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Neues Buch über Militärgefängnis in Schwedt von Herausgebern vorgestellt

Strafe, Drill und schwere Arbeit

Ilja Hübner liest im Berlischky-Pavillon aus dem neuen Buch "Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt 1968-1990".
Ilja Hübner liest im Berlischky-Pavillon aus dem neuen Buch "Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt 1968-1990". © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Anke Grodon / 27.01.2014, 21:30 Uhr
Schwedt (ag) 63 Interessierte kamen am Sonntagnachmittag in den Berlischky-Pavillon, um mehr über das neue Buch "Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt 1968-1990. Zeitzeugen brechen ihr Schweigen" zu erfahren. Eingeladen hatten das Stadtmuseum und die Beauftragte des Landes Brandenburg für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur.

Die Herausgeber Ilja Hübner, Paul Brauhnert und Arno Polzin waren gekommen, um aus dem Buch zu lesen und über das Thema Militärgefängnis Schwedt zu diskutieren. Arno Polzin gab einen groben Überblick über den vermeintlichen Mythos Schwedt. Er betonte die schwierige Aktenlage und wie wertvoll Zeitzeugen sind. Ein Übergabeprotokoll vom Sommer 1990 belegt zwar, dass 802 Gefangenenakten auf dem Weg von Schwedt nach Strausberg waren, dort sind diese aber nie angekommen. Polzin berichtete, dass Straftaten oft mit Militärstraftaten verknüpft worden sind. In Schwedt erwarteten die durch ein Militärgericht Verurteilten oder die ab 1983 zu Disziplinierenden eine Strafe, militärischer Drill und schwere körperliche Arbeit. Bei den Disziplinarbestraften kamen lauter Kommandoton und das Leben im Laufschritt dazu.

Gibt es genaue Zahlen? Für die Zeit bis 1982, als das Innenministerium für den Militärstrafvollzug in Schwedt zuständig war, gibt es nur eine Schätzung. Polzin vermutete, dass es sich um zirka 3500 Militärbestrafte handelte. Ab Ende 1982 übernahm die NVA das Objekt. Hier kann er konkrete Zahlen nennen: 788 Strafgefangene und 2524 Disziplinarbestrafte. Polzin arbeitet an einem Projekt, das den Einfluss der Staatssicherheit im Objekt untersucht. Besonders schwierig gestaltete es sich, inoffizielle Mitarbeiter unter den Insassen zu finden. Für die Zeit zwischen 1968 und 1990 konnte er aber für 235 Monate einen inoffiziellen Mitarbeiter unter den Insassen nachweisen. Ilja Hübner thematisierte seine persönlichen, schmerzlichen Erinnerungen an den 19-jährigen Soldaten im Motschützenregiment Rostock, der am 31. Januar 1985 in Schwedt eingeliefert worden war. Paul Brauhnert las aus dem Zeitzeugenbericht von Günter Meyer. Dieser erinnerte sich an Diskussionen unter den Insassen, Kameradschaft und seinen ungebrochenen Widerstand gegenüber einschüchternden Autoritäten. Meyer verbrachte 83 Tage im strengen Arrest. Brauhnert selbst war in Schwedt, weil er aus der DDR fliehen wollte. Bei der Befragung durch die Staatssicherheit sagte er alles. Marie-Anne Subklew, stellvertretende Beauftragte des Landes Brandenburg für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, moderierte die Diskussion. Gegenfragen aus dem Publikum machten die verschiedenen Sichtweisen deutlich.

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