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Landwirt aus dem havelländischen Großderschau präsentiert seine Produkte auf der Grünen Woche

Ein Leben mit dem Strauß

Straussenhof-Betreiber Enrico Dams füttert am Dienstag  auf seinem Hof in Grossderschau Blauhalsstrausse. Während der am Sonntag  endenden Grünen Woche präsentieren Dams und seine Lebensgefährtin die Produkte ihres Hofes an einem eigenen Stand in der Bran
Straussenhof-Betreiber Enrico Dams füttert am Dienstag auf seinem Hof in Grossderschau Blauhalsstrausse. Während der am Sonntag endenden Grünen Woche präsentieren Dams und seine Lebensgefährtin die Produkte ihres Hofes an einem eigenen Stand in der Bran © Foto: dapd
dapd / 24.01.2013, 07:41 Uhr
Großderschau (dapd) Wenn Enrico Dams mit dem Futtereimer kommt, sind die Strauße auf seinem Hof im havelländischen Großderschau kaum zu halten. Eifrig picken die großen, flugunfähigen Laufvögel nach dem gehäkselten Heu, manch ein Tier erwischt dabei statt Futter auch mal die Jacke des Landwirts. Dams scheint das nichts auszumachen. Obwohl er vor eineinhalb Jahren eher zufällig zu dem rund sieben Hektar großen Hof und dem neuen Beruf kam, sind ihm die Vögel ans Herz gewachsen. Zu viel Nähe darf er jedoch nicht aufbauen: Regelmäßig werden die Strauße von dem 36-Jährigen geschlachtet und zu Spezialitäten verarbeitet.

Während der noch bis Sonntag laufenden Grünen Woche in Berlin hat eine Mitarbeiterin die Fütterung der Blauhalsstrauße übernommen. Denn Dams und seine Lebensgefährtin Nicole Drewes präsentieren die Produkte auf der Agrarmesse an einem Stand in der Brandenburg-Halle. Dort finden sich nicht nur Wurst und Fleisch vom Strauß, sondern auch Eierlikör oder Staubwedel aus Federn.

Für die beiden Neu-Landwirte ist es erst die zweite Messeteilnahme. Im Oktober 2011 übernahmen sie den Hof und halten dort nun 140 Tiere. "Jedes Kücken, jedes Ei ist faszinierend", sagt Dams. "Jeder Tag ist noch anstrengend", fügt seine Freundin hinzu.

Landwirte suchen sich eine Nische

Noch vor wenigen Jahren hatten der heutige Hofbesitzer und seine Lebensgefährtin gar nichts mit der Landwirtschaft zu tun und arbeiteten beim Sanitätsdienst der Bundeswehr. Nach einem Auslandseinsatz sei aber für beide klar gewesen, dass sie sich beruflich neu orientieren wollen, sagt Dams. Verwandte hätten ihm davon berichtet, dass der Hof in Großderschau zum Verkauf steht. "Ich war schon immer sehr tierlieb und mochte auch das Landleben", erläutert er die Entscheidung, das Areal und die Vögel zu übernehmen.

Dass in Brandenburg offenbar ein guter Platz für außergewöhnliche landwirtschaftliche Produkte ist, erklärt sich Holger Brantsch vom Landesbauernverband mit schwierigen Voraussetzungen für die Agrarwirtschaft. "Brandenburg ist von Natur aus mit schlechten Bedingungen gesegnet", sagt der Verbandssprecher. Der sandige Boden sorge im Vergleich zu anderen Regionen für schlechte Erträge, und auch die Nutztierhaltung gestalte sich mancherorts schwierig.

"Man kann hier als Bauer nur auf dem Markt bestehen, wenn man sich eine Nische sucht oder sonst etwas Außergewöhnliches einfallen lässt", sagt Brantsch. Ein Vorteil sei die Nähe zu Berlin, sagt der Sprecher. Dort fänden zum Beispiel ökologisch angebaute oder exotische Produkte dankbare Abnehmer.

Führungen über den Straußenhof

Obwohl der Straußenhof in Großderschau nicht mehr zum direkten Einzugsgebiet von Berlin gehört, profitieren auch Dams und Drewes von Touristen und Wochenendausflüglern. Die Grüne Woche helfe bei der Werbung für den Hof, sagt Drewes. Noch am Ende des vergangenen Jahres seien Gäste zu ihnen gekommen, die den Straußenhof auf der Messe im Januar 2012 kennengelernt hatten. Einmal habe eine Ausfahrt mit rund 30 Oldtimern extra den Hof angesteuert, um die Straußeneierlikör-Schokotorte zu kosten, berichtet die 26-Jährige.

Für Tagestouristen und Schulklassen werden auf dem Hof Führungen angeboten, bei denen die Besucher die mehr als zwei Meter großen Vögel aus der Nähe betrachten können. "Wir hatten auch schon Vegetarier, die nach der Führung die Wurst probiert haben - weil man hier sieht, dass es den Tieren gut geht", sagt Dams stolz. Im Restaurant versuchten sie, die Gäste dann auch für Filet oder Braten zu begeistern. "Nur Spiegeleier haben wir noch nicht gemacht", sagt der Landwirt und ergänzt: "Dazu sind unsere Pfannen zu klein."

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