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Interview mit Professor Dr. Albes vom Immanuel Klinikum Bernau zur Hochschulgründung

"Ausbildung gegen Ärztemangel"

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Cornelia Fülling / 13.12.2014, 04:45 Uhr
Bernau (MOZ) Ab dem Sommersemester 2015 ist erstmals ein Medizinstudium in diesem Bundesland möglich. Zu den Trägerkliniken der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane gehört die Immanuel Diakonie GmbH. Wie berichtet, ist am 15. Dezember Bewerbungsschluss. Cornelia Fülling sprach darüber mit Prof. Dr. Johannes Albes, Chefarzt der Herzchirurgie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg.

Herr Professor Albes, seit Jahren machen Sie sich für eine Medizinerausbildung in Brandenburg stark. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Nach zehn Jahren ist es uns gelungen, gemeinsam mit den Kollegen aus Neuruppin und Brandenburg an der Havel eine medizinische Hochschule in Brandenburg und für Brandenburg zu gründen. Das Land braucht eine eigene Medizinerausbildung, damit zum einen dem Ärztemangel begegnet werden kann und zum anderen jungen Medizinern akademische Karriereperspektiven geboten werden. Außerdem ist es zwingend nötig, die Wahrnehmung in der Bevölkerung für die in Brandenburg zweifelsohne vorhandene Spitzenmedizin zu stärken, die bisher bedauerlicherweise nur in Berlin verortet wird. Brandenburg hat eine eigene medizinische Hochschule verdient. Im Übrigen wird dort auch ein Studiengang für Psychologie angeboten.

Im Gegensatz zu anderen medizinischen Fakultäten soll es keinen Numerus Clausus. Wonach erfolgt die Auswahl?

Die Auswahl erfolgt primär nach der Eignung. Wir wollen junge Menschen, die für die Medizin "brennen". Frauen und Männer, die eine Berufung verspüren, Ärztin oder Arzt zu werden. Dazu schauen wir uns den bisherigen Lebenslauf an. Eine große Rolle spielen Praktika in Gesundheitsbereichen, aber wir werden auch Auswahlgespräche führen. Die allgemeine Hochschulreife ist natürlich Voraussetzung für einen Studienplatz. Und die uns bislang vorliegenden Bewerbungen kommen durchaus von Abiturienten mit guten Abschlüssen.

Auf der Internetseite der Hochschule werden Studiengebühren in Höhe von insgesamt 115000 Euro angegeben. Was ist mit Studenten, die das nicht zahlen können?

Es werden Stipendien vergeben. So können Brandenburger Kliniken 80000 Euro von den Studiengebühren übernehmen. Bedingung dafür ist, dass der oder die Studierende sich verpflichtet, nach Abschluss des Studiums fünf Jahre als Arzt beziehungsweise Ärztin an dem jeweiligen Krankenhaus zu arbeiten. Ganz konkrete Anfragen von Bewerbern liegen dazu bereits vor.

Auch in Bernau werden künftige Mediziner ausgebildet. Was bedeutet das für das Herzzentrum?

Es ist eine tolle Aufgabe, junge Menschen zu Medizinern heranzubilden, aber natürlich auch eine Herausforderung für unser Herzzentrum. Schließlich müssen wir diese Ausbildung in unsere Abläufe integrieren. Wir sehen dem jedoch mit großer Freude entgegen. Auch unter dem Aspekt, dass die jungen Leute unser schönes Haus bereits zu einem frühen Zeitpunkt kennenlernen und dann hoffentlich später als Ärzte wiederkommen. Etwa sieben Studenten werden im Rahmen von Blockpraktika und praktischen Kursen jeweils zeitgleich bei uns ausgebildet.

Werden Sie und Privat-Dozent Dr. Christian Butter, Chefarzt der Kardiologie, an der Hochschule unterrichten?

Wir werden zu ordentlichen Professoren der Medizinischen Hochschule berufen. Unsere Berufungsverfahren laufen bereits. Ich möchte in Brandenburg nicht nur klinisch tätig sein, sondern auch in Lehre und Forschung als Hochschulmediziner, so wie viele andere habilitierte Kollegen auch. Erfahrungen als Hochschulprofessor konnte ich schon reichlich sammeln, da ich seit zehn Jahren eine außerplanmäßige Professur an der medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena innehabe.

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