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Netzbetreiber will 380-KV-Trasse doch über Eberswalder Wohngebiete ziehen

Stadt bleibt beim Nein zur Freileitung

Monika Schmidt / 13.03.2012, 05:05 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die 380-KV-Trasse soll Eberswalde nun doch als Freileitung queren. Das hat die mit der Planung beauftragte 50 Hertz Transmission GmbH mitgeteilt. In der Stadt stößt die Aussage auf Unverständnis. Sie bleibt bei ihrer Absage und der Forderung an das Land, für eine einvernehmliche Lösung zu sorgen.

"Über die Genehmigungsfähigkeit von Projekten dieser Größenordnung entscheiden nicht die Netzbetreiber, sondern immer noch einzig und allein die Planfeststellungsbehörde des Landes Brandenburg", empört sich Baudezernentin Anne Fellner über die aktuelle Stellungnahme der 50 Hertz Transmission GmbH. Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen, das Geld mit Strom verdienen will, die Verfahrensweise festlegt und damit den Ausgang des Planfeststellungsverfahrens schon vorwegnimmt. 50 Hertz als Netzbetreiber geht im Ergebnis der Machbarkeitsuntersuchungen davon aus, dass die Eingriffe in Eigentumsrechte, die mit einer Erdverkabelung verbunden wären, so massiv ausfallen würden, "dass eine solche Planung im Vergleich zur Freileitungsvariante nicht genehmigungsfähig gewesen wäre". Eine weitere Hürde sieht das Unternehmen in den Kosten.

Während eine Freileitung in Eberswalde mit einer Investitionssumme von rund einer Million Euro pro Kilometer veranschlagt werde, sei bei einer Kabelanlage von 12 bis 14,5 Millionen Euro auszugehen. Zudem sei die Erdkabelvariante technisch bislang nur wenig erprobt. Die Reduktion der Masthöhen um bis zu zwölf Meter und den Verzicht auf eine Waldüberspannung im Norden wertet das Unternehmen als Entgegenkommen. Dem Rathaus liegt die Machbarkeitsstudie bislang nicht vor.

Anne Fellner indessen lässt an der Position der Stadt keine Zweifel aufkommen. Eberswalde, betont sie, halte an seinem Planungsrecht fest und lehne eine 380-KV-Trasse über der Stadt ab. An dieser Haltung habe sich seit der Stellungnahme an das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe im September 2010 nichts geändert. Schon damals hatte die Stadt dem geplanten Trassenverlauf über die Wohngebiete Finow Ost und Brandenburgisches Viertel eine klare Abfuhr erteilt.

Der Abstand zu den Wohnhäusern und Arbeitsstätten in diesem Bereich würde teilweise nur 40 Meter betragen. Eine plausible Erklärung, dass der Bau der 380-KV-Trasse unumgänglich ist, hatte es aus Sicht der Stadt damals auch nicht gegeben.

"Angesichts der durch die 50 Hertz Transmission GmbH offensichtlich ausgeblendeten negativen Auswirkungen der Uckermarkleitung für viele Eberswalder werden wir uns weiterhin dafür stark machen, dass durch die sensiblen Bereiche unserer Stadt keine 380-KV-Freileitung geführt wird", unterstreicht die Baudezernentin. Die Versicherung des Netzbetreibers, alle Grenzwerte würden eingehalten, möge richtig sein. Die Frage aber sei, woher diese Richtwerte eigentlich kämen. Im Nachbarland Holland gelte eine hundertmal strengere Regelung als in Deutschland, macht Anne Fellner deutlich. Eine plausible Erklärung für den gravierenden Unterschied im Umgang mit Elektrosmog hat auch sie bisher nicht.

Proteste zum Freileitungsbau gibt es auch von der Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom - keine Freileitung durchs Reservat". Sie sieht in der jüngsten Mitteilung von 50 Hertz "eine glatte Provokation für die im Planfeststellungsverfahren zur 380-KV-Trasse Betroffenen". Auch eine Freileitung stelle einen massiven Eingriff in die Eigentumsrechte dar, hält die Bürgerinitiative dagegen. Erhebliche Zweifel hat sie außerdem an den Kostenangaben und fordert daher die Offenlegung der Kalkulation.

"Wirtschaftsminister Christoffers hat uns versichert, dass er sich für eine Lösung einsetzen wird, in der sowohl die Gesundheit der Menschen als auch das Eberswalder Stadtbild die größtmögliche Berücksichtigung finden wird", verweist Anne Fellner. Eine Alternative, so der Vorschlag der Stadt, wäre eine Trassenführung parallel zur Autobahn.

Die 380-KV-Leitung ist heute 18 Uhr Thema im Nabu-Erlebniszentrum Blumberger Mühle. Dort trifft sich Wirtschaftsminister Ralf Christoffers mit Bürgerinitiativen und Kommunen.

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Michel B. 14.03.2012 - 07:25:59

Falsche Freunde

Gegen Freileitungen zu sein, ist 60 Jahre nicht in Mode gewesen. Nun erfinden sich brave Bürger ihr nächstes Wut-Thema, unterstützt überigens über ein zwar dünnes, aber reges Netzwerk sogenannter "Elektrosmoggegner". Diese sind auch als Mobikfunkgegner aktiv. Auf verschwörungstheoretischen Webseiten wie buergerwelle, diagnose-funk und gigaherz.ch wird allerlei unausgegorenes, und wissenschaftlich unsinniges Zeug verbreitet, zum Beispiel die Behauptung, es würden wegen des Funks und der Leitungen überall die Krebserkrankungen ansteigen. Bürger fallen gerne drauf rein, weil der erlogene Stoff leicht verdaulich dargeboten wird. Kritisch ist man lieber gegenüber "oben" - die falschen Freunde aber, die als sog. "Baubiologen", Abschirmungsverkäufer und "Berater" durchaus Profitinteressen haben, will man sich lieber nicht genauer ansehen und vertraut blind.

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