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Gedenkstätte Seelower Höhen präsentiert bei 3. Internationalem Seelower Gespräch Besucherleitsystem

Neue Töne und neue Tafeln in Gedenkstätte Seelower Höhen

Mit Audio-Guide besser geführt: Gedenkstättenleiter Gerd-Ulrich Herrmann erläutert deutschen, polnischen und russischen Gästen die neue Errungenschaft.
Mit Audio-Guide besser geführt: Gedenkstättenleiter Gerd-Ulrich Herrmann erläutert deutschen, polnischen und russischen Gästen die neue Errungenschaft. © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 23.04.2012, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Für rund 80 000 Euro hat die Gedenkstätte Seelower Höhen neue Erklärungstafeln an den Außenanlagen sowie 50 elektronische Führer, sogenannte Audio-Guides, bekommen. Am Sonnabend wurden sie vorgestellt. Bis zum 40. Jahrestag der Gedenkstätte am 15. Dezember soll die 450 000 Euro teure Umgestaltung abgeschlossen sein.

"Sowjetische Besatzungsbehörden" hätten die beiden Stelen am Eingangsbereich zur Gedenkstätte errichten lassen. So steht es auf einer der silbermetallenen Tafeln. In englisch, deutsch und russisch. Aus Befreiern wurden Besatzer. Ein anderer als der jahrzehntelang dort gewohnte Ton spricht von den Tafeln zu den Besuchern. Aufgeklärt wird über solche Mythen, dass der Scheinwerfer an der Gedenkstätte schon zu jenen 140 Flugabwehrscheinwerfern gehört haben soll, die bei der Schlacht 1945 eingesetzt worden waren. Nicht erspart bleibt dem Besucher nun auch die peinliche Geschichte, dass erst 2008 die Gebeine der gefallenen Soldaten dort eingebettet wurden. Lediglich die Gedenksteine hatte man vor 40 Jahren vom einstigen Seelower Soldatenfriedhof zur Gedenkstätte geholt. Auf einer anderen Tafel wird der von Helmut Preißler verfasste Text übersetzt, der am Mahnmal zu lesen sowie der Sinn des russisch-orthodoxen Kreuzes im Süden der Gedenkstätte erklärt: Es ist den Opfern der Roten Armee gewidmet. Vertieft werden diese Informationen für jeden, der sich mit einem neuen Audio-Guides über die Anlage führen lässt. Zusätzlich zu den drei auf den Tafeln lesbaren Sprachen können damit auch polnische Gäste die insgesamt 38 Minuten laufenden Informationen in ihrer Muttersprache hören. "Wir hatten kürzlich 40 irische Gäste hier. Sie waren von den Audioguides und den Info-Tafeln begeistert. Der russische Botschafter hat uns gelobt. Er hat zugesichert, dass demnächst die beide Stelen am Eingang saniert werden", erklärte Gedenkstättenleiter Gerd-Ulrich Herrmann. Die inhaltliche Neugestaltung lege den Schwerpunkt auf die Darstellung der Erinnerungskultur sowie die politische und ideologische Instrumentalisierung der Seelower Schlacht innerhalb in der Nachkriegszeit und der DDR. Am 15. Dezember soll die Ausstellung fertig sein.

Damit stehen die Seelower inmitten eines Prozesses, mit dem sich die viele Museen Mittel- und Osteuropas beschäftigen. Das wurde am Sonnabend beim 3. Seelower Gespräch deutlich, an dem die Historiker und Interessierte aus Polen, Deutschland und Russland teilnahmen. In einer von Sebastian Nagel, Leiter der Projektgruppe für die neue Seelower Dauerausstellung, moderierten Gesprächsrunde, beschrieben Historiker das unterschiedliche Herangehen. Während sich in Weißrussland eher der konservative Stil der Heroisierung erhalten haben, gehe in Russland und Polen die Tendenz eher dahin, den Alltag des Krieges, die Einzelschicksale zu beschreiben, erklärten Pawel Migdalski (Uni Szczecin) und Olga Kurilo (Viadrina). Berichte des kleinen Mannes im Krieg, vom bitteren Preis des Sieges und zugleich das Wachhalten des Stolzes auf den Sieg kennzeichnen den Prozess.

Ekaterina Makhotina (Uni München) beschrieb am Beispiel Litauens die Situation im Baltikum. Dort werden faschistische und stalinistische Diktatur unter dem Zeichen von Besatzung und Okkupation eher gleichgesetzt. Der zweite Weltkrieg werde dort deutsch-sowjetischer Krieg genannt. Opfer des sowjetischen Terrors werden hervorgehoben, die der jüdischen Bevölkerungen eher verdrängt.

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