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Großer Andrang beim Baumschlagen im Danewitzer Tannenwald

"Ab vier Meter müssen Sie rufen!"

Renate Meliß / 16.12.2013, 06:40 Uhr
Danewitz (MOZ) "Der Baum ist sehr schmal. Wenn man da die Spitze kappt, sieht er sicher ganz anders aus." Zögerlich schaut die ältere Dame auf das ausgesuchte Stück und überlegt.

Vier Baumnetzvorrichtungen nebeneinander in verschiedenen Größen sind auf dem Hof von Gesches in Danewitz an diesem Sonnabend im Dauereinsatz. Zwei alte umfunktionierte Waschzuber nehmen die breitesten Bäume auf. "Einige haben wir schon vorgesägt oder Sie gehen hinter und sägen selbst", weisen die Männer am Eingang die Besucher an. "Gut, solange wir innerhalb des Zauns bleiben, können wir rumwildern", sagt ein Mann und macht sich mit seiner Frau auf in den Wald. "Ab vier Meter rufen Sie einfach", wird ihnen noch empfohlen. Das Ehepaar nickt artig.

Einige Meter weiter wärmt sich eine Großfamilie am Feuer, Der Jüngste hält mit der einen Hand den Stock mit Brot ins Lagerfeuer, mit der anderen seine kleine mitgebrachte Plastesäge. Opa hat ein Liedchen auf den Lippen: "Am Weihnachtsbaume, da hängt ne Pflaume..."

Überall im Wald hört man das Ritsch-ratsch der Sägen. "Achtung, Baum fällt!" ruft jemand. "Schatz, wir hätten auch vorne einen geschnittenen nehmen können", meint eine junge Frau es gut mit ihrem Angetrauten. "Da hättest Du dir das Sägen sparen können!" Missmutig schaut er sich um. "Hättest Du mal gleich was gesagt!", kommt es säuerlich zurück. Bäume sind mehr als genug da. Die Besucher haben die Qual der Wahl. "

Familie Roth ist mit ihren beiden Mädchen Marlene und Susanne aus Berlin-Karlshorst gekommen. Papa beugte sich runter zum Stamm der ausgesuchten Douglasie. "Wo soll ich abschneiden?", fragt er. "Wir stellen unseren Baum nach amerikanischer Art immer schon lange vor dem Fest auf, denn zu Weihnachten sind wir sowieso nie zuhause", erklärt der Berliner noch.

Zwei Wege weiter ist Familie Haese zu Gange. "Wir suchen was für eine Neubau. Er darf nicht so breit sein - wegen der Heizung", erklären die Bernauer. Dann wird die Frau des Hauses neben dem bereits ausgesuchten Stück platziert. Damit wäre der erste Baum erstmal gesichert, während Opa noch nach einem Besseren schaut.

"Ach, das ist doch was anderes, hier im Wald zu suchen als sich einfach einen Baum vom Supermarkt mitzunehmen. Da kann man noch mal richtig ran mit Axt und Säge", erklären zwei junge Männer und freuen sich schon auf Schmalzstullen und Glühwein.

Rundherum fallen weitere Bäume im Tannendickicht. Der "Herr der Bäume", Friedrich-Wilhelm Gesche, hat alle Hände voll zu tun - auch wegen des Backens im alten Feldsteinofen. "Meine Frau und ich sind heute um 4.30 Uhr aufgestanden. Um 9 Uhr hatten wir schon 55 Brote fertig und sechs große Blechkuchen", erzählt er. "Lange reichen wird das aber nicht", ahnt er angesichts des Besucheransturms.

"Der Trend geht doch immer mehr zum selber Schlagen", hat der Danewitzer beobachtet."Viele Eltern kommen mit ihren Kindern, damit sie auch wissen: Der Weihnachtsbaum kommt nicht einfach vom Baumarkt. Der wächst im Wald!", stellt er zufrieden fest.

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Erhard Konz 16.12.2013 - 14:55:36

Lieber Herr Gesche...

Solange Sie die Bäume an der Danewitzer Allee in Ruhe lassen, können Sie meinetwegen so viel auf Ihrem Grund und Boden schlagen, wie Sie dazu Lust empfinden. In diesem Sinnne wünsche ich Ihnen einen guten Umsatz und ein schönes Weihnachtsfest...

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