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Pfarrer Thomas Brilla muss St. Michael verlassen und zieht ins südbrandenburgische Ortrand

"Werneuchen ist meine Heimat geworden"

Abschied: Thomas Brilla packt in diesen Tagen die Umzugskisten. Seine bisherige Wirkungsstätte St. Michael verlässt er nur ungern. Er wäre gerne noch geblieben, sagt der 52-Jährige.
Abschied: Thomas Brilla packt in diesen Tagen die Umzugskisten. Seine bisherige Wirkungsstätte St. Michael verlässt er nur ungern. Er wäre gerne noch geblieben, sagt der 52-Jährige. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Kai-Uwe Krakau / 28.07.2014, 06:50 Uhr
Werneuchen (MOZ) Die Christen von Werneuchen hätten ihn gerne noch länger behalten - doch Pfarrer Thomas Brilla muss nach zehn Jahren seine Gemeinde verlassen. So sieht es eine Regelung der Landeskirche vor. Neue Wirkungsstätte des Seelsorgers ist das südbrandenburgische Ortrand.

Die Kisten sind gepackt, letzte Absprachen getroffen und auch der Abschiedsgottesdienst in St. Michael ist gehalten - in dieser Woche zieht Thomas Brilla nun um. Dass er das nicht gerne tut, gibt der 52-Jährige offen zu."In unserer Landeskirche ist das eben so", sagt Brilla etwas traurig. Er meint damit eine Reglung, die es vorsieht, dass Pfarrer nach zehnjähriger Tätigkeit die Gemeinde wechseln. Zwar gibt es die Möglichkeit einer Verlängerung, dafür müssen sich aber die Gemeindekirchenräte, das Leitungsgremium des Kirchenkreises, der Superintendent sowie der Generalsuperintendent aussprechen. Alle vier Gemeindekirchenräte - Brilla war auch für Seefeld, Krummensee und Löhme zuständig - hatten einem weiteren Verbleib zwar zugestimmt, der Gemeindekirchenrat Werneuchen sogar einstimmig. Auf höherer Ebene hatte Brilla die Fürsprecher offenbar nicht.

"Eine sinnlose Regelung" sei das, findet Brilla. In größeren Städten könne man vielleicht so verfahren, im ländlichen Bereich jedoch nicht. "Es braucht lange, bis man das Vertrauen der Menschen hat", weiß Brilla aus Erfahrung. Die Begründung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, mit dem Pfarrerwechsel die Gemeindearbeit verbessern zu wollen, lässt Brilla nicht gelten. Als Beispiel nennt er Beiersdorf im benachbarten Landkreis Märkisch-Oderland. Dort habe es seit 1990 schon vier Pfarrer gegeben, besser wurde es nicht unbedingt. "Das ist absurd", sagt Brilla.

Auch wenn es "nur" zehn Jahre in Werneuchen waren, bewirkt hat der 52-Jährige durchaus etwa. So fanden zuletzt doch wieder mehr Frauen und Männer den Weg in die Gottesdienste, auch wenn der Nachwuchs weiterhin fehlt. Doch einen Lichtblick gibt es auch dort: um die fünf Taufen konnte er jährlich verzeichnen. Bei seinem Amtsantritt war es höchstens eine gewesen. "Wenn die Kinder größer werden, kommen sie vielleicht auch zur Konfirmation", hofft Brilla. Derzeit erleben nur etwa zwei junge Menschen diese christliche Form der Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen.

Die sonntäglichen Zusammenkünfte in St. Michael hat Brilla für die insgesamt rund 750 Gemeindemitglieder moderner gestaltet. Gospels waren im Gotteshaus zu hören, aber auch Taizeh-Gesänge. Theateraufführungen kamen einmal jährlich hinzu. Dann war "Märkisch Hoffnungsland", eine Gruppe aus Bad Freienwalde, zu Gast. Den Zuschauern gefiel´s offenbar, die Besucherzahlen stiegen kontinuierlich an. Darüber hinaus fanden auch Andachten für Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige im Diakoniezentrum Werneuchen statt. In den Dörfern gab es dagegen nur wenige Kirchgänger, dort war Brilla nur einmal im Monat anzutreffen.

Besonders stolz ist der scheidende Pfarrer auch auf den Chor. "Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten Jahren verdoppelt", freut er sich. Die 15 Männer und Frauen kommen regelmäßig zu Proben zusammen und treten natürlich auch zu besonderen Gottesdiensten auf. Zum diesjährigen 250. Geburtstag des berühmtesten Sohnes Werneuchens, des Dichterpfarrers Schmidt, hatte sich das Ensemble ein besonderes Projekt ausgedacht. Der Chor trug anlässlich des Festgottesdienstes einige vertonte Gedichte vor.

Auch bauliche Maßnahmen fielen in die Amtszeit von Thomas Brilla, obwohl es nicht immer leicht fiel, diese zu finanzieren. "Mein Vorgänger hat uns leider viele Schulden hinterlassen, die wir immer noch abtragen müssen", sagt Brilla. Trotzdem war es möglich, im Jahr 2007 eine elektrische Orgel anzuschaffen. Dadurch konnten in St. Michael überhaupt erst wieder Konzerte durchgeführt werden. Auch die Kirchturmuhr wurde saniert, ebenso wie die Glockenanlage.

An anderen Gotteshäusern, die zur evangelischen Gemeinde Werneuchen gehören, konnte dagegen bisher kaum etwas gemacht werden. Dies solle und müsse aber nachgeholt werden, so der Pfarrer. So seien in Seefeld und Löhme dringende Sanierungen erforderlich, die benötigten Fördermittel sind beantragt. Aber auch die Hauptkirche kann eine Verschönerungskur durchaus vertragen. Dafür müssten die Gelder aber noch einige Jahre angespart werden, so Brilla.

Insgesamt drei künftige Pfarrstellen konnte sich der 52-Jährige aussuchen. Die Wahl fiel schließlich auf das südbrandenburgische Ortrand. Eine Kleinstadt wie Werneuchen, sagt Brilla. Das gefalle ihm. Die sächsische Metropole Dresden - das deutsche Elbflorenz - ist nicht weit entfernt. Der Gemeindekirchenrat in Ortrand sei ziemlich rührig, hat Brilla überdies schon in Erfahrung gebracht. Und ein kleines "Geschenk" gibt es an seinem neuen Wohnort für den Pfarrer auch. Die Kirche beherbergt nämlich eine Silbermann-Orgel, für einen Liebhaber der "Königin der Instrumente", wie es Brilla ist, schlägt da das Herz höher.

Die Gottesdienste und die kirchliche Arbeit wird zwischenzeitlich Pfarrerin Jutta Biering-Sieberhein aus Beiersdorf übernehmen. Die vakante Stelle sei jedoch attraktiv und werde sicher bald besetzt werden, sagt Brilla und kann dabei ein bisschen Verbitterung über den plötzlichen Abschied kaum verbergen. "Werneuchen ist meine Heimat geworden".

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz verteidigt dagegen die Zehn-Jahres-Regelung. Sie sei 2004 eingeführt worden, um "die Perspektiven eines Pfarrers in einer Stelle noch einmal überdenken zu können", sagt die stellvertretende Pressesprecherin Heike Krohn. Wenn alle Gremien zustimmten sei auch eine Verlängerung möglich, ab dem 47. Lebensjahr des Pfarrers - dies wäre bei Brilla so - auch unbefristet. "Es besteht keine Absicht, das Gesetz zu ändern", so Krohn weiter. Nach ihren Angaben gibt es eine ähnliche Regelung auch in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

In Ortrand wird Thomas Brilla auch wieder - wie in Werneuchen - seinem geliebten Hobby nachgehen können. Engagierte Konfirmanden und Gemeindemitglieder nahm er manchmal in seinem Ultraleichtflugzeug mit in die Höhen und ermöglichte ihnen so einen Blick auf die Wälder, Felder und Seen ihrer Heimat.

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