Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gut, Schloss, Burg - es gibt viel zu tun

Verfällt seit Jahren: Für den Erhalt des Gutes Gentzrode gibt es derzeit noch kein Konzept. Die Stadtverwaltung hatte das letzte Mal im September Kontakt mit den Investoren, die aber auch noch eine Burg und ein Schloss gekauft haben
Verfällt seit Jahren: Für den Erhalt des Gutes Gentzrode gibt es derzeit noch kein Konzept. Die Stadtverwaltung hatte das letzte Mal im September Kontakt mit den Investoren, die aber auch noch eine Burg und ein Schloss gekauft haben © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 27.02.2014, 06:00 Uhr
Neuruppin (MZV) Steffen Wernard (CDU) ist Bürgermeister in Usingen im Taunus. Und Neuruppin ist ihm durchaus ein Begriff, obwohl es gut 570Kilometer entfernt ist. "Sie wollen mit mir über unser Schloss reden, stimmt's?", fragt Wernard als erstes bei einem Anruf am Donnerstag.

Steffen Wernard liegt richtig. Seit nunmehr zwei Jahren gehört das historische Schloss Kransberg (um 1220) in seiner Kommune der türkischen Investorengruppe, die 2010 auch das Gut Gentzrode (1876/77) im Norden von Neuruppin gekauft hat. Und Wernard verfolgt schon aus Eigeninteresse mit, wo die Investoren was machen. Denn das Schloss Kransberg hat in den vergangenen Jahren häufiger Schlagzeilen gemacht. "Das hessische Fernsehen, Sat. 1 - alle haben darüber schon berichtet", sagt er.

Wie auf Gut Gentzrode passierte auch am Schloss Kransberg bisher sehr wenig. Nichts, was dazu beiträgt die Substanz der historischen Anlage zu erhalten. Während das marode Gentzrode mitten im Grünen steht und für niemanden eine Gefahr darstellt, liegt Schloss Kransberg mitten im Ort. Als die Schlossfassade, die schon Kulisse für einen Tatort-Krimi war, zu bröckeln begann und sich niemand darum kümmerte, musste monatelang eine Straße davor gesperrt werden. Das hatte laut Wernard zur Folge, dass sogar Anwohner ihre Mülltonnen bis zu 500 Meter weit zur Abholung bringen mussten. Erst Anfang dieses Jahres wurde Abhilfe geschaffen. Richtig gesichert ist das Schloss aber nicht.

Was aus dem Kransberger Schloss einmal wird, weiß Wernard nicht. Wie auch beim notdürftig gesicherten Gut Gentzrode gibt es bislang kein Nutzungskonzept.

Ein Vertreter der türkischen Investorengruppe hatte in der vergangenen Woche gegenüber dem RA gesagt, dass man sich mit der Stadt Neuruppin abstimme, wie ein Konzept für Gentzrode aussehen könnte. Baudezernent Arne Krohn weiß davon allerdings nichts. Auch gebe es keinen Termin, um darüber zu sprechen."Ein neuer Sachstand ist mir nicht bekannt. Das vom Investor beauftragte Gutachterbüro, das im Konversionssommer den Zwischenstand vorgestellt hat, ist wohl noch an der Arbeit. Seitens des Investors soll das Konzept dann als Vermarktungsgrundlage genutzt werden." Das ist Stand der Dinge von September 2013. Seither herrscht Funkstille.

Wernard kennt das nur zu gut. "Als ich mal mit einem Vertreter Kontakt hatte, ist mir das mit der Mentalität begründet worden. Erst wird das Objekt gekauft, weil es einem gut gefallen hat. Und erst nach dem Kauf wird überlegt, was man eigentlich damit machen möchte", so der Usinger Bürgermeister, der vor einiger Zeit noch die Kontakte zum Landesamt für Denkmalschutz und zur European Business School vermittelt hat, weil kurzzeitig die Idee bestand, aus dem Schloss eine Schulungszentrum zu machen. "Passiert ist dann aber nichts", so Wernard, der nur abwarten kann, was aus dem Wahrzeichen des Ortes wird. Im Fall des Schlosses komme aber erschwerend noch hinzu, dass es zwischen den türkischen Investoren und dem Vorbesitzer noch Zivilstreitgkeiten gibt, weil dieser selbst noch Schäden reparieren wollte, so Wernard.

Nur rund 60 Kilometer von Usingen entfernt liegt der Ort Balduinstein mit der Schaumburg (um 1850), die einst ein beleibtes Ausflugsziel für Touristen gewesen war. Dieselbe türkische Investorengruppe hat auch dieses Objekt vor rund einem Jahr gekauft.

"Hier fanden bisher zwei größere Aktionen statt", sagt Ortsvorsteher Paul Wendt, der auch Schloss Kransberg kennt und von Neuruppin und Gentzrode schon einmal etwas gehört hat. Auf der Schaumburg gab es bislang eine große Putz- und Entrümpelungsaktion, denn in dem Schloss soll zuvor "ein halber Zoo" gehalten worden sein, und danach fand in der historischen Anlage eine größere Auktion statt, bei der von Ölgemälden über Bücher bis hin zu Möbeln alles verkauft wurde, erzählt Wendt.

Dass an dem Schloss nicht alles schnell vorangeht, dafür hat er Verständnis. "Der Denkmalschutz hat hier strenge Auflagen", sagt Wendt. Bevor irgendwo etwas gestrichen werden darf, fordert die Behörde eine Analyse der historischen Farbgebung. Und der Kiesweg zur erhöht liegenden Burg dürfe auch nicht befestigt werden. "Ich bin optimistisch, dass hier noch mehr passierten wird", sagt Wendt. Soweit er weiß, schwebt den Investoren "eine kulturelle, gastronomische und touristische Nutzung" der Burg vor. "Es wird aber extrem schwierig sein, dafür ein Konzept aus einem Guss hinzubekommen. Vor allem bei den Auflagen", meint Wendt.

Nach gut einem Jahr ist er zuversichtlich, dass die Schaumburg eine Zukunft hat. Nach vier Jahren allerdings, die mittlerweile für das Gut Gentzrode verstrichen sind, "darf man schon unruhig werden", sagt Wendt.

Luftaufnahmen von Gentzrode von Juhre Veranstaltungstechnik und Petruschkefilm gibt es unter http://youtu.be/Ldn3hh3P-tE

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG