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Die Jagd geht weiter

Hunger: Bis zu 500 Gramm Fisch vertilgt ein Kormoran - täglich.
Hunger: Bis zu 500 Gramm Fisch vertilgt ein Kormoran - täglich. © Foto: dpa/dpaweb
Christian Schönberg / 09.09.2013, 19:13 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MZV) Das Landesumweltministerium hat die Fischer lange Zeit im Unklaren gelassen. Denn die Verordnung zum Abschuss von Kormoranen drohte, Ende September ersatzlos auszulaufen. Jetzt ist aber klar: Auch darüber hinaus sollen die Bestände des Fisch fressenden Vogels reduziert werden.

Rüdiger Punold ist erleichtert. Der Vorsitzende der in Neuruppin ansässigen Fischereigemeinschaft "Rhinsee" kann sich noch an Zeiten erinnern, als der rabenschwarze Seevogel auf die Rote Liste gesetzt wurde. "Das war gleich nach der Wende", sagte er. "Und sie haben sich richtig breit gemacht." Das haben dann die Binnensee-Fischer bei ihren Erträgen gespürt.

Damals kamen die Fischer rasch zu der Überzeugung, dass nur eine Regulierung der Bestände des Kormorans ihren Berufsstand noch rentabel machen kann, sagt Punold. "Der Kormoran frisst 400 bis 500 Gramm am Tag und alle wichtigen Fische, von deren Verkauf wir leben: vor allem Zander, Aale und Hechte", sagt Punold.

Dass das Land die neue ab Oktober geltende Abschuss-Verordnung nur auf zwei Jahre begrenzen will, sieht er skeptisch: "Ich denke, das Problem wird sich nie lösen", setzt er darauf, dass auch über 2015 hinaus Abschuss erlaubt werden muss. Denn selbst wenn der Kormoran die einzige Vogelart ist, die den Fischern Probleme macht: Wenn die Bejagung eingestellt wird, dann ist es wieder wie kurz nach der Wende, ist sich Punold sicher.

Offenbar haben die Abschuss-Verordnungen der Vogelart auch nicht geschadet. "Der Bestand hat sich seit 2010 stabilisiert", sagt Tobias Dürr von der Vogelschutzwarte Buckow. Vor fünf Jahren waren landesweit noch 1200 Kormorane erlegt worden. Doch auch in den folgenden Jahren waren es laut Dürr immer noch 750 bis 1000 Abschüsse pro Jahr - immer noch mehr als 1999, als damit begonnen wurde. Damals wurden gerademal zwischen 100 und 250 Kormorane landesweit erlegt.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen, was den Abschuss betrifft. So darf in Vogelschutzgebieten nicht gejagt werden. Die Fischereigemeinschaft "Rhinsee" sieht das kritisch. Denn der Zusammenschluss, der die Seen zwischen Altfriesack und dem Möllensee bewirtschaftet, ist von geschützten Seen in der Nachbarschaft umgeben. Im Frühjahr und Sommer bleiben die Vögel auch in diesem Revieren. Im Herbst oder Winter aber sieht es anders aus: "Der Ruppiner See friert immer als Letztes zu", sagt Punold. Die Kormorane in den Schutzgebieten weichen im Herbst und Winter auf dieses wichtige Wirtschaftsgewässer aus.

Allerdings hat sich das Land an EU-Recht gebunden: Für Vogelschutzgebiete darf es keine Ausnahmen geben. Laut Dürr erfüllen Kormorane auch einen ökologischen Zweck: Im Nahrungskreislauf sorgen die Fischfresser dafür, dass mehr Biomasse aus dem See herausgezogen wird. Das wiederum vermindert die Vermehrung von Algen und anderen trübenden Kleinslebewesen. Das kommt der Wasserqualität zugute.

Die Jäger haben übrigens kein Problem, weiterhin für die Regulierung der Kormoranbestände zu sorgen - obwohl sie mit erlegten Vögeln eigentlich nichts anfangen können. "Wir verbuddeln sie", sagt Uwe Hasse vom Kreis-Jagdverband Neuruppin. Aber wenn die Fischer-Erträge bedroht sind, ist es wie bei den Bauern: Jagdpächter seien nunmal dazu da, die Schäden durch Tierfraß zu minimieren. "Und für die Fischer sind sie ja ein arge Belastung" ,so Hasse

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Fred 10.09.2013 - 10:13:54

Kormorane ausrotten?

Der Kormoran hat jede Menge natürliche Fressfeinde an Land und in der Luft. Dummerweise wird diesen Tieren der Lebensraum entzogen oder es wird ihnen gleich der Garaus gemacht. Wenn der Mensch seine Energie verschwendet, um negative Erscheinungen (Kormoran) zu bekämpfen anstatt positive (Seeadler, Habicht, Dachs, Iltis usw.) zu fördern, dann wird er mit jedem negativen Phänomen ein neues schaffen, das er dann wieder bekämpfen muss. Ein Teufelskreis! Ohne Frage haben die Belange der Fischer einen hohen Stellenwert und dürfen nicht ignoriert werden. Aber es wäre doch ein Armutszeugnis wenn 200000 Jahre Entwicklung des Homo Sapiens es nicht zu mehr fertig brächten, als die naheliegende, vermeintlich einfache Tötung der Art als Lösung des Problems zu betrachten. Das wäre sehr unintelligent und des Menschen unwürdig. Wir sind zum Mond geflogen, können Menschen klonen und noch viel mehr. Nur bei diesem Problem verfallen wir in kindliche Einfalt? Wenn der Kormoran auch in den Schutzgebieten gejagt wird und letztlich ganz verschwindet, haben die Fischer in Zukunft viel schwerwiegendere Probleme als die heutigen den Kormoran. Die Natur stört sich nicht daran, wenn diese Art verschwindet. Sie besetzt die Nische, die der Kormoran heute besetzt, mit anderen Möglichkeiten aus ihrem reichhaltigen Repertoire. Nur der Mensch guckt dann wieder in die Röhre und muss sich schwerfällig anpassen.

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