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Lesung zum 79. Jahrestag der Bücherverbrennung

Texte gegen das Vergessen

Die Kraft der Bücher und des Wortes: Erich Wünsch liest Kurt Tucholsky.
Die Kraft der Bücher und des Wortes: Erich Wünsch liest Kurt Tucholsky. © Foto: Fabian Sauer
Fabian Sauer / 13.05.2012, 19:54 Uhr
Bernau (sub) Zum 79. Jahrestag der Bücherverbrennung des Nazi-Regimes fand in der Bernauer Stadtbibliothek die "Lesung gegen das Vergessen" statt. Auf Einladung von Dagmar Enkelmann und moderiert von Christine Poppitz lasen Bernauer Bürger aus den Werken der damals geächteten Schriftsteller.

Den Anfang machte Dominik Rabe. Der junge Gymnasiast hatte sich für Kurt Tucholsky entschieden, unter anderem "wegen seines streitbaren Charakters", wie er sagte. Für seinen Vortrag rezitierte er im Berliner Jargon Tucholskys ironische Gedanken zur Wahl vor der Machtergreifung durch die NSDAP. Frei nach dem Motto: "Wat brauchste Grundsätze, wenn du "nen Apparat hast."

Als nächster trat Erich Wünsch auf die kleine Bühne in der Bibliothek. Mit seinen über 90 Lebensjahren übertrieb der ehemalige Lehrer nicht, als er sagte: "Ich liebe Bücher und ich liebte sie schon damals." Auch er hatte sich für ein Gedicht von Tucholsky entschieden. Mit einfühlsamer Stimme erklärte Wünsch in Tucholskys Worten, warum im Film beim Happy End abgeblendet wird.

Die dritte im Bunde war Dagmar Enkelmann. Ihr Lesebeitrag gegen das Vergessen kam von Erich Kästner. Mit Bedacht hatte sich die Bundestagsabgeordnete für eine Erzählung entschieden, in der Kästner seinen Besuch der Bücherverbrennung in Berlin schildert. Die Erinnerungen und Gedanken des Schriftstellers beschreiben eingängig den Schrecken und die Bedrohung, die Ideologie und Fanatismus vor knapp 80 Jahren entfesselten.

Susanne Wendt und Klaus Geißler, die nacheinander auf die Bühne traten, hatten sich jeweils für Textauszüge entschieden. Während Susanne Wendt vom Netzwerk für Weltoffenheit und Toleranz sich dem Östereicher Stefan Zweig widmete und aus seiner Schachnovelle vortrug, entschied sich Geißler, ebenfalls ehemaliger Lehrer, für Lion Feuchtwangers Jud Süß.

Mit Kurzgeschichten wanden sich anschließend Michaela Weigand und Sabine Rakitin an das Publikum. "Für mich war klar, dass es eine Frau sein sollte, da Frauen nicht immer das Podium erhalten", erklärte Michaela Weigand, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. So hatte sie sich für eine kurze Geschichte von Anna Seghers entschieden.

Aus dem recht unbekannten Erzählband "Der Feind" von Erich Maria Remarque las Sabine Rakitin von der Märkischen Oderzeitung. Die Geschichte eines Unteroffiziers, der von seinen Kriegserlebnissen traumatisiert heimkehrt, wurde erst 1990 wiederentdeckt.

Mit drei beinahe heiteren Gedichten aus Mascha Kalékos' "Lyrischen Stenogrammheft" schloß Buchhändlerin Silvia Pyrlik die Vortragsreihe. Zum Abschluss erinnerte Erich Wünsch noch einmal daran, dass das Feuer der Bücherverbrennung ein Fanal war. "Dieses Papier war für die Nazis so gefährlich, dass sie es verbrannten." Mit einem Plädoyer für das Lesen entließ er die Besucher teils nachdenklich, teils selbst leselustig.

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