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Berührende Klänge für individuelles Gedenken

Einstimmige Siegerin: Der Stelen-Entwurf von Eva Susanne Schmidhuber überzeugte die Jury.
Einstimmige Siegerin: Der Stelen-Entwurf von Eva Susanne Schmidhuber überzeugte die Jury. © Foto: Dagmar Möbius
Dagmar Möbius / 13.10.2014, 07:00 Uhr - Aktualisiert 13.10.2014, 21:33
Oranienburg (MZV) 27 Edelstahlstangen bewegen sich im Wind oder bei Berührung. Sie tragen die Namen der 24 deutschen und drei französischen Widerstandskämpfern, die am 11. Oktober 1944 ermordet wurden. Zur außergewöhnlichen Gedenkveranstaltung am Sonntag kamen viele Angehörige ehemaliger Sachsenhausen-Häftlinge.

"Die Ermordung der 27 Widerstandskämpfer hat tiefe Spuren hinterlassen", sagt Professor Günther Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. "Sie markiert den Beginn einer Phase, in der Tausende ermordet wurden." Vor 40 Jahren hatte die "Amicale francais" 27 Birken an der Baracke 58 gepflanzt. Im Rahmen der Neugestaltung von Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen entschloss sich die Stiftung, die Fundamente der Baracken zu kennzeichnen und nichtauthentische Bäume zu entfernen. Für die Hinterbliebenen keine einfache Entscheidung. "Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis", richtet Morsch das Wort an die zahlreich erschienenen Angehörigen und lobt das moderne, zeitgemäße Denkmal, das die Gruppe der Widerstandskämpfer und Ermordeten als Individuen sieht. Gestiftet wurde die im Bereich der ehemaligen KZ-Kommandantur aufgestellte Stele vom deutschen Sachsenhausen-Komitee und der französischen Amicale.

"Am 27. März 1944 entdeckte die SS im KZ Sachsenhausen, dass der Häftling Friedrich Büker Radio Moskau abhörte und die Nachrichten auf Flugblättern verteilte", erinnert Andreas Meyer, seit 16 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Sachsenhausen-Komitees in Deutschland. Daraufhin versuchte eine Sonderabteilung des Reichssicherheitshauptamtes mit Verhören und Spitzeln, die internationale Widerstandsorganisation im Lager zu zerschlagen. Obwohl innerhalb eines halben Jahres lediglich eine Solidaritätsaktion deutscher Kommunisten nachgewiesen werden konnte, sollten 27 Häftlinge vor allen Lagerinsassen erhängt werden. Aus Angst vor Unruhe wurde der Plan jedoch geändert und 24 deutsche und drei französische Häftlinge am Abend des 11. Oktober 1944 nach dem Zählapppell in der "Station Z" erschossen. 102 weitere Häftlinge wurden am 20. Oktober in das KZ Mauthausen abgeschoben.

"Mit der Stele geben wir den Opfern ein Stück Identität zurück", so Meyer. "Wir wollen, dass auch weiterhin gedacht, gemahnt, erinnert wird. Der authentische Ort soll nicht nur Friedhof und Mahnmal sein, sondern auch Lernort." Ursprünglich als Gedenktafel gedacht, könne er mit der Stele nun aus vielen Jahren Arbeit auch "etwas Bleibendes hinterlassen". Lucienne Gouffant von der französischen "Amicale des anciens déportés du camp de concentration d´Oranienburg-Sachsenhausen" dankt allen sichtlich bewegt für die außergewöhnliche Feierstunde.

Die im Mai 1943 geborene Josette Vialette, Tochter des Ermordeten André Bergeron, lernte ihren Vater nie kennen. Aus Berichten weiß sie, dass er ein "stählerner Charakter" und solidarischer Mensch war, der im Lager Sachsenhausen sogar einen Chor gründete, um die Verfassung der Häftlinge zu bessern. "Mein Vater hat für Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit gekämpft. Der Frieden ist auch heute noch sehr vergänglich", sagt sie. "Aber heute ist mein Herz nicht nur voller Traurigkeit, sondern auch voller Zufriedenheit." Christiane Giffard wurde 1932 geboren. Ihr Vater Emile Robinet war aktiver Gewerkschafter, der nach einer Denunziation wegen deutschlandfeindlicher und geheimdienstlicher Aktivität verhaftet und nach langer Leidenszeit in französischer Haft nach Sachsenhausen gebracht wurde. Was mit ihrem Vater konkret passierte, erfuhr sie erstmals 1984 bei einer Gedenkreise. "Mögen die 27 Namen rehabilitiert werden. So etwas darf es nie wieder geben."

"Im Rahmen des für dieses Projekt ausgeschriebenen Wettbewerbs waren viele Gespräche und die Auseinandersetzung mit den Geschichten der Häftlinge erforderlich", sagt Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Weißensee. Sieben Studierende aus Brasilien, Deutschland, Thailand und Südafrika reichten Entwürfe für die Aufgabe, wie zeitgenössische Kunst dem grauenvollen Erleben begegnen kann, ein. Die Jury unter Vorsitz von Professor Günter Morsch entschied sich im Januar 2014 einstimmig für den Entwurf von Eva Susanne Schmidhuber. Die 29-jährige gebürtige Straubingerin absolviert momentan ihren Master im Fach "Raumstrategien - Kunst im gesellschaftlichen Kontext". "Es war mir wichtig, persönlich auf jeden Einzelnen einzugehen und das Schreckliche mit etwas Positivem zu verbinden. Man kann Kraft schöpfen, und durch die erzeugten Klänge bekommt die Erinnerung etwas Aktives", erklärt die Kulturwissenschaftlerin

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