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Angela und Robert Jahn wollen über ein Projekt der solidarischen Landwirtschaft andere mit Gemüse versorgen

Solawi im Döbberiner Samhain

Döbberiner Ersatzwährung: Angela und Robert Jahn mit einem (vergößerten) Solawi-Schein.
Döbberiner Ersatzwährung: Angela und Robert Jahn mit einem (vergößerten) Solawi-Schein. © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 21.01.2015, 05:07 Uhr
Döbberin (MOZ) Angela und Robert Jahn wollen in diesem Jahr in die Solidarische Landwirtschaft einsteigen. Noch bis zum März sind Mitstreiter für ihr Projekt Solawi Samhain gesucht. Doch nicht nur damit beschreitet das Paar neue Wege. Auch mit der Übernahme der Kompostwirtschaft fürs Dorf.

"Wir leben im ehemaligen Dorfkonsum. Und um uns herum gibt es viele ältere Leute, die sich nicht mehr selbst versorgen können. Wir fühlen eine gewisse Verantwortung, da was zu machen", sagt Angela Jahn. Ihr Mann und sie haben begonnen, "etwas zu machen". Sie haben eine einen Hektar große Splitterfläche im Dorf von der PdA Alt Zeschdorf gepachtet und begonnen, sie urbar zu machen. "Das war Buschland, mit Quecken und anderem Unkraut zugewachsen. Mit großen Maschinen kommt man auf die Fläche nicht rauf", erklärt Robert Jahn.

Der gelernte Handwerker und Yoga-Lehrer ist in einer Gärtnerfamilie aufgewachsen. Seit etwa zehn Jahren hat ihn selbst die Liebe zum Gartenbau gepackt. Im 2000 Quadratmeter großen Hausgarten wird alles angebaut, was zur Eigenversorgung mit Gemüse nötig ist. Die sei "zu etwa 90 Prozent gesichert", sagt Robert Jahn. Doch nun sei mehr drin, meinen die beiden Döbberiner.

Sie wollen über das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft andere mit versorgen - mit ökologisch angebautem Gemüse. Im Februar wird das erste Gemüse angezogen, das auf zunächst rund 3000 Quadratmetern angebaut werden soll.

Interessant ist, wie Angela und Robert Jahn ihre "Unkrautwiese" urbar machen. "Wir haben die Kompostwirtschaft für Döbberin übernommen", sagt Angela Jahn und erklärt: Seit Jahren bringen die Dorfbewohner mit Duldung der Gemeinde das reichlich anfallende Laub, Grünschnitt und anderen Grünabfall auf eine Fläche zwischen der Kirche und der Bienen-Belegstation. Der Komposthaufen hatte im vorigen Jahr eine beachtliche Größe erreicht. Die Gemeindevertreter wollten ihn entsorgen lassen. "Da haben wir gesagt, dass wir den Kompost brauchen und angeboten, uns auch künftig um den Grünabfall im Dorf zu kümmern", berichtet Robert Jahn.

Die 13 Hänger Kompost wurden auf der Pachtfläche ausgebracht - aber nicht direkt aufs Unkraut. Das ist abgemäht und zunächst mit einer Lage Karton abgedeckt worden. Darauf kam eine dicke Schicht Kompost, der mit Pflanzenkohle geimpft und mit Steinmehl, Holzhäcksel und bakterienhaltiger Jauche vermischt wurde. Das sind die Zutaten, aus denen die legendäre "Terra Preta - schwarze Erde" entsteht. Sie gilt als Dauerhumus.

"Binnen zwei Jahren wird die Kartonage völlig verrottet sein", wissen Jahns aus ersten Erfahrungen in ihrem Hausgarten. Auch der war ein Unkrautparadies, als sie das Grundstück vor drei Jahren übernommen haben.

Auf die neue Fläche kommen in diesem Jahr zunächst nur Flachwurzler, erklärt Robert Jahn. Seine Anbauliste enthält rund 40 Gemüsesorten - von Kartoffeln und Tomaten über Wurzel- und Blattgemüse aller Art bis zu Hülsenfrüchten und Kohlarten.

Es werde "weiterhin Saatgut von alten Kultur- und Gemüsepflanzen genutzt", versichern die Döbberiner Gärtner im Zweitberuf. Ihren Haupterwerb haben beide als Yoga-Lehrer an mehreren Standorten in der Region und natürlich in ihrem heimischen Seminarhaus Samhain.

Und wie soll das mit der solidarischen Landwirtschaft im Samhain nun funktionieren? In einer Art crowfunding sollen sich Interessierte zunächst ein Jahr lang finanziell beteiligen. "Wir gehen pro erwachsenem Esser von 60 Euro im Monat aus", sagt Robert Jahn. Dafür garantieren Jahns über zehn Monate hinweg regelmäßige Lieferungen von frischem Gemüse.

Außerdem gibt es bis März eine Solawi-Sonderaktion: Fürzehn Euro gibt es zehn Solawi - eine Art Ersatzwährung in Gutscheinform. Das Geld soll in die Anschubfinanzierung des Projektes fließen. Denn für die Bewirtschaftung von 1,2 Hektar brauchen Angela und Robert Jahn Technik. Sie wollen einen Kleintraktor mit Frontlader kaufen, brauchen Wildzaun, Anzuchttöpfe, mehr Gewächshausfläche und einiges mehr. "Die Solawi-Gutscheine bleiben zwei Jahr gültig. Mit ihnen kann man - auch wenn man nicht Solawi-Teilnehmer ist - bei uns Gemüse kaufen oder die Teilnahme an Veranstaltungen in unserem Seminarhaus bezahlen", erklärt Robert Jahn.

Er hat Kontakt mit anderen Jungbauern und Gärtnern aus der Region geknüpft. Man will sich untereinander helfen - auch im Zusammenhang mit der solidarischen Landwirtschaft.

Am Solawi-Projekt Interessierte sind zu einer Informationsveranstaltung nach Döbberin, ins Seminarhaus Samhain eingeladen: Am 22. Februar gibt es ab 16 Uhr weitere Informationen zum Projekt. Angela und Robert Jahn bitten um Anmeldung.

Kontakt: E-Mail: solawi-samhain@web.de oder seminarhaus-samhain@web.de; Telefon: 033470 - 409044 oder 0177 - 6511287

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