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Hochzeit hinterm Zwergengarten

Gartenzwerg als Wappentier? Zur Diamant-Hochzeit am Dienstag nimmt das überdimensionale Exemplar am Festtisch von Ingeborg und Kurt Hundt (v. l.) Platz. Über Rehfelde hinaus ist der Zwergengarten von Kurt Hundt und seiner Frau Ingeborg als guter Seele im
Gartenzwerg als Wappentier? Zur Diamant-Hochzeit am Dienstag nimmt das überdimensionale Exemplar am Festtisch von Ingeborg und Kurt Hundt (v. l.) Platz. Über Rehfelde hinaus ist der Zwergengarten von Kurt Hundt und seiner Frau Ingeborg als guter Seele im © Foto: MOZ Gerd Markert
Gabriele Rataj / 23.12.2014, 18:08 Uhr
Rehfelde (MOZ) Der Weihnachtsmann steht im Vorgarten. Ein Mini-Ableger sitzt auf reh-gezogenem Schlitten daneben. Nur in der Veranda von Zwergengarten-Vater Kurt Hundt mangelt es an diesem 23. Dezember an Weihnachtsschmuck. Schließlich ist Hochzeits-, nicht Weihnachtstag.

Nein, an Weihnachten haben sie damals nicht gedacht, als Ingeborg und Kurt Hundt vor 60 Jahren einen Tag vor Heiligabend heirateten. Wer glaubt, dass das künftige Ehepaar Hundt die schwierige Vereinbarkeit der beiden unterschiedlichen Anlässe im Hinterkopf gehabt oder doppelte Feierlichkeiten in schneller Abfolge gescheut hätte, liegt falsch. "Im Winter hatten wir keine Arbeit", argumentiert Kurt Hundt. "Das war die beste Zeit zum Heiraten."

Wer in der Landwirtschaft zu Hause ist, weiß Bescheid. Schließlich war Kurt Hundt, den viele seit Jahren mit seinen mittlerweile rund 700 Gartenzwergen als "Zwergenvater" von Rehfelde kennen, Jahrzehnte dort beschäftigt. War die Ernte eingebracht, die Technik in den Winterschlaf geschickt, blieb Zeit zum Durchatmen. Zeit auch zum Heiraten.

Dabei hat's damals keiner im Dorf gewusst. Das mit der Hochzeit. Nur die Eltern seien dabei gewesen, wird am Diamant-Hochzeitstag am Tisch in der Veranda erzählt. Und das hatte schon etwas mit der Zeit zu tun, in der Sparen zum Alltag gehörte. 1954, als die Neubauern-Häuser in der Mitschurinstraße entstanden waren, in denen Hundts mit dem jüngsten Sohn und Schwiegertochter leben. Als das Baumaterial vom abgerissenen Schloss am Gutshof und die gelben Ziegel für den Haus-Sockel von der ehemaligen Maschinenfabrik in der Bahnhofstraße kamen, wie Hartmut Haube erzählt.

Der sitzt heute ohne Uniform der Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Rehfelde am Tisch, sondern mit Ehefrau Annemarie als Freunde der Familie. "Kurt war meine rechte Hand", berichtet der einst langjährige Wehrführer aus jener Zeit, als er die Kommandostelle Rehfelde-Dorf der Feuerwehr leitete. Auf dem Hof im Dorf stand die LPG-Technik schließlich direkt neben der Garage der Feuerwehr. Traktorist Kurt war so immer vor Ort. 65 Jahre ist es her, dass er die blaue Uniform der Feuerwehr besitzt.

Die hat Ehefrau Ingeborg Hundt gewissermaßen mit geheiratet. Und mit der Landwirtschaft ist sie ebenso vertraut. An die 50 Morgen Land gehörten zum Neubauern-Gehöft. Die wollten über die Zeit bewirtschaftet sein - zumal sechs Kinder und später Enkelin Manuela zu versorgen waren. "Manchen Sommer haben wir täglich 30, 40 Pfund Erdbeeren geerntet und verkauft", erinnert sie sich. Kein Wunder, dass sie die "Finanzministerin" in der Familie ist. "Wie gut, dass ich Sparsamkeit bei Oma gelernt habe", sagt die Enkelin.

Nach Bürgermeister, Freunden, Feuerwehrleuten kommen die Heimatfreunde gratulieren, wo Familie Hundt nicht nur wegen des Zwergengartens ebenfalls mitmischt. "Ein richtiger Hochzeitsstrauß", freut sich Ingeborg Hundt über deren Rosensträußchen. Ein weißes Brautkleid hatte sie 1954 nicht, aber Blumen bekam sie von ihrem Kurt jedes Jahr zum Hochzeitstag. Immerhin hatte Rehfelde mehrere Gärtnereien ...

Nein, viel Gewese machen die beiden nicht um die 60 Jahre Ehe. Sie reden lieber über die 349 Gäste 2014 im Zwergengarten und die tolle Tulpenbaum-Blüte. Und: Vor 60 Jahren war das gleiche Wetter wie heute! Zu warm und Nieselregen.

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