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Am Observatorium diskutierten Besucher der Ökofilmtour mit dem Klimaforscher Hans von Storch

Provokation aus der tiefgrünen Ecke

Prominenter Gast: Klimaforscher Hans von Storch (rechts) in der Diskussion mit Frank Beyrich vom Observatorium.
Prominenter Gast: Klimaforscher Hans von Storch (rechts) in der Diskussion mit Frank Beyrich vom Observatorium. © Foto: MOZ
Ina Matthes / 28.03.2014, 22:36 Uhr - Aktualisiert 31.03.2014, 08:57
Lindenberg (MOZ) Klimaschutz zerstört die Umwelt mitunter mehr als der Klimawandel. Das ist die Botschaft des Filmes "Climate Crimes", der am Donnerstag vor vollbesetztem Haus zur Ökofilmtour im Oberservatorium in Lindenberg gezeigt wurde. Autor Ulrich Eichelmann hat sich Klimaschutzprojekte in der Türkei, Brasilien, Indonesien und auch Deutschland angeschaut. Er dokumentiert, wie zum Beispiel Stauseen Lebensräume von Menschen und Tieren sowie Kulturgüter vernichten, wie Maisanbau für Biogasanlagen in Deutschland Artenvielfalt zerstört und Milchbauern abhängig macht von Sojaimporten.

Für die anschließende Diskussion hatten sich die Veranstalter von Wettermuseum und Richard-Aßmann-Observatorium einen prominenten Klimaforscher eingeladen - Hans von Storch. Moderator Bernd Stiller vom Wettermuseum stellte den Hamburger als einen "Pionier der Klimamodellierung" vor. Der Küstenforscher gilt als "Klimarealist", der wiederholt die Dramatisierung von Ergebnissen der Forschung kritisiert hat.

Die rege Diskussion zum Film drehte sich vor allem um eine Frage - welchen Preis wollen wir für Klimaschutz zahlen?

"Der Film ist ein interessanter Diskussionsbeitrag aus der tiefgrünen Ecke", sagte von Storch, "eine interessante Provokation." Der Streifen zeigt die Schäden, die Stauseen anrichten, blendet aber den Nutzen für die Menschen in Gebieten mit schlechter Infrastruktur völlig aus. So kam im Publikum auch die Frage auf, ob der Westen das Recht habe, solche Projekte in Ländern zu kritisieren, die den Anschluss suchen an hiesige Lebensstandards.

Von Storch machte deutlich, welche Unsicherheiten es in der Forschung gibt. Dass die Erderwärmung in den letzten Jahren kaum stieg, hätten die Klimamodelle nicht vorhergesehen. "Die Wissenschaft kann auch keine schlußendlichen Wahrheiten verkünden, denen die Politik folgen muss." Was mitunter als extreme Folge des Klimawandels wahrgenommen werde - wie die Überflutungen in London - seien zum Teil Managementfehler um Umgang mit Hochwasser. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, mehr in Anpassung an die Veränderungen zu investieren. Keinen Beifall fand die Lösung, die der Film als Ausweg weist: Die Wirtschaft vom Wachstumskurs abbringen und Verzicht üben.

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