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Ein Dorf steht unter Schock

Nach dem Mord an Helga S. surren die Kameras.
Nach dem Mord an Helga S. surren die Kameras. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 02.01.2014, 18:39 Uhr
und Markus Kluge Bechlin (MZV) Nach dem Mord an einer 73-jährigen Bechlinerin arbeiten die Ermittler fieberhaft daran, sich ein Bild von dem Täter zu machen. Der 15-Jährige scheint beim Berliner Jugendamt kein Unbekannter gewesen zu sein.

Sogar das Fernsehen interessierte sich am Donnerstag für den tragischen Fall. Vor dem großen Bauernhaus in Bechlin baute ein Reporterteam seine Kameras auf. Die Türen des Gebäudes waren ebenso noch versiegelt wie die Hoftür. Die Spurensucher der Kriminalpolizei machten dort ihre Arbeit. Vor dem Haus hatten Mitfühlende eine Kerze und eine Blume abgelegt. Über die Bluttat ist das gesamte Dorf schockiert. AmFreitag wird es einen Gedenkgottesdienst geben. Er beginnt um 17 Uhr.

"Wir sind erschüttert", sagte eine Bechlinerin am Donnerstag. Helga S. galt als freundliche und hilfsbereite Frau, die seit Jahrzehnten im Dorf lebte. Fast jeder kannte Helga S. "Aber kaum einer wusste, was sie sich da ins Haus geholt hat", sagt die Frau weiter. Denn der 15-jährige Tatverdächtige und dessen Mutter, die seit Kurzem im Bauernhaus an der Dorfstraße wohnten, sind den meisten noch unbekannt.

Nachbarn hatten zwar mitbekommen, dass Helgas S. Sohn B. eine neue Freundin hatte. Aber Genaueres wusste man über die Neuen im Dorf nicht. Die Details über die Tat jagt vielen im Dorf nicht nur einen kalten Schauer über den Rücken. "Wenn ich höre, was ihr passiert ist, dann tut mir das selbst richtig weh", erzählt die Bechlinerin.

Im Dorf war Helga S. beliebt und aktiv. Im Seniorenverein Spätlese soll sie unter anderem die Ausflüge und Reisen für die Rentner aus dem Ort mitorganisiert haben. Mit ihrem Mann, der wegen einer Operation zur Kur war, als die Tat geschah, hatte sie erst Mitte November Goldene Hochzeit gefeiert.

Besonders tragisch an dem Fall ist, dass das Mordopfer den Täter quasi bei sich unterkommen ließ. Der 15-Jährige hat mit seiner Mutter im Dachgeschoss gewohnt - mit dem Sohn des älteren Ehepaars. Diesem war vor einiger Zeit die Feuerwehrkasse gestohlen worden. Mittlerweile hat der 15-Jährige auch diese Tat gestanden, die aber angesichts der Verbrechens vom Silvesterabend kaum noch strafrechtlich relevant wird. Ermittelt wird gegen ihn immer noch wegen Mordes. Auch als 15-Jähriger kann man dafür lange ins Gefängnis kommen. Zehn Jahre Höchststrafe sieht das Gesetz vor.

Doch ob er schuldfähig ist, untersuchen derzeit die Ärzte in Eberswalde, wo der geständige Täter in eine geschlossene Klinik gebracht worden ist. Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher ist der Junge schon lange ein Problemkind. "Wir wissen mittlerweile, dass er zwei Jahre lange nicht zur Schule gegangen ist", sagt er. Zudem ist davon auszugehen, dass der 15-Jährige "der Erziehung seiner Mutter langsam entglitten" ist. Beim Berliner Jugendamt ist der 15-Jährige kein Unbekannter. Wie intensiv sich die Behörde um ihn kümmerte, sollen Anfragen klären.

Schnittcher lobt die reibungslos laufende Zusammenarbeit mit der Polizei - und ihr schnelles Zugreifen. "Wir sind da sehr zufrieden", sagt er. Insbesondere dass bereits anderthalb Stunden nach der Tat die Polizei den flüchtigen Jugendlichen in Hennigsdorf schnappte, hat ihn sehr beeindruckt.

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