Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jugendamt Oder-Spree stellt regionales Netzwerk vor

Hilfe statt Strafe in Sachen Kinderschutz

Jörg Kühl / 02.12.2014, 21:06 Uhr
Beeskow (MOZ) Das Jugendamt Oder-Spree verbessert gemeinsam mit sozialen Einrichtungen, Behörden und Verwaltungen die Vorbeugung gegen Kindeswohlgefährdung. Zu diesem Thema fand erstmals eine gemeinsame Konferenz statt.

Kindeswohlgefährdung ist ein abstrakter Begriff. Und doch verbergen sich dahinter konkrete Schicksale, die überall anzutreffen sind, auch in Oder-Spree. 2012 wurden 313 Kindeswohlgefährdungen bestätigt, 2013 waren es 262. Am auffälligsten werden Verstöße gegen das Kindeswohl, wenn entsprechende eklatante Fälle, etwa Missbrauch oder andere Fälle körperlicher Gewalt, in den Medien auftauchen.

Doch das Kindeswohl könne bereits gefährdet sein, wenn mangelnde Fürsorge festzustellen ist, Aufsichtspflichten verletzt sind, oder Schule geschwänzt wird. Alles Phänomene, die für sich genommen noch keine Straftaten seien: "Man darf ein bestimmtes Problem nicht für sich alleine sehen. In den schlimmen Fällen potenzieren sich mehrere Faktoren", stellt der Leiter der Jugendamtes, Martin Isermeyer fest. Dazu zählt beispielsweise Überforderung alleinerziehender Elternteile, erdrückende Armut, Krankheit, soziale Isolation, fehlendes Wissen und andere Benachteiligungen. Leidtragende sind allzuoft die Schutzbedürftigsten der Gesellschaft.

Damit es gar nicht erst nicht zum Äußersten kommt, will das Jugendamt künftig stärker im Vorfeld arbeiten. Die gesetzliche Grundlage für die Neuausrichtung ist das Bundeskinderschutzgesetz, das seit 1. Januar 2012 inkraft ist. "Wir wollen weg vom Image der reinen Interventionsbehörde hin zu einer Einrichtung, die frühzeitig Hilfe anbietet", so umreißt Jeanett Wenk, Kinderschutz-Koordinatorin des Landkreises, die Marschrichtung. Demnach haben die Jugendämter die Aufgabe, alle dafür geeigneten Einrichtungen in der Region miteinander zu vernetzen, und deren Angebote zu koordinieren.

Sylvio Seidel, Direktor des Amtsgerichts Fürstenwalde, begrüßt die Neuausrichtung des Jugendamtes: "Wir als Familienrichter sind leider ganz am Ende der Kette, etwa wenn nur noch der Entzug des Sorgerechts als Maßnahme in Frage kommt. Prävention ist daher ganz entscheidend." Auf der Konferenz wurde eine große Bandbreite sozialer Einrichtungen vorgestellt, die Hilfen für Kinder und deren Eltern anbieten. So gib es ein flächendeckendes Netz von Familien-, beziehungsweise Eltern-Kindzentren: In Storkow, Eisenhüttenstadt, Woltersdorf, Briesen, Beeskow, Fürstenwalde und Schöneiche.

Daneben existieren mehrere Erziehungs- und Familienberatungsstellen: In Erkner, Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt und Beeskow. Schwangerschafts-Konflikt-Beratungsstellen gibt es in Beeskow, Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt und Erkner.

Aufgrund einer hohen Nachfrage wir ab Januar in Eisenhüttenstadt eine zweite Krabbelgruppe gebildet, die von einer Familienhebamme mit spezieller Weiterbildung geleitet wird. Seit November 2013 sind zwei Kinderkrankenschwestern im Kreis beschäftigt, die Familien bei Bedarf aufsuchen. "Die präventiven Angebote sind für alle Bürger da, nicht nur für sogenannte Problemfälle", stellt Sozialdezernentin Ilona Weser klar. "Mit unserem Netzwerk Frühe Hilfen bauen wir eine Brücke und niemand muss sich schämen, diese Brücke zu benutzen", ergänzte Jeanett Wenk.

Weitere Teilnehmer waren unter anderem Landrat Manfred Zalenga, Dagmar Püschel, Bürgermeisterin von Eisenhüttenstadt, Jürgen Huber, Leiter der Polizeiinspektion Oder-Spree sowie Hans Leitner, Fachstelle Kinderschutz.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Kritiker 02.12.2014 - 22:02:18

Kinderschutz oder besser Augen auf

Träumen Sie weiter !!! Es ist schre4cklich alles schön zu reden , wenn dieRealität andes aus sieht. Ich habe mit vielen gesprocfhen , die mit dem ASD Beeskow einfach unzufrieden sind!!! Es geht doch um das Wohl des Kindes und nicht nur um einen erfüllten Versorgungsauftrag oder? Ich bzw wir können nur den Kopf schütteln, wie zum Wohle des einzelnen Kindes entschieden wir oder gehandelt wird - Schutzplangespräch mit sozialen Einrichtungen gleich null!!! Termin mit Herrn Isermaqyer bisher noch nicht erfolgt, da zeitmäßig nicht koordinierbar!!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG