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Der Milchpreis fällt leicht, noch sind die Viehhalter optimistisch / Sorge vor Überangebot des Naturproduktes wächst

Hoher Kuh-Komfort in Oder-Spree

Glückliche Vierbeiner: Bei den Viehhaltern in Oder-Spree geht es den Milchkühen so gut, dass sie mehr Milch geben als anderswo.
Glückliche Vierbeiner: Bei den Viehhaltern in Oder-Spree geht es den Milchkühen so gut, dass sie mehr Milch geben als anderswo. © Foto: GMD/Gerrit Freitag
Lina Hatscher / 01.04.2012, 19:03 Uhr
Wiesenau/Lindenberg/Neuzelle (MOZ) Seit Jahresbeginn befindet sich der Aufkaufpreis für Rohmilch im Sinken. Das schmälert die Erträge für die Milchbauern auch im Landkreis Oder-Spree. Zu schaffen machen ihnen auch steigende Kosten für Energie und Futter. Die Halter von Milchkühen sind aber vorerst noch optimistisch.

Steigende Energiekosten sind für Privatverbraucher und Unternehmer ein Problem. Auch Landwirte bekommen sie zu spüren - zumal, wenn auch die Preise für Diesel und Futtermittel gleichzeitig steigen, so wie derzeit. Bekommen sie dann noch weniger für ihr Produkt, wie etwa Milch, ist das ein Problem. "Viele Jahre lang war der Milchpreis stabil und lag zwischen 27 und 30 Cent pro Kilo", erklärt Stefan Rothe, Geschäftsführer der Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung in Wiesenau. Landwirte rechnen bei Milch in Kilo, wobei dies etwa Litern entspricht.

2007 war der Preis zunächst stark gestiegen (auf 42 Cent pro Kilo), um dann Mitte April 2009 umso tiefer zu fallen - auf rund 20 Cent. Im Herbst 2008 war viel Milch vernichtet worden, um das Überangebot auf dem Markt abzubauen. Nach einer stabilen Phase war der Preis im vergangenen Jahr wieder angestiegen.

"Momentan ist der Milchpreis leicht rückläufig", erklärt Stefan Rothe, "aber noch zufriedenstellend." Wie in anderen Unternehmen auch, müssen Milchviehhalter an den Produktionskosten sparen, wenn sie weniger für das Produkt bekommen. "Aber man kann Kühe nicht einfach stilllegen wie eine Maschine." Wenn sich Defizite beim Milchvieh ansammeln, müssen diese in anderen Bereichen ausgeglichen werden, sagt Stefan Rothe. "Bei uns etwa durch Pflanzenanbau oder die zwei Biogasanlagen."

Wie viel Milch Landwirte in Deutschland produzieren dürfen, ist durch eine Milchquote geregelt. In der gesamten EU ist damit festgelegt, wie viel erzeugt werden darf, um die "Milchseen und Butterberge", die es in den 1970er-Jahren gegeben hat, nicht wieder anwachsen zu lassen. Überschreiten Erzeuger die Quote, wird eine "Superabgabe" fällig, die so hoch ist, dass sich die Produktion nicht mehr rentiert. Da sich Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt jedoch ständig ändern und nicht nur von den EU-Ländern beeinflusst werden, ist eine Angleichung der Quote nötig. Mitte März hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) einen Appell an die Bundesregierung gerichtet, der Marktentwicklung Rechnung zu tragen, und von der beschlossenen Quotenerhöhung von einem Prozent im Jahr zum 1. April abzusehen. Der Markt solle nicht durch weitere Mengen belastet werden, denn das Angebot sei steigend. Bei steigendem Angebot sinkt der Preis, was fatal für die Erzeuger ist.

"Derzeit liegt der Preis bei rund 32 Cent pro Kilo", sagt Jochen Mangelsdorf, Milchviehhalter in Lindenberg. Die Tendenz jedoch ist leicht fallend. Er ist Mitglied des Milchbeirates der Milcherzeugergemeinschaft Oder-Spree. Jochen Mangelsdorf hält auf seinem Hof 680 Tiere, die rund 16 000 Liter Milch pro Tag geben. Wenn er eine Vollkostenrechnung aufmacht, kommt er auf einen Produktionspreis zwischen 30 und 38 Cent pro Kilo. Die weitere Entwicklung des Milchpreises hänge vom Weltmarkt ab, sagt der Landwirt. "Rund 40 Prozent der Milch in Deutschland wird für den Export produziert", sagt er. In der Erzeugergemeinschaft setzte man mit einer eigenen Molkerei auf gute Produkte. Aber weil der Verbrauch an Milchprodukten in Deutschland leicht rückläufig sei, müsse man sich auf die wachsende Nachfrage in anderen Ländern konzentrieren - auch außerhalb der EU. "Milchpulver aus Deutschland wird zum Beispiel auch für China produziert."

In Deutschland ist der Milchpreis auch von den Lebensmittelketten abhängig, erklärt Brigitte Gutzmer, Vorsitzende der Agrargenossenschaft Neuzelle. "In unserem Betrieb stehen 800 Milchkühe. Mit dem seit Anfang des Jahres sinkenden Milchpreis sind wir nicht zufrieden." Sie verweist auf die steigenden Produktionskosten, durch die die Marge immer geringer werde.

Im Landkreis Oder-Spree halten derzeit 37 Unternehmen insgesamt 12 145 Milchkühe, informiert Max Krüger, der Leiter des Landwirtschaftsamtes im Landkreis. Die Milchleistung der einzelnen Tiere konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden und liegt deutlich über dem Bundes- und Landesdurchschnitt, erläutert Max Krüger. "Dies begründet sich aus der guten Versorgung der Milchviehbestände mit leistungsgerechtem Futter und hohem Kuhkomfort." Ab 2015 entfällt die Milchquote komplett, so Krüger. Wie sich der Preis dann entwickle sei abzuwarten.

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