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Stadler erobert Berlins Unterwelt

Erfolgsmodell Flexity: Die Tram wird jetzt von Bombardier weiterentwickelt.Archiv
Erfolgsmodell Flexity: Die Tram wird jetzt von Bombardier weiterentwickelt.Archiv © Foto: - Dielitzsch
Roland Becker / 25.06.2012, 21:55 Uhr
Velten (MZV) Über zwei Großaufträge kann sich die berlin-brandenburgische Schienenfahrzeugindustrie freuen. Stadler Pankow erhält von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) den Auftrag zum Bau neuer U-Bahnen. Bombardier hingegen wird für die Hauptstadt weitere Straßenbahnen vom Typ Flexity liefern.

Obwohl der Aufsichtsrat der BVG bereits am Freitag grünes Licht für die beiden Aufträge im jeweils dreistelligen Millionenbereich gegeben hat, ist man bei der Stadler AG noch sehr vorsichtig. Deren Pressesprecherin Katrin Block wollte sich am Montag nur soweit äußern: „Wir haben am Freitag ein Fax von der BVG erhalten, dass man sich für unser Unternehmen entschieden hat.“ Welche Auswirkungen die gewonnene Ausschreibung auf die Auslastung des Berliner Werks samt seiner Veltener Außenstelle für Service und Inbetriebnahme hat, wollte Block noch nicht sagen. Erst einmal müsse die Einspruchsfrist abgewartet werden. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit der unterlegenen Konkurrenz, binnen 14Tagen der Entscheidung der BVG zu widersprechen. Um den Auftrag beworben haben soll sich unter anderem Siemens. Aber auch Bombardier hatte ein Angebot abgegeben und ging leer aus. „Stadler hat das eindeutig beste Angebot unterbreitet“, begründet BVG-Sprecherin Petra Reetz die Vergabe des 158Millionen Euro schweren Bestellpakets.

Überhaupt äußert sich die BVG-Pressestelle weniger zurückhaltend als die Stadler-Sprecherin zum vergebenen Auftrag für vorerst zwei vierteilige Testzüge. Sollten die sich ab 2015 im Probeeinsatz bewähren, wird in Serienproduktion gegangen. Bis 2018 würden dann 26von den neuen vierteiligen U-Bahn-Wagen durch Berlins Unterwelt rauschen. Wie bereits in der Testphase der Flexity-Straßenbahnen aus dem Hause Bombardier sollen erste Erfahrungen von Fahrgästen und Triebwagenführern genutzt werden, um Kinderkrankheiten abzustellen und das Fahrzeug im Detail noch perfekter zu gestalten. „Mit diesen Befragungen haben wir sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Reetz.

Die neuen U-Bahnen sollen auf den bislang mit schmaleren Fahrzeugen betriebenen Strecken U1 bis U4 eingesetzt werden. Die vierteiligen Wagen, die durchgängig sind, werden zehn Zentimeter breiter als die bisherigen sein. Die BVG verspricht zudem Luftfederung, Videokameras und Barrierefreiheit. Außerdem wird ein Fünftel der beim Bremsen aufgenommen Energie wieder ins Stromnetz eingespeist.

Während Bombardier beim U-Bahn-Auftrag den Kürzeren gezogen hat und laut Sprecher Immo von Fallois noch prüft, ob gegen die Vergabe Widerspruch eingelegt wird, kann sich das Unternehmen über den nächsten Straßenbahnauftrag freuen. Nachdem bereits 103eigens auf die Berliner Wünsche zugeschnittene Flexity bestellt beziehungsweise teilweise schon auf der Schiene sind, kommen nun 39weitere Bahnen hinzu. Die sollen die noch aus sozialistischen Zeiten stammenden Tatra-Bahnen aus der damaligen CSSR nach und nach ablösen. Deren Betriebsgenehmigung läuft aus.

Als „hervorragende Motivation für Bombardier“ bezeichnet von Fallois den Folgeauftrag. Zwar wird die Flexity vor allem in Bautzen gebaut. Doch für den Berliner Auftrag sei noch völlig offen, welcher Standort den Zuschlag erhält: „Das wird je nach Auftragslage entschieden.“ Der Bombardier-Sprecher erwähnte ausdrücklich, dass auch der Hennigsdorfer Standort profitieren könne.

Nach dem Desaster mit dem Regionalzug Talent2 hofft der kanadische Schienenfahrzeug-Hersteller, mit dem Flexity-Auftrag wieder eine bessere Visitenkarte in der Hauptstadt abzugeben. „Es ist politisch wichtig, dass uns der Auftrag in Berlin wieder nach vorn bringt“, sagt von Fallois. Schließlich steht die Fahrzeugbranche kurz vor der erwarteten Ausschreibung für Berlins neue S-Bahn-Züge Gewehr bei Fuß. Auf dem bisherigen Erfolg der Flexity-Straßenbahnen will sich Bombardier nicht ausruhen. Längst ist schon die Flexity 2 auf den Weg gebracht. Sie soll im September auf der in Berlin stattfindenen InnoTrans, der Fachmesse für Verkehrstechnik, vorgestellt werden.

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