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Hören, sehen, bügeln

Bügelabend einmal anders: Die beiden Künstlerinnen Alexandra Karrasch (l.) aus Ortwig und Regina Raderschall aus Neubrandenburg gestalteten in der Alten Schmiede am Schloss Trebnitz eine Installation-Performance.
Bügelabend einmal anders: Die beiden Künstlerinnen Alexandra Karrasch (l.) aus Ortwig und Regina Raderschall aus Neubrandenburg gestalteten in der Alten Schmiede am Schloss Trebnitz eine Installation-Performance. © Foto: Doris Steinkraus/MOZ
Doris Steinkraus / 01.03.2014, 07:07 Uhr
Trebnitz (MOZ) "Hören, sehen, bügeln" - schon das Motto des Abends in der Alten Schmiede am Schloss Trebnitz machte neugierig. Es wurden zwei unterhaltsame Stunden, bei dem das Bügeln überraschend zur Hauptattraktion mutierte.

In allen vier Ecken des großen Seminarraumes der Alten Schmiede sind Bügelbretter aufgestellt. An den Wänden hängen Installationen der Ortwiger Künstlerin Alexandra Karrasch - filigrane Kupferfäden, die wie Engelshaar anmuten, dünne Aststücke mit einer ungewohnten marmoriert wirkenden Oberfläche, die sie aus Ei-Membrane gewonnen hat, ein Wandschmuck, der an rotes wallendes Haar erinnert. "Haben Sie Ihre Bügelwäsche dabei", fragt Oliver Spatz. Der Manager des Kulturbüros hat ein Hemd über die Schulter gehängt. Das wolle er morgen anziehen und sich an diesem Abend mal selbst im Bügeln versuchen. Spatz nimmt die ersten Spannungen aus dem Abend, denn er macht deutlich, dass das Motto wirklich so gemeint ist, wie angekündigt.

Wann bügelt Frau meist? Klar, am Abend vor dem Fernsehen. Warum nicht Geschichten lauschen und hin und wieder auf eine Leinwand schauen und mal ganz andere Eindrücke gewinnen? Das war der Hintergrund der Installations-Performance, zu dem an diesem Abend eingeladen wurde. Die in Neubrandenburg lebende Autorin Regina Raderschall bleibt beim Praktischen. "Was ist geblieben trotz hoch entwickelter Technik?" fragt sie in den Raum. Das Bügeln. Vor 500 Jahren gab es die ersten Eisen, schwere Monster, in die heiße Kohle gelegt wurde. Heute gibt es Dampfstationen in allen Varianten. "Aber sehen Sie mal, die Bewegungen sind über all die Jahre immer die gleichen geblieben", sagt Regina Raderschall und bügelt gleich mal.

An der Wand leuchten Bilder von Bügel-Absonderlichkeiten auf - bügeln beim Jet-Ski-Fahren, unter Wasser, beim Fallschirmsprung. Alles nichts für den Hausgebrauch, aber irgendwie ein Zeichen dafür, dass dieses Thema viele fasziniert. Wohl auch, weil es keine Alternative gibt - außer, man setzt auf Knitterlook. Während die Autorin ihre erste Geschichte von Friedhelm liest, der bei zwei Frauen aufwächst und sein Leben in Frauenkleidern selbst beendet, wird an allen vier Stationen fleißig gebügelt. Die beiden Künstlerinnen sind selbst erstaunt über die Eigendynamik, die ihre Aufforderung, doch einfach zu bügeln, entwickelt. Einige Besucher sind Seminarteilnehmer, wie die Frauen und Männer der Landjugend. Sie holen extra noch Bügelwäsche aus den Zimmern.

Alexandra Karrasch, die in London studierte und viel im Ausland weilte, führt indes in die Welt der Oberflächen ein. Sie lote gern aus, verändere Oberflächen und wolle die Vorstellungskraft der Betrachter anregen, sagt sie. Und zeigt über den Beamer in einem kleinen Film eine Installation, bei der sie ein Gefäß mit zuvor in der Umgebung eingesammelten Spinnweben "verschlossen" hat. Der Luftzug bewegt den "Deckel". In einer Kuchenform hat sie auf eine Wasseroberfläche Graffiti-Pulver gestreut. Die Gäste sollen leicht darüber blasen und schon ändert sich die Struktur. Sie finde das spannend und ist überzeugt, dass es unzählige Eindrücke in jedermanns Umgebung gibt, die nur wachgerufen werden wollen.

Mitunter unterbrechen Lacher aus der Runde die Erläuterungen und Geschichten. Wenn etwa ein offensichtlich zum ersten Mal an einem Bügelbrett stehender Herr sein fertiges "Kunstwerk" präsentiert oder Tomasz Holynski aus Gorzow den perfekt gebügelten Rock hochhält. "Das ist in Ordnung", sieht es Regina Raderschall. "Wir wollten dieses Miteinander, da ergeben sich auch spontane Momente." Sie verzichtet sogar auf eine ihrer Geschichten, um mehr Raum zu lassen für den Smalltalk. Am Ende sind sich alle einig: Es gab was zu sehen, zu hören und es wurde gebügelt. Man darf auf Fortsetzungen gespannt sein.

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