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Universität Greifswald stellt hohe Akzeptanz des Naturparks in der Bevölkerung fest

Barnimer lieben ihre Landschaft

Eine Stadt im Naturpark: Biesenthal liegt in der Mitte des Großschutzgebiets. Anwohner wurden dort, aber auch andernorts, nach ihrer Meinung zum Naturpark befragt.
Eine Stadt im Naturpark: Biesenthal liegt in der Mitte des Großschutzgebiets. Anwohner wurden dort, aber auch andernorts, nach ihrer Meinung zum Naturpark befragt. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Olav Schröder / 11.06.2014, 20:30 Uhr
Bernau (MOZ) Wenn die "Sonntagsfrage" nicht der Zusammensetzung des Bundestags, sondern dem Naturpark Barnim gelten würde, wären mehr als 80 Prozent der Bewohner für dessen Fortbestand. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen Bevölkerungsbefragung der Universität Greifswald.

Nicht die Ansichten von Wanderern, Erholungssuchenden oder Naturfreunden hatte Professorin Susanne Stoll-Kleemann im Auge, als sie die Befragung mit Studenten durchführte, sondern die Meinung der Bevölkerung ab 18 Jahre, die in den Dörfern und Städten des Naturparks lebt. In dem Fazit der Studie unterstreicht sie noch einmal die große allgemeine Zustimmung, auf die der Naturpark in den bis zu einstündigen Interviews mit Anwohnern gestoßen ist: Rund 90 Prozent der Befragten sehen sich in ihrem Alltag durch den Naturpark nicht eingeschränkt. Und in den Fällen, in denen zum Beispiel eine eingeschränkte Freizeit- oder Wegenutzung kritisiert wird, seien diese vielfach nicht auf den Naturpark, sondern auf andere Vorschriften zurückzuführen. Hierin sieht sie zugleich eine Aufgabe für die Naturparkverwaltung, noch stärker über die Arbeit und die Projekte im Naturpark zu informieren.

Bei diesem Ergebnis ist es kein Wunder, dass Peter Gärtner, der Chef der Barnimer Naturparkverwaltung, von dem Ausmaß der Zustimmung positiv überrascht ist, wie er sagt. Denn bei den beiden großen Projekten des Naturparks - die Renaturierung der Moore im Biesenthaler Becken und die Beweidung der Rieselfeldlandschaft bei Hobrechtsfelde - gab es auch kritische Stimmen. So wurden Durchfeuchtungen von Grundstücken im Bereich Biesenthal durch die Vermoorung befürchtet oder Veränderungen bei Reitwegen in Hobrechtsfelde beklagt. "Bemerkenswert" findet Gärtner darüber hinaus, dass 55 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass für die Natur und Landschaft im Barnim zu wenig unternommen wird.

Susanne Stoll-Kleemann bezeichnet diese Einstellung als "sehr anspruchsvoll". Sie forscht seit rund zwei Jahrzehnten über Großschutzgebiete und hält fest, dass es zwar zahlreiche Forschungsprojekte gebe, die ökologische Fragen untersuchen. Dagegen existierten aber nur vereinzelt Erhebungen, die die sozialen, kulturellen, politischen oder ökonomischen Auswirkungen eines Schutzgebietes erforschen.

Natur und Landschaft spielen im Barnim auch eine herausragende Rolle, wenn es um die Verbundenheit der Bevölkerung zu ihrer Region geht. So wurde in der Befragung festgestellt, dass für 84 Prozent der Bevölkerung die Nähe zu. Familie und Freunden"wichtig" für ihre Verbundenheit mit der Region ist. Für 94 Prozent aber sind die Natur und die Landschaft in diesem Punkt entscheidend. Am meisten Wert wird dabei auf die Wälder mit Seen und Fließgewässern gelegt. Erst dahinter rangieren in der Bewertung der Befragten Pflanzen und Tiere sowie noch einmal abgestuft Schloss- und Parkanlagen.

Wenn auch der Begriff "Naturpark Barnim" vielen vertraut ist, so sind doch die Aufgaben eines Naturparks nicht jedem klar. In erster Linie wird an den Naturschutz gedacht. Die Förderung eines nachhaltigen Tourismus und der Entwicklung einer Region sowie der Umweltbildung - alles drei ausgewiesene Zielsetzungen für einen Naturpark - werden kaum genannt. Das Engagement in diesem Bereich, so Susanne Stoll-Kleemanns Empfehlung, sollte deutlicher gemacht werden. Dass das Barnim-Panorama in Wandlitz als Informationszentrum nur jedem vierten Anwohner bekannt ist, dürfte am Zeitpunkt der Befragung liegen. 2012 war das neue Gebäude noch im Bau.

Zur Methode der Studie: Zwei Mitarbeiter des Lehrstuhls für Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geographie der Universität Greifswald sowie 16 Studenten befragten im Oktober 2012 innerhalb von drei Tagen 118 Bewohner aus Siedlungen mit 100 bis 1000 Einwohnern beziehungsweise mit über 1000 Einwohnern, stichprobenartig ausgesucht. Bei einem Teil der insgesamt 31 Fragen wurden die Antwortmöglichkeiten vorgegeben, bei anderen waren die Antworten frei zu formulieren. Damit Anwohner, die dem Naturpark kritisch gegenüberstehen, bei der Befragung nicht sofort abwinken, sprachen die geschulten Interviewer zunächst von einer Umfrage zur Region, Natur und Landschaft.

Finanziell unterstützt wurde die Studie von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg.

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BI "Hände weg vom Liepnitzwald" 12.06.2014 - 20:37:13

Akute Probleme wurden ausgeblendet - leider!

Richtig ist, die Barnimer und Ihre Gäste lieben diesen Landstrich sehr. Sie leiben ihn so sehr, dass Sie sich vehement gegen die Aufstellung von eben diese Landschaft zerstörende Windparks, wie im Buchenmischwald am Liepnitzsee geplant, seit Jahren wehren. Es ist diese Vorstellungen der Regionalversammlung aus Mitgliedern der Parteien des Kreistages, die so etwas als Planziel vorgegeben hat und wir wehren uns nach Kräften. Wir fordern: Keine Windräder in die Barnimer Wälder! Keine Windräder in die Landschafts- und Naturschutzgebiete unserer schützenswerten, lebensfreundlichen Heimat! Wehrt Euch dagegen und schreibt Eure Widersprüche zum Regionalplanentwurf bis Ende des Monats Juni an die Regionalplanung in Eberswalde und deren Chef Landrat Ihrke auf. Vergesst es bitte nicht vor lauter Fußball!

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