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B 96-Initiative plant neue Aktionen

Erholungsort mit Hauptstadt-Flair: Hunderte Brummis rollen täglich durch die Fürstenberger Altstadt. Doch das Land verweist auf den Bund, der sich für eine Ortsumfahrung verbindlich bekennen sollte, ehe das Land mit deren Planung beginnt.
Erholungsort mit Hauptstadt-Flair: Hunderte Brummis rollen täglich durch die Fürstenberger Altstadt. Doch das Land verweist auf den Bund, der sich für eine Ortsumfahrung verbindlich bekennen sollte, ehe das Land mit deren Planung beginnt. © Foto: MZV
Thomas Pilz / 13.03.2014, 08:00 Uhr
Fürstenberg (MZV) Wer dicke Bretter bohren muss, sollte wenigstens Spaß dabei haben. So wie die Bürgerinitiative (BI) "B 96 - raus!" in Fürstenberg. Die Akteure einigten sich am Dienstagabend während ihrer jüngsten Stammtisch-Veranstaltung auf einen Mix neuer Protestformen.

Vor allem unterhaltsamer und fröhlicher soll es zugehen, regte BI-Mitstreiterin Ina-Maria Raschen an, mithin anregender, um eine bessere Lobbyarbeit zu gewinnen.

Dafür gewinnen könnte man beispielsweise Schüler, ihren Einfallsreichtum und ihre digitalen Fähigkeiten. Zum Beispiel die Computer- und Video-Arbeitsgemeinschaft der Siemens-Oberschule in Gransee, ergänzte der Fürstenberger Bernd Walczynski. In diese Schule gingen viele Fürstenberger Jugendliche. Und die hätten genaue Kenntnis von den Fürstenberger B 96-Zuständen. Außerdem ließe sich das mit dem Sachverstand der Siemens-AG von Lehrer und Experte Jens Richter-Mendau verbinden, war sich die Runde schnell einig. Denn eines sei Fakt: Die Situation an der Bundesstraße in der Altstadt sei katastrophal. Ein Video zum Beispiel fürs Internet könnte dies sehr eindrucksvoll darstellen.

Doch damit nicht genug: Während des Brandenburger Wasserfestes, einer überregional viel beachteten Veranstaltung könnte die B 96 blockiert werden, um Gäste und Transitreisende auf die Misere in der Wasserstadt aufmerksam zu machen. Raschen regte an, aus der Bundesstraße spontan eine Spielstraße zu machen, die von Familien, vor allem von Kindern bevölkert wird, die die Straße bemalen.

Enttäuscht zeigten sich die BI-Mitglieder, dass am Stammtisch keinerlei Stadtverordnete geschweige denn der Bürgermeister Platz genommen hatten. Umso mehr wurden zwei Politikerinnen begrüßt, die künftig im Land einen gewissen Einfluss haben dürften: die Linke-Politikerin Isabel Vandre, designierte Nachfolgerin von Torsten Krause, und Anke Domscheit-Berg von der Piratenpartei.

Letztere berichtete von familiären Erfahrungen beim Kampf um Ortsumgehungsstraßen. Domscheit-Bergs Mutter nämlich hatte in der Stadt Müncheberg (Märkisch-Oderland) dafür mitgekämpft, dass die Bundesstraße 1, die den Ort zerschnitt, in den Außenbereich verlegt wurde. Mit Erfolg übrigens.

Dass diese Erfolge freilich auf Lobbyarbeit zurückzuführen sind, betonte BI-Sprecher Gerd Palm eindringlich. Es sei beispielsweise geradezu unfassbar, dass das Land nun für den kleinen Ort Thyrow (Teltow-Fläming) eine Ortsumgehung der B 101 plant und baut. Der Ort hat über den Daumen gepeilt 1 200 Einwohner. Laut Land kommt es täglich zu 6 000 Ortsdurchfahrten, davon 600 Lkw. "Das ist viel weniger als in Fürstenberg gezählt wurde, vor allem was den Schwerlastverkehr betrifft", ärgerte sich Palm. Bereits 2009 waren 10 000 Fahrzeuge gezählt worden, davon 1 000 Lkw. "Es werden jetzt bedeutend mehr sein", betonte Palm. Man müsse kein Prophet sein, um den Bau der Ortsumgehung für Thyrow - obgleich die Zustände in Fürstenberg viel schlimmer seien - auf das Wirken der ehemaligen Landes-Verkehrsausschuss-Chefin Cornelia Wehlan (Die Linke) zurückzuführen. Sie stammt aus der Region um Trebbin und ist neuerdings Landrätin von Teltow-Fläming. "Daran sieht man, wie Politik gemacht wird", betonte Palm. Er plädierte dafür, das Land und den Bund weiter schriftlich unter Druck zu setzen. "Reden ist Silber, Schreiben ist Gold", sei die Devise.

Am Freitag um 18.30 Uhr startet an der Ecke Bergstraße/B 96 die nächste Protestdemo. Eingeladen ist unter anderem Uwe Feiler, CDU-Bundestagsabgeordneter und seit Herbst vergangenen Jahres Chef des B 96-Entwicklungsbeirates für den Landkreis Oberhavel.

Jochen Kühn von der BI erklärte, man werde bei der Gelegenheit auch auf ein weiteres drängendes Problem in Zusammenhang mit der Bundesstraße hinweisen: Die Engstelle am Müllerinternat. Die dortige Brücke stammt aus dem Jahr 1927. Sie muss bald saniert werden, werde es aber erst, wenn das Land die Dannenwalder Überführung erneuert hat. Der Fall soll das nächstes Jahr sein. "Wenn die Lkw aus der Stadt kommen, dann wird sie garantiert viel länger halten", erklärte Kühn. Daher bleibe es dabei: Fürstenberg sollte eine Ortsumfahrung erhalten.

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