort nach fünf Wochen würde ich als Missachtung der Gemeindevertretung verstehen. Auch bei einer Erkrankung kann ein solcher Brief sicher beantwortet werden", sagte er. Einige Gemeindevertreter äußerten sich daraufhin ähnlich. Fritz Fuhrmann (CDU) sagte, er erwarte eine Antwort sehr bald. Schärfer formulierte es Karin Becker von den Freien Wählern. "Selbst wenn man krank ist, kann man sich zumindest melden und signalisieren, dass der Brief angekommen ist", sagte sie.

Gerlinde Stobrawa ist seit Mitte Januar krank geschrieben. Wenige Tage später forderten zehn der 15 übrigen Gemeindevertreter sie über einen offenen Brief zum Rücktritt auf, nachdem die Stasi-Untersuchungskommission des Landtags Gerlinde Stobrawas wegen ihrer früheren Stasi-Mitarbeit schwer belastet hatte.

Mit der Erkrankung der Bürgermeisterin beschäftigten sich die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung noch in einem weiteren Punkt. Ohne Gegenstimme billigten sie die Zahlung einer Aufwandsentschädigung an Gerlinde Stobrawas Stellvertreterin Susann Rolle (CDU). Sie bekommt für die Zeit der Abwesenheit der Bürgermeisterin monatlich 410 Euro zugesprochen - die Hälfte der Aufwandsentschädigung für die Bürgermeisterin, die während ihrer Erkrankung entsprechend weniger kassiert.

Die Zahlen gehen hervor aus der Entschädigungssatzung der Gemeinde, nach der die Bürgermeisterin monatlich 820 Euro erhält. Die Zahlung an die Stellvertreterin - und die gleichzeitige Kürzung der Bezüge des Gemeindeoberhaupts - ist darin als Kann-Bestimmung niedergeschrieben.

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Jürgen Napieralla 10.01.2013 - 16:03:30

Neuanfang in Bad Saarow ab jetzt ist dringend notwendig...

Mein Geburtsort Bad Saarow kommt nicht aus den Negativ- Schlagzeilen, was die Werbung für den Ort angeht, ist der Ortsname Bad Saarow in aller Munde, immerfort und allerorten. Nun ist, nach dem Bürgermeisterinwechsel, der Neuanfang in den Griff zu bekommen, die Demokratie zu stärken. Vergangenheitsaufarbeitung ist notwendig, aber nicht die Dauerwerbung dadurch, dass die gesamte Entwicklung in der freien bundesdeutschen Demokratie, auch in Bad Saarow, immer auf das Sprachniveau der beiden letzten zum Glück untergegangenen Unrechtssozialismusdiktaturen der nationalsozialistischen und realsozialistischen Prägungen von 1933 bis 1990 heruntergedrückt wird, denn das behindert die Festigung und Stärkung der bundesdeutschen Demokratie. Der neuen Bürgermeisterin wünsche ich alles erdenklich Gute. Jürgen Napieralla

Herbert D. 06.03.2012 - 23:22:39

Aufarbeitung ist auch nach über 20 Jahren nötig!

Einige geschriebene Kommentare zeigen deutlich, dass auch über 20 Jahre nach der Wende eine Aufarbeitung der Vergangenheit notwendig ist, da sie bei einigen nie ordentlich stattgefunden hat, auch bei Frau Stobrawa! So vermitteln einige Kommentatoren ein vollkommen verklärtes Bild der DDR. So ist eine Benachteiligung bzw. Strafverfolgung aufgrund einer Meinungsäußerung eben nicht legitim. Dies schließt natürlich auch Kritik am damaligen System ein. Nicht derjenige, der Missstände anprangert ist der Schuldige, sondern die Verursacher und die Denunzianten.

Wilhelm P. 04.03.2012 - 12:37:22

@M. Simson - Ergänzung

Tatsächlich macht es aber Sinn, den Kontakt zuzulassen. Niemand war verpflichtet, seine politische Meinung ihnen oder einer unbekannten Person gegenüber zu äußern. Dies tat man anderenorst wesentlich effizienter. Immer dann, wenn ein Verdacht der "Inkorrektheit" bestand, wurden Maßnahmen zur Meinungserfoschung eingeleitet. In der Aufarbeitung der Geschichte treten gehäuft Fälle auf, bei denen es um Personen geht, die auf direkte Konfrontation Wert gelegt haben. Das dies auch direkt beantwort wurde, ist unbestritten. "Opfer" und "Täter" bekommen somit eine sachliche Basis. Bspw. auf Kriegsschiffen war bei längeren bzw. grenznahen Fahrten stets ein sogenannter Offizier für innere Sicherheit an Bord. Den kannte der letzte Matrose mit Namen, neben dem Politoffizier. Seine Mission ist interessant. Zunächst tat er sein Job wie jeder andere, und wurde respektiert!. Wäre jemand über Bord gegangen, um flüchten zu wollen, hätten die obersten Offiziere eine Handfeuerwaffe einsetzen können; es musste also nicht eine spezielle Person sein. Darüber hinaus war er studiert, kannte sich also in gesellschaftspolitischen Inhalten sehr gut aus. Als junger, relativ ungeformter junger Mann hat man sicherlich eine unausgegorene Meinung. Der vorbenannte Offizier suchte derartige Bordmitglieder, um mit ihnen zwanglos zu kommunizieren. Es ergab sich also die Gelegenheit, sich an ihm zu reiben. Denn die Grenzen wurden stets von ihme sehr deutlich aufgezeigt. Nur wer hier die Spielregeln nicht mitbekam oder begreifen wollte, hatte schlechte Karten. Dienstversetzung war der erste von meist mehreren Maßnahmen. Das war, sachlich formuliert, Präventionsarbeit, um den Bordfrieden zu sichern und um militärische Geheimnisträger vor Unsinn zu bewahren.

M.Simson 04.03.2012 - 10:58:07

Aus dem Weg gegangen !

Zitat: "Mit Sicherheit, wäre jeder seinerseits bemüht gewesen, ein respektvolles Miteinander zu pflegen. " Man ist diesen "Langohren", "Sicherheitsnadeln" oder "Horch und Guck" wenn man es ahnte , tunlichst aus dem Weg gegangen. Kaum jemand mochte den Umgang mit diesen Typen. Natürlich gab es einige "Schleimer" und "Kratzer", davon lebte das System.

e. fehland 04.03.2012 - 10:40:15

Die Zeiten haben sich schon zum Glück geändert. Noch nicht bemerkt?

"Falls Sie Wehrdienst in der NVA abgeleistet haben sollten, erinnern Sie sich bitte an den Eid den Sie geschworen haben. Er gilt solange bis Sie sich ihm entschwören." Ja, was ist denn das für ein Blödsinn? - Da dieser "Eid" unter dem Zwang der Wehrpflicht zu stande kam, ist er gesetzlich erzwungen worden und gilt somit zumindest für mich nicht.

Ernst 04.03.2012 - 08:27:14

Nachlässigjkeit im Umgang

Wie würde es einigen der hier und in Nachbarforen der MOZ auftretenden Personen ergangen sein, hätten Sie ihren zuständigen Mitarbeiter der Staatssicherheit persönlich gekannt. Mit Sicherheit, wäre jeder seinerseits bemüht gewesen, ein respektvolles Miteinander zu pflegen. Nun gibt es aber Nachlässigkeiten einzelner Personen. Und dieser Manko erfährt ein neues, völlig fremdes Bild. Ein jeder Staat hat natürlich Sicherheitsorgane. Auch die BRD hat sie in vielfältiger Form. Aber bitte nicht erschrecken.

Die Zeiten werden sich wieder ändern 03.03.2012 - 22:05:34

@ Staatsbürgerkunde-5-

Ja richtig niemand will sie um sich haben. Man wollte auch eine Zeitlang keine ehemaligen Nazis mehr um sich haben, 1966 jedoch war man in der BRD der Meinung es ist an der Zeit so einen wieder zum Regierungschef zu machen. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Falls Sie Wehrdienst in der NVA abgeleistet haben sollten, erinnern Sie sich bitte an den Eid den Sie geschworen haben. Er gilt solange bis Sie sich ihm entschwören.

Staatsbürgerkunde-5- 03.03.2012 - 18:08:32

@DIE ZEITEN WERDEN SICH WIEDER ÄNDERN

Was Demokratie mit Nord-Korea zu tun hat , ist sehr fragwürdig. Aber diese Art von Demokratie gab es ja in DDR auch. Natürlich alles hinter der sicheren "Mauer" . Oder vielleicht hinter dem "Antifaschistischen Schutzwall" ? Natürlich, wer es nicht gleich begreifen konnte, erhielt Nachhilfeunterricht in Bautzen. Das waren schon einige Semester. Diese sogenannten schwerfälligen oder begriffsstutzigen Mitbürger wurden natürlich von den IM`s den "Lehrern" gemeldet. Genau darum geht es. Kaum jemand will diese IM`s wieder in seiner Nähe haben. Weder in Potsdam noch in Bad Saarow.

die zeiten werden sich wieder ändern 03.03.2012 - 03:44:28

@ Staatsbürgerkunde-5-

Nur gut, dass ich noch keine Rente kassiere und bis dahin noch ein weilchen Zeit ist. Geld verdiene ich auf ehrliche Art und Weise, ohne andere auszubeuten. Und zu Ihrer Hilfe: Es heißt nicht "Nord-Korea" es heißt richtig "Demokratische Volksrepublik Korea" und Es heißt nicht "Cuba" sondern eher "Republik Kuba" im deutschen Sprachraum die amtliche Bezeichnung.

Staatsbürgerkunde-5- 02.03.2012 - 21:09:06

@DIE ZEITEN WERDEN SICH WIEDER ÄNDERN

Haben sie gar kein schlechtes Gewissen, wenn sie jetzt Geld oder ihre Rente vom "Klassenfeind" nehmen. Das geht doch gar nicht. Von Berlin-Schönefeld gibt es gute Flugverbindungen nach Nord-Korea oder Cuba. Dort können sie ihren Idealen weiter nachhängen.

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