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Verteidigung scheitert mit letzten Anträgen

Roland Becker / 25.02.2014, 02:00 Uhr
Hennigsdorf/Neuruppin (MZV) Die Stichpunkte, vielleicht auch die ausformulierten Sätze müsste der Staatsanwalt nur aus der Tasche ziehen. Doch Punkt 14 Uhr weiß Philip Schumacher, dass er an diesem Montag nicht mehr plädieren wird. Zwar hat ihm der Vorsitzende Richter Gert Wegner gerade angeboten, schon mal in seinen Vortrag einzusteigen. Doch halbe Sachen sind im Prozess um den Mord an Maike Thiel nicht Schumachers Ding. Er will "aus einem Guss plädieren", und benötige dafür garantiert drei Stunden.

Vor dem juristischen Finale steht für die Angeklagten in diesem Mammutprozess viel, nein eigentlich sogar alles auf dem Spiel. Es scheint sicher, dass die Staatsanwaltschaft Michael Sch. vorhalten wird, am 3. Juli 1997 Maike Thiel nahe des Hennigsdorfer Krankenhauses in ein Auto gelockt und dort erdrosselt zu haben. Für den heute 34-Jährigen bedeutet das im Fall einer Verurteilung lebenslängliche Haft. Seiner Mutter Christine Sch. droht dasselbe, sollte ihr die Anstiftung zum Mord an der damals hochschwangeren 17-Jährigen nachzuweisen sein.

Doch wird die Kammer unter Vorsitz von Gert Wegner der Argumentationskette der Staatsanwaltschaft folgen? Immerhin wird über einen Mord verhandelt, für den bis heute die Leiche fehlt. Sowohl die Aussagen der Hauptbelastungszeugen als auch eine Reihe von Indizien lassen es logisch erscheinen, dass Michael und Christine Sch. für den Tod von Maike Thiel verantwortlich sind. Doch Logik allein reicht für eine Verurteilung nicht aus. Das Gericht muss aus diesen Indizien ein lückenloses Netz von Beweisen spannen. Noch steht nicht fest, ob es der Staatsanwaltschaft gelungen ist, das Gericht von der Schuld der Angeklagten zu überzeugen.

Darauf setzen die Verteidiger. 33 Verhandlungstage hat dieses Quartett alles unternommen, um Zeugen unglaubwürdig erscheinen zu lassen, um auf Nebenspuren zu leiten, die in Sackgassen führten, und um auf Fehler bei den Ermittlungen hinzuweisen. Selbst an diesem Montag greifen die Verteidiger nach jedem Strohhalm, um die Beweisaufnahme zu verlängern. "Das ist Verschwendung von Zeit", poltert Staatsanwalt Schumacher, als die Anwälte ein ganzes Paket neuer Beweisanträge vorlegen.

Ein solcher Antrag betrifft eine frühere Kollegin und Freundin von Christine Sch., die das Gericht vorladen soll. Als Zeugin werde diese aussagen, so prophezeit es jedenfalls Verteidiger Lüder Suling, an jenem Tag, an dem Maike Thiel ermordet worden sein soll, von Michael Sch. nach Berlin zur Arbeit gefahren und am Nachmittag wieder abgeholt worden zu sein. "Dabei habe Michael Sch. in keiner Weise auffällig gewirkt, habe keinerlei Verletzungen gehabt und sei freundlich gewesen", berichtet der Anwalt schon mal vorab. Suggerieren soll dies: Wer freundlich und entspannt wirkt, kann nicht Stunden zuvor einen Menschen umgebracht haben. Gemeinhin mag das stimmen. Andererseits: Seit neun Monaten wirkt der des Mordes angeklagte Michael Sch. auch im Gerichtssaal entspannt und höflich - obwohl er unter enormen Druck stehen dürfte. Er vermittelt den Eindruck eines Mannes, der seine Gefühle im Griff haben kann.

Zudem soll sich das Gericht nochmals mit den widersprüchlichen Aussagen von Matthias Sch. befassen. Der Verteidiger spricht den Verdacht nicht aus, lässt aber durchklingen, dass Matthias Sch. etwas mit dem Verschwinden von Maike Thiel zu tun haben könnte. Richter Wegner lehnt die Anträge als unbegründet ab und schließt nach neun Monaten die Beweisaufnahme. Ab heute wird plädiert.

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