Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Am Sonnabend eröffnete Ausstellung in der Eremitage in Gransee befasst sich mit zirzensischen Szenen aus mehreren Jahrhunderten

Manege frei dank Sammelleidenschaft

Mögen den Zirkus: Roland Berger (links) und Dietmar Winkler ermöglichen Einblicke in ihre Sammlung.
Mögen den Zirkus: Roland Berger (links) und Dietmar Winkler ermöglichen Einblicke in ihre Sammlung. © Foto: MZV
Sabine Slatosch / 30.06.2014, 04:31 Uhr
Gransee (MOZ) Hin und wieder gastiert in Gransee auf dem Platz der Jugend ein Zirkus. Es sind meist Familienunternehmen, die über mehrere Generationen auch heute noch kleine und große Leute verzaubern. Jongleure, Akrobaten, Artisten, Clowns, Zauberer und nicht zuletzt Tierdressuren lassen viele Augen ganz groß werden.

Faszination und Sehnsucht beflügeln die Phantasie. "Bilder vom Zirkus" zeigt nun unweit des Platzes die Galerie Eremitage in der Mauerstraße. Am Sonnabend wurde die Ausstellung mit einer Laudatio von Prof. Dr. Roland Berger eröffnet.

"Wer sich nichts daraus macht, in den Zirkus oder in das Theater zu gehen, ist weder Christ noch Heide, sondern ... ein Idiot!" Mit diesem Zitat von George Bernhard Shaw bekannte Berger: "Wir sind keine Idioten, vielmehr Freunde der zirzensischen Kunst". Wir, das sind Dietmar Winkler und Roland Berger. Beide sammeln seit Jahrzehnten graphische Blätter zum Thema Zirkus. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl. Von 45 Künstlern ist jeweils ein Werk zu sehen. Es sind Linolschnitte, Radierungen, Lithographien, Holzschnitte, Monotypien, Siebdrucke, Tuschezeichnungen. Die älteste Arbeit ist eine Zirkusszene von Henri Toulouse-Lautrec aus dem Jahr 1899. Von Inge Jastram stammt das jüngste Blatt von 2002 "Zwei Clowns". Neben der Vielfalt der druckgraphischen Techniken sowie der künstlerischen Handschriften sind die Wahrnehmung von Zirkusszenen und deren facettenreiche bildnerische Umsetzung beeindruckend. Die Aktion in der Manege - anmutig, witzig oder auch gefährlich - ist oft Metapher für Spannungen, Brüche, Stimmungen und Gratwanderungen in der jeweiligen Gesellschaft. Melancholische Clowns, Tänzer auf dünnem Seil, auf dem Kopf stehende oder nahezu kopflose Artisten und Tierbändiger, im Chaos fröhlich auf einer Stange in den Abgrund des Rondells tappende Tierchen. "Die Wirklichkeit des Lebens zeigt sich zirzensisch verfremdet und wirkt auf andere Künste ungeheuer anregend, nachdenklich, symbolisch und lebensbejahend, manchmal auch alternativ", so Berger.

Er habe schon immer Grafik gesammelt, bekannte der Professor. Über den unter Künstlern üblichen Tausch von Neujahrsgrafiken seien etliche Kontakte entstanden, die seine Sammlung bereicherten. Bergers künstlerische Abschlussarbeit für das Diplom an der Humboldt-Universität zu Berlin war eine Mappe mit Harlekinen. Das Thema begleitet ihn bis heute. Auf zwei Blätter aus seiner Sammlung ist er besonders stolz: "Der Zauberer" von Gustav Seitz und eine Lithographie von Marcel Marceau mit zwei Löwen und einem geflügelten Dompteur.

Über ihre Ehefrauen lernten sich Roland Berger und Dietmar Winkler kennen. Dessen Leidenschaft für das fahrende Volk begann in seiner Kindheit im Erzgebirge, als die Zirkusse über die Dörfer zogen. Heute hat er zusammen mit seiner Frau Gisela ein großes Zirkus-Archiv mit 7000 Bänden, Fotos, Plakaten und der Grafik-Sammlung, die aus etwa hundert Blättern besteht. Bei einem ihrer "berühmten Kaffee-Trinken" fragten sich die beiden Sammler, was sie aus dem angehäuften Zirkus machen könnten. Da Gisela Winkler Lektorin für Unterhaltungskunst beim Henschel-Verlag war, lag es nahe, ein Buch herzustellen. Es entstand "Zirkusbilder - Zirkus in der Bildenden Kunst", das sowohl in der DDR als auch in der BRD erschien. Winklers Favorit ist der gelbe Löwe von Hans Ticha, "weil das Ganze ein bisschen Witz hat und der Dompteur relativ kopflos ist". Welche Episoden mit der Sammlerleidenschaft verbunden sind, wollen Berger und Winkler am 13. September, dem Tag des offenen Denkmals und der offenen Druckwerkstatt, zum Besten geben. Dann wird auf der roten Couch der Galerie aus dem Nähkästchen geplaudert.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG