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"Das grenzt an Körperverletzung"

Friedhelm Brennecke / 11.12.2013, 19:57 Uhr
Oranienburg (MZV) Kaum hatte die Berliner GVL GmbH Ende August die Essenversorgung für die Oranienburger Kitas und Schulen in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren für sich entschieden, da hagelte es schon die ersten Proteste. Die Qualität des Essens ließ zu wünschen übrig. Jetzt zog die Stadt die Konsequenz und kündigte dem Anbieter.

"Das, was unseren Kindern hier vor allem in den letzten Tagen zugemutet wurde, grenzt an Körperverletzung oder hat diese Grenze sogar schon überschritten", beklagt sich eine Mutter von drei Kindern aus der Kernstadt. Grüne Fleischbrocken in stinkenden GVL-Mahlzeiten seien am Dienstag im Hort der Havelschule von den Mitarbeiterinnen zurückgewiesen worden. Die hätten, um den Kindern überhaupt ein Essen anbieten zu können, eiligst Würstchen und Brötchen eingekauft.

"Es ist eine große Schweinerei, dass sich ein Essenanbieter solche Eskapaden leisten kann, ohne dass gegen ihn vorgegangen wird", klagt Brit Langhoff, Elternvertreterin der Klasse 1 b an der Neddermeyer-Grundschule in Schmachtenhagen. Kinder hätten dort des Öfteren über Bauchschmerzen geklagt, nachdem sie an der Essenversorgung teilgenommen hatten. Ihre Beschwerden seien bisher sowohl bei der Stadt als auch beim Kreisgesundheitsamt lediglich zur Kenntnis genommen worden. "Ich hatte aber den Eindruck, dass sich dort niemand für die Probleme interessiert", so die Wensickendorferin.

"Seitdem uns Beschwerden über GVL bekannt sind, wurden die Kontrollen intensiviert", sagt Kreissprecherin Irina Schmidt.So habe sich die Stadt Mitte vergangener Woche abermals beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises über GVL beschwert, weitere Klagen aus Kitas seien seitdem dazugekommen.

Daraufhin hätten Mitarbeiter des Lebensmittelüberwachungsamtes einige Ausgabestellen von GVL und die Küche im Louisenhof kontrolliert und Proben genommen. Die seien eingeschickt worden und würden nun näher untersucht. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Zuweilen sei es aber schwierig gewesen, GVL-Mitarbeiter anzutreffen. Die Geschäftsführung des Berliner Unternehmens war am Mittwoch telefonisch zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dafür hat die Stadt jetzt gehandelt und den Vertrag mit der GVL GmbH zum 23. Dezember gekündigt. "Ich habe viel Verständnis für die berechtigten Klagen der Eltern gehabt. Nur mussten wir das Ganze natürlich vorher erst einmal gründlich rechtlich abklopfen, bevor wir jetzt die Konsequenzen ziehen und die Geschäftsbeziehungen zu GVL beenden", sagt Sozialdezernentin und Vize-Bürgermeisterin Kerstin Kausche (parteilos). Bis zum 23. Dezember werde man aber noch verstärkt darauf achten, was das Unternehmen den Oranienburger Kindern auftische.

Die Stadt habe seit den ersten Beschwerden über die Qualität des Essens mehrfach mit GVL Gespräche geführt und immer wieder gemahnt, die vertraglich gemachten Zusagen einzuhalten, so die Dezernentin. Genützt hat das offenbar nicht sehr viel. Denn statt das geforderte Qualitätsessen zu liefern, habe es daran in den vergangenen Wochen mehr und mehr gehapert.

Bis auf die Grundschule Germendorf und die Comenius-Grundschule, die seit August vom Caterer Sodexo beliefert werden, wurden alle städtischen Kitas, Horte und Schulen mit rund 2 500 Kindern seitdem von GVL mit Mittagessen versorgt. Das soll ab Januar Sodexo übernehmen. Das Unternehmen war aus dem europaweiten Ausschreibungsverfahren als Zweitplatzierter hervorgegangen. Lediglich für die Einrichtungen in Schmachtenhagen, Wensickendorf und Zehlendorf soll die Firma Menü-Taxi die Mittagsversorgung sicherstellen. Dort werde dann tiefgefrorenes Essen des Unternehmens Appetito angeboten, so Kerstin Kausche.

Unterdessen fordert die SPD/Grüne-Fraktion eine Sondersitzung des Sozialausschusses im Januar. "Die soll sich speziell mit der Essenproblematik befassen", so Fraktionschef Dirk Blettermann. Die SPD will dazu ihren schon mal gescheiterten Vorstoß wieder vorbringen, Kita- und Schulessen entweder durch ein städtisches oder ein sonstiges regionales Unternehmen liefern zu lassen. "Auch über eigene Küchen in den Einrichtungen sollte wieder nachgedacht werden", regt Blettermann an.

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