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Temnitzer Widerstand wächst

Bereits bebaut: Zwischen Wildberg und Ganzer stehen schon Windräder. Sie wurden aber beim neuen Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft nicht berücksichtigt
Bereits bebaut: Zwischen Wildberg und Ganzer stehen schon Windräder. Sie wurden aber beim neuen Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft nicht berücksichtigt © Foto: MZV/Ellfeldt
Judith Melzer-Voigt / 06.03.2014, 18:15 Uhr
Wildberg (MZV) Wie groß der Unmut über neue Windräder in der Temnitzregion ist, zeigte sich am Mittwochabend in Wildberg: Ortsvorsteher Ulrich Jaap und einige Mitstreiter hatten zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen Windkraft eingeladen. Gekommen waren mehr als 50 Temnitzer.

Dass sogar noch mehr Menschen hätten erreicht werden können, zeigte sich bereits nach wenigen Minuten. Denn Jaap und seine Helfer hatten die Einladungsflyer lediglich in Wildberg, Rohrlack, Vichel, Garz, Manker, Küdow-Lüchfeld und Kerzlin verteilt. An diesem Abend sollte es darum gehen, eine Bürgerinitiative (BI) zu gründen, die sich gegen das Vorhaben der Regionalen Planungsgemeinschaft stellt, die ein Windeignungsgebiet nahe Wildberg ausweisen möchte. Doch schnell wurde klar: Eigentlich muss der Widerstand auf viel breitere Füße gestellt werden.

Seit Herbst ist auch öffentlich bekannt, dass das Areal nahe Wildberg ausgewiesen werden könnte. In einem kleinen Kreis, zu dem auch Ulrich Jaap gehört, wurde anschließend die Gründung der BI "Keine neuen Windräder in der Temnitzregion" vorbereitet, die am Mittwoch ohne viel Aufwand über die Bühne ging. "Ich denke, viele möchten hier keine neuen Windräder haben", sagte er am Mittwoch. Er war sich unsicher, ob eine Bürgerinitiative sehr viel ausrichten kann. "Aber wir müssen es wenigstens versuchen." In der Temnitz-Region werde Energie erzeugt, die vor Ort noch nicht einmal verbraucht wird. "Und wir wollen nicht Energieland für Süddeutschland sein", so Jaap. Er gab auch zu bedenken, dass in den jetzigen Entwürfen der Regionalen Planungsgemeinschaft bereits bestehende Windkraftanalgen - wie die in Dabergotz oder nahe Ganzer - gar nicht enthalten sind. "Wir müssen uns organisieren und der Planungsgemeinschaft mit schlagkräftigen Argumenten imponieren", so Jaap. Unter anderem eine Unterschriftenaktion sei geplant.

Unterstützung bekam Jaap an diesem Abend nicht nur von Thomas Voigt, dem Bürgermeister von Temnitztal. Mit ihm auf dem Podium saßen auch Bernd Werner aus Wildberg und Michael Zajonz aus Garz. Bernd Werner hatte schon im Vorfeld der Veranstaltung Fragen an die Regionale Planungsgemeinschaft ausgearbeitet. "Eine BI ist gut und schön, Unterschriftenaktionen sind auch gut und schön, aber wir müssen Nägel mit Köpfen machen", sagte er. In seinem Katalog geht es unter anderem darum, dass im Amt Temnitz jetzt schon 2,8 Prozent der Fläche zur Gewinnung von erneuerbaren Energien genutzt wird - nötig wären laut Vorgabe des Landes zwei Prozent. Außerdem könne die erzeugte Energie gar nicht ausreichend genutzt werden, da entsprechende Leitungsnetze und Speichersysteme nicht existieren. Werner fragt nach dem Mitbestimmungsrecht der regionalen Parlamente bei der Planungsgemeinschaft und erklärte den Fakt, dass Ostprignitz-Ruppin in der Regionalversammlung jederzeit von Oberhavel überstimmt werden kann. Auch der Wertverlust der Grundstücke und dass die Regionalversammlung keineswegs die Pflicht hat, neue Flächen auszuweisen, spielen bei ihm eine Rolle.

Werner zieht weiterhin in Frage, ob der Artenschutz ausreichend in die Planung einbezogen wurde. Nahe Wildberg seien beispielsweise Großtrappen - eine geschützte Art - gesichtet worden. Zuletzt stellt der Wildberger die Frage, in welchem Umfang - gegebenenfalls finanzieller Art - Windenergie-Firmen Einfluss auf die Regionale Planungsgemeinschaft nehmen. Diverse Schreiben an Landwirte, die ihm vorliegen, würden derartige Vermutungen aufkommen lassen.

Die Fragen und Forderungen von Werner kamen am Mittwoch gut an. Allerdings werden sie nun noch ergänzt durch Punkte, die im Vorfeld ausgearbeitet worden sind. So will die BI konkret fordern, dass keine neuen Windeignungsgebiete in der Region geplant werden. Derzeit in Betracht gezogene Areale sollen nicht bestätigt werden und auch bereits bestehende Eignungsgebiete sollen nicht weiter bebaut werden. Am 13. März will Jaap, der neben Bernd Werner zum Sprecher der BI ernannt wurde, das Anliegen der Temnitzer beim Regionalen Planungsausschuss vortragen. Dieser trifft sich um 13 Uhr in den Räumen der Kreisverwaltung in der Neustädter Straße 14 in Neuruppin.

Außerdem wollen die Engagierten in der BI mehr mit dem Ausschuss "Windenergie, Verkehrssituation, Freiraum" in Temnitzquell zusammenarbeiten. Und die Initiative will sich mit ihrem Kampf gegen weitere Windräder keineswegs nur auf die Region rund um die Gemeinde Temnitztal beschränken - die Forderungen sollen für das gesamte Amtsgebiet gelten. Bei weiteren Treffen sollen auch mehr potenzielle Betroffene angesprochen werden.

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