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Weg mit der verlockenden Gefahr

Verwunschene Flecken gibt es auf dem Fliegerhorst.
Verwunschene Flecken gibt es auf dem Fliegerhorst. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 05.08.2014, 22:31 Uhr - Aktualisiert 11.08.2014, 17:19
Alt Daber (MZV) Der gefährliche Munitionsschrott; tief ins Erdreich ragende, offene Löcher einer alten Kanalisation; einsturzgefährdete Häuser: Eigentlich dürfte sich keiner auf dem Gelände des alten Fliegerhorstes in Alt Daber aufhalten. Und doch herrscht seit Dienstag emsige Geschäftigkeit: 23Gebäude werden abgerissen.

Es ist ein Mammutprojekt, das 20 Jahre nach dem Abzug der Roten Armee in Angriff genommen werden kann. Möglich macht das nicht nur die Millionenförderung des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (Efre). Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat eine große Summe vorgestreckt, um Umweltgutachten vorlegen zu können, Straßen für Abrissbagger zu bauen und das seinerzeit verbaute Material analysieren zu lassen. Heute verbotene Baustoffe wie das feuerfeste, aber Krebs erregende Asbest kann nun fachgerecht entsorgt werden.

Zum Teil liegt es bereits herum, da alle Häuser in einem höchst bedenklichen Verfallszustand vor sich hin rotten.Wer sich aufs Gelände verirren sollte, läuft noch Gefahr, dass der gefährliche Asbeststaub an Schuhen kleben bleibt, ins Auto oder mit nach Hause geschleppt wird, gibt Planungsleiter Michael Müller zu bedenken. Nach dem Abriss wird es diese Gefahr nicht mehr im jetzigen Ausmaß geben.

Dass Brandstifter, illegal Müllabladende und Metalldiebe nach Alt Daber stromern wie zu einem Abenteuerspielplatz, ist nicht zu übersehen: Dort ein grün überwucherter Ofenkachelhaufen, hier wild umher liegende Autositze; dann die schwarzen, mürben Spuren von Bränden an Dachbalken, die die Feuerwehr immer wieder löschen musste; und in einem Haus ein Treppengeländer, stählern und verbogen. "Kaum zu fassen, dass es das hier noch gibt", stellte Stadtbauamtsleiter Dieter Herm fest. "Das haben die Metalldiebe wohl nicht aus der Verankerung reißen können."

Die Stadt Wittstock ist froh, dass die Gebäude jetzt verschwinden. Sie hat schon jahrelang dafür gekämpft, ist aber eben nicht Eigentümer und musste darauf hoffen, dass die Bima Fördermittel abgreifen kann - so, wie jetzt geschehen: Endlich, dürfte man in Wittstock sagen. Doch nur 23 Gebäude neuerer Bauart wird man mit dem Geld abreißen können, 1,4 MillionenEuro Fördermittel sind nicht viel. Und auch die Bima hat als öffentlich finanzierte Einrichtung nur ein begrenztes Budget.

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Die massiven, mehrstöckigen Gebäude, die bereits vor 1945 entstanden sind, werden stehen bleiben müssen. Deren Abriss würde ein Mehrfaches von dem kosten, was jetzt ausgegeben wird, gibt Reinhold Arnoldi von der Bima zu bedenken.

Derzeit zielt die Planung für Alt Daber ohnehin darauf ab, dass die Natur wieder Einzug halten kann. Nicht zuletzt deshalb werden nicht alle Gebäude, die weg könnten, abgerissen. Eines bleibt ganz bestehen, bei einem anderen die Unterkellerung. Der Grund: Fledermäuse haben die Orte für sich entdeckt. Diese geschützten Tiere sollen sich weiterhin dort wohlfühlen, wo Wehrmacht und Rote Armee eine kleine, aber nicht mehr nötige Stadt errichtet hatten.

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