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Der kürzlich gestorbene Thomas Kurzhals war langjähriges Mitglied der Stern Combo Meißen / Beisetzung am Freitag in Erkner

Spaßvogel und begnadeter Keyboarder

Michael Gabel / 31.01.2014, 21:29 Uhr
Erkner (MOZ) "Wir werden ihn sehr vermissen", sagt der Perkussionist der Band Stern Combo Meißen, Martin Schreier, über Thomas Kurzhals. Der Keyboarder aus Erkner, der auch bei Karat spielte, starb am 2. Januar im Alter von 60 Jahren. Am Freitag, 14.30 Uhr, wird er auf dem Friedhof in Erkner beigesetzt.

Im Tonstudio der Band Stern Combo Meißen in Wilhelmshagen ist eigentlich alles wie immer. Die Keyboards, auf denen Thomas Kurzhals gespielt und an neuen Sounds getüftelt hat, stehen noch auf ihren Ständern. An der Wand hängen Bandfotos der vergangenen Jahre. Sie zeigen den Erkneraner mal als jungen Mann mit langem, blondem Haar, mal leicht ergraut, so wie er zuletzt aussah. Doch künftig muss die 1964 gegründete Band, bei der Kurzhals seit 1972 mitspielte, ohne den Musiker und seine Ideen auskommen.

"Im Sommer 2013 bekam er plötzlich gravierende gesundheitliche Probleme", erzählt Bandmanager Detlef Seidel. Die Stern Combo Meißen war gerade zu einem Auftritt in Magdeburg unterwegs, als Kurzhals darüber klagte, dass er zwei Finger der rechten Hand nicht mehr bewegen konnte. "Das waren wohl erste deutliche Anzeichen für seine Leberkrankheit", vermutet Seidel. Beim Auftritt übernahm der junge Sänger Manuel Schmid Teile des Keyboardparts; dies wird auch in Zukunft seine Aufgabe sein. Der Schlagzeuger und Perkussionist Martin Schreier, der die Band mitgegründet hat, berichtet, wie sich Kurzhals' Gesundheitszustand immer mehr verschlechterte. Am 60. Geburtstag des Keyboarders am 13. Dezember wurde zwar in Erkner mit vielen Freunden gefeiert. Danach wollte Kurzhals unbedingt noch einmal seine Heimat besuchen. Mit seiner Lebensgefährtin fuhr er ins ostthüringische Ronneburg, wo er geboren wurde. Doch die Beschwerden wurden schlimmer, und er kam im benachbarten Glauchau ins Krankenhaus, wo er am 2. Januar morgens starb.

Thomas Kurzhals spielte seit seiner Jugend Klavier. Er studierte Unterhaltungsmusik an der Dresdner Musikhochschule und galt bald als begnadeter Keyboarder. Mit den anderen Musikern der Band Stern Combo Meißen verband ihn die Leidenschaft für Rockgruppen wie Emerson, Lake & Palmer, deren orgel- und synthesizerdominierte Songs man nachspielte. Doch die Band hatte auch ihren eigenen Stil entwickelt und feierte DDR-weit Erfolge. Nur in den Westen durfte man nicht reisen, obwohl es Angebote gab, dort zu spielen. "Um eine Chance auf West-Reisen zu bekommen sind wir in den 80er- Jahren von Meißen nach Berlin gezogen, auch um näher am Rundfunk, Fernsehen und an der Presse zu sein", erinnert sich Drummer Martin Schreier.

Dann bekam Kurzhals das Angebot, für Karat zu spielen und im Westen auf Tournee zu gehen. "Wir haben ihm das nicht geneidet", sagt Schreier. Fügt aber selbstbewusst hinzu: "Seine musikalische Heimat waren immer wir." Kurzhals hat das wohl auch so gesehen. Denn 1996 kehrte er zur Stern Combo Meißen, die zwischendurch auch mal einfach nur Stern Meißen hieß, zurück. In der Band war er der Spaßvogel. Jeder bekam von ihm einen Spitznamen verpasst - Schreier war für ihn der Rabe, wegen seiner einst tiefschwarzen Haare. Bei den vielen Tourneen ins sozialistische Ausland bekamen seine Kollegen auch mit, dass Kurzhals sehr unter Höhenangst litt. "Bei einer Gondelfahrt auf einen Berg im Kaukasus saß er die ganze Zeit auf dem Boden. Er konnte nicht rausschauen", erzählt der Schlagzeuger.

Vier Mal war Kurzhals verheiratet, und er hatte vier Kinder. Während andere Musiker nach der Wende in ein Loch fielen, baute sich Kurzhals in Erkner ein Musikstudio auf, in dem er Werbejingles produzierte und Songs mit Karat und Katrin Sass aufnahm. Viele seiner früheren Freunde und Mitmusiker haben angekündigt, an der Beisetzung teilzunehmen.

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