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Gemeinde Casekow bangt um den Verbleib ihres besten Steuerzahlers

"Das wäre der Super-GAU"

Alexander Kempf / 06.06.2012, 07:45 Uhr
Casekow (MOZ) Dreiste Diebe, fehlende Fördergelder und eine inakzeptable Infrastruktur stellen die landwirtschaftlichen Betriebe in der Uckermark vor große Probleme. Mancher fühlt sich vom Land im Stich gelassen.

Die Dienstleistungs- und Handelsgesellschaft Casekow, kurz DHG, ist eine Erfolgsgeschichte. Zu DDR-Zeiten noch ein Agrochemisches Zentrum, ist die vormalige Genossenschaft und jetzige GmbH stetig gewachsen. Sie betreibt heute ein Getreide- und Düngemittellager sowie eine LKW- und Landmaschinenwerkstatt. Kerngeschäft ist aber der Handel mit Agrarprodukten und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. Das Unternehmen, das nach der Wende gerade einmal sieben Genossenschaftler zählte, beschäftigt mittlerweile 75 Mitarbeiter an drei Standorten in Deutschland. Aber auch in Polen hat das Unternehmen einen Betrieb.

Die Zeichen stehen auf Wachstum. Im nächsten Jahr will die DHG eine Saatgutaufbereitungsanlage bauen. Die Investition bewegt sich zwischen drei und vier Millionen Euro. Eigentlich sollte das Geld nach Brandenburg fließen. Gerne würde das Unternehmen in Casekow bauen. Doch das benachbarte Mecklenburg-Vorpommern hat ihm eine 25-prozentige Förderung in Aussicht gestellt, wenn die Anlage am Standort Penkun entsteht. Dafür müsste aber wohl auch der Unternehmenssitz nach Mecklenburg-Vorpommern verlagert werden. Geschäftsführer Gerald Rückert steht vor einem großen Dilemma. Er stammt aus Casekow, ist aber auch Unternehmer. Bis zu einer Million Euro könnte die DHG im Nachbarland einsparen. "Wir schwanken in unserer Entscheidung."

Am liebsten wäre Gerald Rückert, keines der beiden Länder würde den Bau fördern. So würde er sich zumindest einen Gewissenskonflikt sparen. Doch bei der Entscheidung geht es nicht allein um die Förderung. Denn auch hinsichtlich der Infrastruktur ist Penkun im nahen Mecklenburg-Vorpommern besser aufgestellt als Casekow. In der Uckermark fühlt sich mancher Bauer von der Landesregierung in Potsdam bereits im Stich gelassen. Das wurde gestern auf dem Treffen des Kreisbauernverbandes in Casekow deutlich. Bestes Beispiel ist der schlechte Zustand der Landesstraßen in Casekow.

Die Sanierung der L 27 wurde der Gemeinde lange in Aussicht gestellt. Die kratzte für das Projekt mühsam Eigenmittel zusammen und ging in Vorleistung. Dann fiel das Bauvorhaben zur Überraschung aller dem Rotstift im Verkehrsministerium zum Opfer. "Das ist keine Kontinuität in der Politik", kritisiert auch Landrat Dietmar Schulze, den der Bauernverband Uckermark eingeladen hat. Wie die Bauern vermisst auch er in Potsdam eine starke Lobby für den ländlichen Raum. "Mit dem Argument, es sei kein Geld mehr da, kann ich alles totschlagen." Während die Landmaschinen in Casekow über ein uraltes Kopfsteinpflaster holpern, hat das nahe Penkun sogar eine Autobahnabfahrt.

Casekows Bürgermeisterin Donata Oppelt empfahl den Bauern, gemeinsam für den Ausbau der Landesstraße zu kämpfen. Die DHG sei der wahrscheinlich beste Steuerzahler in Casekow. Bürger, Gemeinde und Unternehmen bräuchten einander. Nur gemeinsam sei der "Arroganz der Macht" in Potsdam beizukommen. "Wir haben alle Vorleistungen erbracht", stellt die Bürgermeisterin klar. Geldmangel ist für sie schon lange kein Argument mehr.

Dem Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann standen gestern Falten auf der Stirn. Er hofft, dass die DHG ihren Sitz nicht wegen möglicher Fördermittel verlagert. "Für die Gemeinde Casekow wäre es der Super-GAU, wenn der beste Steuerzahler wegfällt." Er könne das Dilemma des Unternehmens jedoch nachvollziehen. Der Amtsdirektor kündigte an, dass er mit dem Unternehmen Gespräche führen will. Eile ist geboten. Bereits innerhalb der nächsten Wochen ist mit einer Entscheidung seitens der DHG zu rechnen.

Ein anderes Problem dürfte dem Unternehmen unabhängig vom Bundesland erhalten bleiben. Immer wieder wurde hier in der Vergangenheit eingebrochen. Allein am vergangenen Wochenende kam es zu drei kleineren Diebstählen, erzählt Geschäftsführer Gerald Rückert. Der Schaden seit dem vergangenen Jahr summiert sich beim Unternehmen mittlerweile auf mehr als 200 000 Euro. Keine Versicherung zahlt das gerne. "Die Kriminalität ist das größte Problem. Wir wissen nicht mehr, wie wir Versicherungen aufrechterhalten sollen. Mittlerweile wird es unerträglich", sagt Gerald Rückert. Er gehe kaum noch ruhig ins Bett.

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Heinz 07.06.2012 - 02:12:21

nichts leichter als das und nicht nur die Grünen

Hans-Josef Fell Röstel Rezzo Schlauch http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-als-lobbyisten-erst-bio-dann-bimbes-a-758986.html Die Industrie hat früh erkannt, wie wichtig gut vernetzte grüne Politiker sind, um für sie Lobbyismus zu betreiben. Dabei setzt die Industrie darauf, dass sich grüne Funktionsträger mit viel "Bimbes" (Ausdruck von Helmut Kohl für Geld) auch dann gewinnen lassen, wenn sie einst für diametral entgegengesetzte Zielsetzungen standen. Auch Grüne sind nicht mehr unbedingt immun gegen den schnöden Mammon.

pedro 06.06.2012 - 19:42:53

Woher kommt die Info

Hallo @Heinz, könntes du irgend eine Quelle für deine Aussage zur Gewinnbeteiligung nennen, denn im Zweifel würde ich das gern selbst mal nachlesen wollen, andere Leser deines Kommentars eventuell auch. Nicht einfach was in den Raum stellen.

Heinz 06.06.2012 - 15:09:22

das glaubst du @ Radfahrer ?

Die einzige Partei, die sich für die ländlichen Gegenden einsetzen, sind die Grünen. das ist eine der Partei, den es ein Scheiß interessiert was aus Menschen wird, wenn ihrer Politik zum Tragen kommt. Nach ihrem Dafürhalten sind Menschen in der Uckermark überflüssig. für die Truppe brauchen wir noch eine Hochspannungsleitung ein paar Windanlagen mehr, damit umso schöner, wunderschöne Windmühlen für ihre Investitionen Gewinne abwerfen. grüne Politiker haben ein Eigeninteresse daran das ihre Investitionen Gewinne abwerfen sie sind größtenteils am Gewinn der regenerativen Energien persönlich beteiligt. wir Menschen in unserer Heimat stören nur

Barni 06.06.2012 - 13:22:30

wie weiter?

Die Kritik mag ja berechtigt sein und man kann auch auf die Landesregierung verbal einprügeln - aber es stellt sich die Frage wer etwas ändern soll. Eine andere Regierung würde wahrscheinlich ähnliche Entscheidungen treffen, da sie auch keine Gelddruckmaschine im Keller haben wird. Wo es hinführt wenn man immer weiter Geld ausgibt und Schulden anhäuft, kann man sich in anderen Ländern Europas anschauen - das kann auch nicht das Ziel sein.

Radfahrer 06.06.2012 - 12:02:06

Ignoranz

Es geht weiter, die ländlichen Gebiete, sei es das Oderbruch oder die Uckermark, werden von der rot-roten Regierung ignoriert. Für den Strassenausbau ist kein Geld da, in Potsdam aber baut man sich ein Schloß und am neuen Flughafen werden Millionen an Steuergeldern verschleudert. Auch im Oderbruch sagte man erst Hilfe zu und zog diese dann wieder zurück. Auch hier waren Gemeinden in Vorleistung gegangen. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen? Die einzige Partei, die sich für die ländlichen Gegenden einsetzen, sind die Grünen. Aber hier liegt der Grund in der Renaturierung ganzer Landstriche und dient ebenso nicht dem Menschen.

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